KANTON SCHWYZ: Erziehungsrat: Basisstufe ist vom Tisch

Der Schwyzer Erziehungsrat will keine Grund- oder Basisstufen einführen. Dafür soll die Führung eines Zweijahreskindergartens obligatorisch werden.

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Schuler der Basisstufe Utenberg in Luzern beim Unterricht. (Manuela Jans/Neue LZ)

Schuler der Basisstufe Utenberg in Luzern beim Unterricht. (Manuela Jans/Neue LZ)

Das Bildungsdepartement des Kantons Schwyz beschäftigt sich schon länger mit der Frage, wie die ersten Jahre im Schulsystem kindergerechter ausgestaltet werden könnten. Gibt es doch immer wieder Kindergartenkinder, die bereits den gesamten Schulstoff der ersten Klasse beherrschen und im aktuellen System nicht gefordert und daher auch zu wenig gefördert werden. Im Kindergarten besteht aktuell kein offizieller Auftrag, die Kulturtechniken Lesen, Schreiben oder Rechnen bei interessierten Kindern zu fördern, und daher bleibt vieles dem Engagement der einzelnen Lehrperson überlassen. Dies kann dazu führen, dass betroffene Kinder unterfordert werden, den Schulverleider kriegen oder mangels Angeboten oftmals ungünstig Klassen überspringen.

Demgegenüber gibt es aber auch rund 10 Prozent an Kindergartenkindern, die zur Erlangung der Schulfähigkeit ein zusätzliches Kindergartenjahr benötigen.

Keine Umsetzung
Um den unterschiedlichen Bedürfnissen besser gerecht werden zu können, liess die Erziehungsdirektoren-Konferenz der Ostschweiz die dreijährige Grund- und die vierjährige Basisstufe erproben. Zielsetzung war, die Schuleingangsjahre flexibler zu gestalten. Der Eintritt und die Durchlaufzeit sollten dem Entwicklungsstand und dem Lerntempo der Kinder angepasst werden. Zudem wurde das Ziel gesetzt, die Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen interessierten Kindern bereits im Kindergartenalter zugänglich zu machen. Weiter wurde erprobt, möglichst alle Kinder aufzunehmen und auf Sonderklassen zu verzichten.

Der im Sommer 2010 abgeschlossene Schulversuch zeigte, dass die Grund- und Basisstufen alle gesetzten Ziele erreichten; auch dank der zusätzlichen 50 Lehrpersonen-Stellenprozente pro Klasse. Allerdings ermöglichte der mit ihnen verglichene traditionelle Kindergarten und die 1. und 2. Klassen der Primarschule ähnliche Ergebnisse. Der Erziehungsrat sieht daher von einer Umsetzung von Grund- oder Basisstufe im Kanton Schwyz ab.

Kindergarten weiterentwickeln
Der Erziehungsrat hat sich jedoch dafür ausgesprochen, dass gezielt eine Weiterentwicklung des Kindergartens angestrebt werden soll. Eintritt und Durchlaufzeit sollen flexibilisiert werden und es soll ein breiteres Lernprofil ermöglicht werden. Begabte Kinder sollen in geeigneter Form und in Koordination mit den Vorgaben aus dem Lehrplanprojekt 21 in den Kulturtechniken gefördert werden, ohne dass entsprechende Kenntnisse jedoch Voraussetzung für den Eintritt in die 1. Klasse werden. Der Erziehungsrat ist bereit zu prüfen, für diese Anpassungen zusätzliche Lehrpersonenlektionen im Kindergarten bereitzustellen. Er hat die Kommission Eingangsstufe beauftragt, entsprechende Umsetzungsvarianten auszuarbeiten.

Angebotsobligatorium
Der Erziehungsrat will auch weiterhin im Kanton nur ein einheitliches Eingangsstufenmodell umsetzen. Damit alle Kinder die Möglichkeit zum Besuch eines Zweijahreskindergartens erhalten, strebt der Erziehungsrat an, die Gemeinden mit einer entsprechenden Übergangsfrist im Sinne eines Angebotsobligatoriums zur Führung eines Zweijahreskindergartens zu verpflichten. Damit soll mittelfristig die Chancengleichheit sichergestellt werden, verfügen doch bereits heute zwei Drittel aller Schwyzer Gemeinden über ein entsprechendes Angebot.

pd/red.