Kantonsübergreifendes Projekt soll Schwachstellen der Mountainbike-Infrastruktur ausbügeln

Die Schweizerinnen und Schweizer sind dabei, ihre Heimat wiederzuentdecken – zu Fuss und mit dem Mountainbike. Der Drang nach draussen offenbart die Schwachstellen der Zentralschweizer Infrastruktur für Biker und zeigt, wie wichtig gemeinsames Handeln unter dem Dach von «Mountainbike Zentralschweiz» ist.

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Mountainbiking ist in der Schweiz äusserst beliebt.

Mountainbiking ist in der Schweiz äusserst beliebt.

Bild: PD

(sre) In den letzten Jahren hat sich Moutainbiken zum Breitensport entwickelt. Vor allem das E-Mountainbike hat dem Sport einen Schub verliehen. Man schätzt, dass allein in der Zentralschweiz rund 56'000 Personen Mountainbike fahren – mit und ohne E-Motor. Wegen der Kombination von Lockdown und schönem Wetter bewegten sich die Schweizerinnen und Schweizer in den vergangenen Monaten vermehrt in der Natur, und darunter waren auch viele Biker, wie das Projekt «Mountainbike Zentralschweiz» der Zentralschweizer Tourismusbehörden mitteilt. An den Wochenenden sei deutlich geworden, dass in der Zentralschweiz insbesondere vier Aufgaben nicht mehr weiter auf die lange Bank geschoben werden dürfen: die Modernisierung der veralteten Infrastruktur, die Optimierung der Zaundurchgänge, das stärkere Einbinden der Landeigentümer und das Schliessen der gesetzlichen Lücken.

Was ist «Mountainbike Zentralschweiz»?

Die Zentralschweizer Tourismusorganisationen wollen das Mountainbike-Potenzial durch eine überregionale Zusammenarbeit nutzen, um den Gästen ein attraktives Sommerangebot inklusive Bike-Hotels zu bieten. Die Region Luzern-Vierwaldstättersee soll mit einem durchgehenden, aufeinander abgestimmten Angebot zu einer der attraktivsten und vielseitigsten Bike-Regionen der Schweiz werden. Dazu soll «Mountainbike Zentralschweiz» die Kantone und Gemeinden im Bemühen unterstützen, die bestehenden Infrastrukturen weiterzuentwickeln und dem heutigen Stand anzupassen. Ausserdem möchte «Mountainbike Zentralschweiz» den Kantonen und Gemeinden mit seinem Know-how bei der Erarbeitung von gesetzlichen Grundlagen zur Entflechtung von Wanderern und Mountainbikern helfen. Schliesslich werden mit dem «Verhaltenskodex für Mountainbiker» Grundlagen zum respektvollen Miteinander und zum Schutz von Mensch, Tier und Natur umgesetzt und kommuniziert. Das Projekt wird mit Mitteln der Neuen Regionalpolitik (NRP) der Kantone Luzern, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Uri unterstützt. (sre)

Wege, Sportgeräte und Gesetze passen nicht zueinander

«Die Wege wurden vor über zehn Jahren auf Flur-, Wald- und Forststrassen ausgeschildert», sagt Thomy Vetterli, Product Manager «Mountainbike Zentralschweiz». Seither wurden sie nur spärlich weiterentwickelt, weil kein politischer Auftrag bestand, rechtliche Grundlagen fehlten und im Gegensatz zur aktuellen Situation kein Nutzerdruck vorhanden war. Ausserdem besteht kein zusammenhängendes Wegnetz in der Zentralschweiz.

