Keine Rückerstattung für Skiabos in Andermatt und Engelberg – andere Gebiete warten noch den Sommer ab

Die vorzeitige Schliessung ihrer Pisten trifft manche Skigebiete in der Region hart. In Andermatt ist die Rede von mehreren Millionen Franken, und auch die Klewenalp-Bahnen verlieren einen sechsstelligen Betrag.

Lucien Rahm und Christian Glaus
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Die Nächte sind kalt, der Schnee hält sich gut, obwohl tagsüber die Sonne schon kräftig vom Himmel scheint. «Die Bedingungen zum Skifahren wären perfekt gewesen, das hätte einen super März gegeben», sagt René Koller, Direktor der Bergbahnen Sörenberg, mit Bedauern. Doch bekanntlich haben die Bergbahnen ihren Betrieb wegen des Coronavirus per 14. März einstellen müssen. Die Skisaison hätte in höher gelegenen Skigebieten teilweise noch bis im Mai gedauert. Nun stellen sich Besitzer von Saison- oder Jahreskarten die Frage, ob sie für diesen Ausfall entschädigt werden. Viele der grossen Skigebiete der Schweiz verzichten nach einer gemeinsamen Absprache aber darauf, unter Verweis auf ihre allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Andermatt prüft «Mehrwerte für treue Kunden»

Dazu zählt auch das Skigebiet Andermatt-Sedrun. «Im Moment kann ich sagen, dass für die Besitzer von Jahreskarten definitiv keine Rückerstattung vorgesehen ist», schreibt Stefan Kern, Kommunikationsleiter der Andermatt Swiss Alps AG, auf Anfrage. «Allfällige Mehrwerte für treue Kunden» würden jedoch geprüft.

Die Skiarena Andermatt-Sedrun ist seit zwei Wochen geschlossen.

Die Skiarena Andermatt-Sedrun ist seit zwei Wochen geschlossen.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Andermatt, 14. März 2020)

Wie sich die finanzielle Lage der Skigebiete nach der vorzeitigen Schliessung präsentieren wird, ist noch nicht klar. Für die Andermatt Swiss Alps AG steht jedoch laut Kern bereits fest: «Die finanziellen Folgen der vorzeitigen Schliessung sind gravierend. Die Kosten liegen im hohen einstelligen Millionenbereich.»

Titlis: Gäste konnten Abo gut ausnützen

Kunden des Skigebietes Engelberg-Titlis können ebenfalls nicht auf eine Entschädigung hoffen. «Besitzer von Jahresabonnementen erhalten keine Entschädigungen, da diese Gäste ihr Abonnement während der meisten Zeit der Gültigkeitsdauer benützen konnten», teilt Titlis-Bergbahnen-CEO Norbert Patt mit. Gemäss den Geschäftsbedingungen der Bahnen ist eine Rückerstattung grundsätzlich auch nicht vorgesehen. Sie würden nur vereinzelte Anfragen zu diesem Thema erhalten, so Patt. «Die allermeisten Gäste zeigen sehr grosses Verständnis, dass wir in der jetzigen schwierigen Zeit auf den allgemeinen Geschäftsbedingungen bestehen und von einer Rückerstattung auf Saison- und Jahreskarten absehen – vor allem auch zur Sicherung unseres nachhaltigen, langfristigen Angebots.»

Die Talstation der Titlis-Bergbahnen in Engelberg.

Die Talstation der Titlis-Bergbahnen in Engelberg.

Bild: Urs Flüeler/Keystone, Engelberg, 14. März 2020

Die finanziellen Konsequenzen sind für die Titlis-Bahnen noch nicht klar. «Das können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen», so CEO Norbert Patt. Entscheidend sei, ab wann die Gäste wieder in die Schweiz reisen können und möchten.

Brunni: Rückerstattungen erfolgen im Einzelfall

Je nach Einzelfall wird bei den Brunni-Bahnen entschieden. «Wir hatten bislang nur wenige Anfragen nach Rückerstattungen und behandeln diese je nach Produkt unterschiedlich», schreibt Geschäftsführer Thomas Küng. Angebote, die im Vorverkauf mit Rabatt versehen waren oder Zusatzleistungen wie beispielsweise die Miete der Skiausrüstung beinhalten, seien von einer Kulanz bei der Rückerstattung ausgenommen. «Bislang habe ich keine negativen Rückmeldungen bezüglich dieser Handhabung erhalten», so Küng. Er glaubt, dass die meisten Saison- und Jahresabo-Kunden mit dem Verzicht auf eine Rückerstattungsforderung auch «ihre Solidarität gegenüber ihrem Lieblingsskigebiet» zeigen würden. «Und sie wollen es in dieser schwierigen Situation nicht noch zusätzlich finanziell belasten.»

Sörenberg: Saisonkarte ist auch im Sommer gültig

Das Saisonende in Sörenberg kommt sehr früh. Die Bahnen im Dorf wären noch drei Wochen weiter gefahren, jene am Rothorn bis Ostermontag. Für Saisonkartenbesitzer heisst das: Sie können ihr Abo nicht voll ausnützen. Es hätten nur wenige um eine Rückerstattung angefragt, sagt René Koller, Direktor der Bergbahnen. Viele hätten mit Verständnis reagiert, dass dies nicht möglich sei. «Man muss auch sehen, dass wir in den letzten Jahren laufend Mehrwert geboten haben. Seit drei Jahren ist das Abo auch in Marbach gültig und die Käufer erhalten zusammen mit der Saisonkarte Gutscheine von Partnerfirmen im Wert von über 120 Franken.» Komme hinzu, dass die 720 Franken teure Saisonkarte auch im Sommer für die Nutzung der Luftseilbahn Rothorn und der Gondelbahn Rossweid gültig sei.

