KANTON: Werden Edelbrände bald teurer?

Bald schon könnte «Rigi Kirsch» als Marke geschützt sein. Nicht alle haben ungetrübte Freude daran.

Sandro Portmann
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Der Kanton unterstützt Schwyzer Betriebe bei der Anschaffung von Kirschbäumen. (Bild: Erhard Gick)

Der Kanton unterstützt Schwyzer Betriebe bei der Anschaffung von Kirschbäumen. (Bild: Erhard Gick)

Die Edelbrände «Zuger Kirsch» und «Rigi Kirsch» haben einen hervorragenden Ruf. Sie zeichnen sich durch eine typische Mandelnote aus, die aus dem Brand regionaler kleinfruchtiger Sorten entsteht. Seit über 400 Jahren ist der Kirschenanbau in der Region rund um die Rigi verankert. Nun sollen «Zuger Kirsch» und «Rigi Kirsch» als Marke geschützt werden. Seit gestern ist ein entsprechendes Gesuch im Schweizerischen Handelsblatt ausgeschrieben. Vor drei Jahren hat der Verein Zuger und Rigi Chriesi das Gesuch gestellt. Der Verein will mit mehreren Projekten dem Kirschenanbau wieder «mehr Schwung verleihen», wie es auf der Website heisst. Vereinspräsident Luis Suter freut sich sehr über diese Entwicklung. «Endlich gibt es einen Schutz für die regionalen Edelbrände», sagt er.

Edelbrände werden teuerer

Die Freude über die AOC-Zertifizierung hält sich bei Tony Zgraggen in Grenzen. Der Geschäftsführer der Schaubrenni in Lauerz hält fest: «Es hat sicher positive, aber auch negative Aspekte.» Zgraggen befürchtet, dass sich das neue Label auch auf den Preis auswirkt, dass die Chriesi-Produzenten einen höheren Kilopreis fordern, und das Familienunternehmen in der Folge ebenfalls den Preis für die Produkte nach oben korrigieren muss. «Ich habe nicht das Gefühl, dass wegen des Zertifikats mehr Kirschprodukte verkauft werden», zeigt sich Zgraggen skeptisch. Dass der Preis steigen wird, damit rechnet auch Suter. «Und das ist auch richtig so.» Es brauche einen anständigen Preis für die Produzenten. Suter schwebt ein Kilopreis von 1.20 Franken vor. Heute liegt er bei ungefähr 90 Rappen. Auch dass die AOC-Kennzeichnung mehr Aufwand bedeutet, sind sich beide einig. Denn wer die Bezeichnung «Zuger Kirsch» und «Rigi Kirsch» verwenden möchte, muss sich an strenge Auflagen halten, wie zum Beispiel die geografische. Aus dem Kanton Schwyz dürfen die Kirschen nur noch aus den Gemeinden Arth, Küssnacht, Steinen, Steinerberg, Sattel, Lauerz, Schwyz, Gers­au und Brunnen-Ingenbohl verwendet werden. Auch bei der Verarbeitung gelten strenge Regeln: «Im Prinzip ist es dieselbe AOC-Zertifizierung wie beim Käse», so Vereinspräsident Suter.

Unterstützung des Kantons

Da die Brennereien für die neue Marke nur regionale Kirschen verwenden dürfen, entsteht ein Mangel an Kirschen aus der Rigi-Region. Um hier dagegenzuhalten, sieht der Verein Zuger und Rigi Chriesi vor, neue Kirschbäume in den Kantonen Schwyz und Zug zu pflanzen. Rund 6000 Chriesi-Hochstammpflanzungen strebt der Verein an. «Zwischen 3000 und 4000 Bäume sind im Kanton Schwyz geplant», schätzt Suter. Wie es dann aber effektiv aussehen wird, kann er noch nicht sagen. In Schwyz sind die neuen Kirschbäume willkommen, wie Franz Walder vom Amt für Landwirtschaft sagt. Der Kanton beteiligt sich finanziell an den Projekten des Vereins. «Aus Sicht des Kantons ist es das Ziel, in der Schwyzer Landschaft wieder mehr Chriesi-Bäume zu pflanzen», so Walder. Der AOC-Zertifizierung gegenüber ist auch er «sehr positiv» eingestellt. Es sei sinnvoll, die Kirschen besser zu vermarkten. Das Landwirtschaftsamt unterstützt Betriebe im Kanton auch mit einem finanziellen Beitrag pro Chriesi-Hochstammpflanzung.