Hinzukommt die unklare gesetzliche Lage. Laut Strassenverkehrsgesetz sind Fahrräder auf Wegen, für die sie nicht geeignet sind, verboten. Doch Mountainbikes sind keine Fahrräder, sondern Sportgeräte, die auf Kies- und Teerstrassen unterfordert sind und sich deshalb sehr wohl für Wanderwege eignen. Somit fallen sie in eine gesetzliche Lücke: Sie sind weder explizit verboten noch explizit erlaubt auf Wanderwegen. Die kantonalen Fuss-, Wander- und Waldweggesetze helfen auch nicht weiter. «Sie weisen innerhalb der Zentralschweiz zudem grosse Unterschiede auf, was die Landeigentümer, Mountainbiker und Wanderer verwirrt», ergänzt Thomy Vetterli. Klar geregelt ist hingegen, dass Biken im Wald, auf Wiesen und im Jagdbanngebiet abseits der Wege verboten ist.

«Mit dem Projekt «Mountainbike Zentralschweiz» haben wir ein Instrument, das ideal ist, um in Zusammenarbeit mit den Kantons- und Gemeindebehörden in dieser komplizierten Situation Lösungen für die Zentralschweiz zu finden», sagt Thomy Vetterli. Erfreulich sei auch, dass man in den vergangenen zwei Jahren eine Gesprächsbereitschaft bei allen Interessengruppen und Fachstellen aufbauen konnte, so der Product Manager weiter. Ausserdem ist «Mountainbike Zentralschweiz» dabei, sich als eine überkantonale Know-how-Zentrale und Anlaufstelle zu etablieren. Nimmt man den aktuellen Nutzerdruck hinzu, scheint der Moment für Veränderungen gekommen.

Doch gesetzliche Anpassungen brauchen Zeit. Velowege fallen in den Zuständigkeitsbereich der Kantone und Gemeinden. So sieht es auch das «Bundesgesetz für Velowege» vor, das bis September 2020 in der Vernehmlassung ist. Kurzfristig wird sich daher wenig ändern. «Wir sind auf die gegenseitige Rücksichtnahme und das Verständnis der Wanderer und Mountainbiker angewiesen», sagt Thomy Vetterli.

Erste Massnahmen

Einige Hilfsmittel für ein optimiertes Bike-Erlebnis konnten jedoch bereits auf diese Sommersaison hin umgesetzt werden. «Zusammen mit der Landwirtschaft haben wir Durchgänge und Signalisationswimpel für Zäune entwickelt», sagt Thomy Vetterli. Mit den neuen Zaundurchgängen entfällt das Anhalten und Absteigen, um bei Viehweiden Tore zu öffnen, und das Schliessen geht auch nicht mehr vergessen. Ausserdem hat «Mountainbike Zentralschweiz» in Zusammenarbeit mit aktiven Mountainbikern einen Verhaltenskodex erarbeitet. Dieser hält zum Beispiel fest, dass Mountainbiker nur auf bestehenden Wegen und nicht querfeldein fahren sollen. Schliesslich empfiehlt der Product Manager den Mountainbikern mit ausgebildeten Mountainbike-Guides in Kontakt zu treten. Diese können erfahrene Biker auf unumstrittenen Wegen durch die schöne Zentralschweiz führen. Andererseits können sie Wiedereinsteigern ins Biken zeigen, mit welchen Fahrtechniken man mit der neuen Bike-Generation sicher und naturschonend fährt. Eine Liste möglicher Guides findet man auf www.bikeguides-zentralschweiz.ch.

«Bike Kingdom»: Lenzerheide, Arosa und Chur schliessen sich zu einer der grössten Bike Regionen der Alpen zusammen

Das Bike Kingdom Lenzerheide öffnet diesen Samstag, am 6. Juni, gemeinsam mit den Bergbahnen Arosa Lenzerheide seine Tore. Das neue Königreich soll Biker aller Art willkommen heissen und würde sowohl für eingefleischte Downhill-Biker, gemütliche E-Bike-Fahrer oder auch Familien mit Kindern abwechslungsreiche Angebote für perfekte Bike Erlebnisse bieten. «Nach fast zwei Jahren Planungszeit ist es für uns alle ein grosser Moment, wenn es am Samstag endlich losgeht», so Marc Schlüssel, Leiter Marketing der Lenzerheide Marketing und Support AG. (sre)

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