René Koller, Direktor der Sörenberg Bergbahnen AG.

René Koller, Direktor der Sörenberg Bergbahnen AG.

Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 27. November 2015

In Sörenberg versucht man, aus der Situation das Beste zu machen. Trotz Schliessung der Bahnen falle noch Arbeit an, in der Administration und an den Anlagen selber. «Die Vorbereitungen für den Sommer laufen bereits», sagt Koller. So wurde etwa die Revision vorgezogen, damit die Bahnen wieder fahren können, sobald die Einschränkungen aufgehoben werden. Trotz der schwierigen Situation hat Koller den Optimismus nicht verloren. «Der Mai war noch nie unser stärkster Monat.» Am Rothorn beginne der Sommerbetrieb im Juni. «Wenn die Einschränkungen bis zu den Sommerferien aufgehoben werden, kommen wir mit einem blauen Auge davon.» Und vielleicht würden viele Schweizer wegen Sicherheitsbedenken oder aus Solidarität ihre Ferien hier verbringen, hofft Koller.

Frutt: Jahresumsatz dürfte um 12 Prozent sinken

Für Abonnenten der Sportbahnen Melchsee-Frutt ist eine Entschädigung ebenso wenig geplant. Geschäftsführer Daniel Domman hält zudem fest: «Die meisten Besitzer der Jahres- und Saisonabonnemente haben per Mitte März – sprich per Datum des vom Bund verordneten Stillstandes bei den Bergbahnen – Leistungen im Umfang ihrer Bezahlungen, auf Basis der Einzelpreise, bereits bezogen und weitgehend sogar ‹überzogen›.» Zu dieser Thematik würden sie bislang auch fast keine Anfragen erreichen. «Die vorzeitige Schliessung unserer Anlagen führte zu Mindereinnahmen im Bereiche von zirka 12 Prozent des Jahresumsatzes bei den Sportbahnen», erklärt Daniel Dommann.

Klewenalp: 300'000 Franken weniger Umsatz im März

Andere Skigebiete in der Region möchten die Situation indessen noch nicht abschliessend beurteilen. «Eine Entschädigung aufgrund der um zwei Wochen verkürzten Saisondauer ist bei den Saison- und Jahreskarten-Besitzern auf Grund höherer Gewalt nicht vorgesehen», teilt Roger Joss, Geschäftsführer der Bergbahnen Klewenalp-Stockhütte, auf Anfrage mit. Je nach Entwicklung würde man die Situation aber zu einem späteren Zeitpunkt wieder neu beurteilen. Bislang hätten sie vier Anfragen zur Rückerstattung von Jahres- und Saisonkarteninhabern erreicht, so Joss. Diese hätten aber dafür Verständnis gehabt, keine Rückvergütung zu erhalten.

Da war die Welt auf der Klewenalp noch in Ordnung: Vorbereitungsarbeiten für Wintersaison im Dezember 2018.

Da war die Welt auf der Klewenalp noch in Ordnung: Vorbereitungsarbeiten für Wintersaison im Dezember 2018.

Bild: Corinne Glanzmann, Klewenalp, 12. Dezember 2018

Was die vorzeitige Schliessung für die Klewenalp-Bahnen finanziell bedeutet, lasse sich «gesamtheitlich noch nicht abschätzen», so Roger Joss. «Jedoch haben wir alleine im März zirka 300'000 Franken weniger Umsatz erzielt, als dies in einem normalen März möglich gewesen wäre.» Zudem sei es bereits seit Anfang Februar wegen der wachsenden Verunsicherung zu einer «stark zunehmenden Anzahl Annullationen» gekommen, so Joss.

Hasliberg: Bahnen warten weitere Entwicklung ab

Bei den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg ist noch nichts entschieden. Man wolle abwarten, wie sich die Situation bis zur Sommersaison entwickelt, sagt Marketingleiter Simon Schmid. Von ihren Kunden hätten die Bergbahnen erst wenige Anfragen hierzu erhalten. Diese hätten verständnisvoll reagiert. Die finanziellen Folgen seien noch «schwierig zu beziffern», sagt Simon Schmid. Um das Personal weiter beschäftigen zu können, habe man nun Revisionsarbeiten vorgezogen.

Konsumentenschutz: Rückforderungen sind gerechtfertigt

Zu Verständnis auf beiden Seiten ruft auch Sara Stalder auf, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz in Bern. Sie wünscht sich, dass nach verschiedenen Lösungsmöglichkeiten gemeinsam gesucht wird. «Es müssen auch nicht zwingend Geldleistungen sein, auch andere Formen des Entgegenkommens wären denkbar.»

Grundsätzlich hält Stalder Rückerstattungsansprüche von Jahres- und Saisonabonnenten aber für gerechtfertigt. «Im Prinzip hätten die Kunden ein Recht auf eine Leistung.» Dass solche gemäss den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Skigebiete unter den aktuellen Umständen ausgeschlossen sein sollen, wäre gerichtlich zu überprüfen, so Stalder. «Solche einseitig festgelegten Bestimmungen könnten einen Verstoss gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb darstellen.»