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KIRCHE: Huonder lässt Bistum Urschweiz fallen

Der Bischof von Chur erteilt der Idee von einem eigenen Zentralschweizer Bistum eine Absage. Für eine Diözese Zürich lässt er eine Türe offen.
Bischof Vitus Huonder kehrt der Idee eines eigenen Zentralschweizer Bistums den Rücken. (Bild: Keystone)

Bischof Vitus Huonder kehrt der Idee eines eigenen Zentralschweizer Bistums den Rücken. (Bild: Keystone)

Pascal Hollenstein

Vitus Huonder beerdigt die Idee eines eigenständigen Bistums für die Zentralschweiz. Dies hält der Bischof von Chur in einem Schreiben fest, das nach einer Sitzung des Bischofsrates am späten Donnerstagabend an die kirchlichen Mitarbeiter seiner Diözese versandt worden ist. Huonder bezieht sich in dem Schreiben auf die Resultate einer Umfrage, die er im März in seinem Bistum durchführen liess. Ein Bistum Urschweiz werde mit vielen Argumenten und mehrheitlich abgelehnt, schreibt Huonder. Das Bistum wäre zu klein, und auf die betroffenen Kantone würden zu grosse Lasten überwälzt. Die Auswertung der Befragung soll transparent gemacht, also veröffentlicht werden.

Welche Kantone gehören dazu?

Gut die Hälfte der rund 900 kirchlichen Mitarbeiter der Diözese haben an der Umfrage teilgenommen. Sie habe insbesondere ergeben, dass Unklarheiten darüber bestehen, welche Kantone überhaupt zu einem Bistum Urschweiz geschlagen werden sollten. Neben den Kantonen Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden, die heute zum Bistum Chur gehören, stellt sich diese Frage insbesondere bezüglich Luzern und Zug. Diese beiden Kantone gehören derzeit zum Bistum Basel.

Die Idee einer gesamtschweizerischen Reorganisation der Bistümer scheint Huonder aber illusorisch. Es seien aus dem Bistum Basel Stimmen laut geworden, welche es unwahrscheinlich erscheinen liessen, dass hier Verhandlungsspielraum bestehe. Zum Vergleich: Im Gebiet des Bistums Basel wohnen rund 1 065 600 römisch-katholische Personen, im Bistum Chur sind es gut 565 900 Mitglieder (siehe Grafik).

Ohnehin müsste man mit den betroffenen Kantonen bei einer Neueinteilung Konkordatsverhandlungen führen, deren Ergebnisse – vorsichtig ausgedrückt – offen erschienen. Huonder erinnert daran, dass auch die Zentralschweizer Kantone sich gegen die Errichtung eines eigenen Bistums auf ihrem Gebiet ausgesprochen hätten. Damit könne man das Bistum Urschweiz «definitiv zu den Akten legen».

Skepsis in der Zentralschweiz

In der Zentralschweiz steht man der Idee eines Bistums Urschweiz grundsätzlich skeptisch gegenüber. So sagte etwa Werner Inderbitzin, Präsident der Kantonalkirche Schwyz, im März gegenüber unserer Zeitung, dass ein Bistum «Urschweiz» aus finanzieller Sicht kaum realistisch sei. Auch in den Kantonen Luzern und Zug war damals die Lust auf einen Bistumswechsel klein.

Eine klare Absage erteilt der Churer Oberhirte auch der im Kanton Zürich vorgebrachten Idee eines Doppelbistums Chur-Zürich mit einer eigenen Kathedrale in der Limmatstadt. Bereits sein Vorgänger Amédée Grab habe diese Option geprüft, allerdings aufgrund des Widerstandes in der Zentralschweiz und in Graubünden wieder aufgegeben, erinnert Huonder. Die Umfrage bestärke diese Argumentation.

Mit einem Doppelbistum würden praktische Probleme entstehen. Ein Bischof könne sich nicht aufteilen; auch wenn das Bistum also Zürich mit im Namen führen würde. Nicht in Frage kommt, dass der Bischof seinen Sitz an die Limmat verlegen würde. Huonder: «Einen so traditionsreichen Bistumssitz, der seit mindestens dem Jahr 451 allen Stürmen der Geschichte widerstanden hat und schon deshalb ein Monument des Glaubens ist, in eine Art Castel Gandolfo zu verwandeln, könnte ich nicht verantworten.» Er erinnert daran, dass Chur geografisch im Zentrum des Bistums liege und dass die Bündner Regierung sich klar gegen eine Verlegung des Bistumssitzes oder einen Doppelnamen ausgesprochen habe. Für ihn seien die Themen Doppelname, Doppelbistum und Verschiebung des Bistumssitzes deshalb «definitiv erledigt».

Nach der Ansicht der Zürcher Regierung jedoch würden keine Einwände gegen die Schaffung eines Bistums Zürich bestehen. Dieses würde den Besonderheiten eines eher urbanen Kantons entsprechen, wie die Regierung in einem Brief an den Bischof von Chur schreibt.

Neue Kommission für Zürich

Bleibt im Bistum Chur nun trotzdem beim Alten? Vielleicht doch nicht. Immerhin hält Huonder die Türe für ein eigenständiges Bistum Zürich einen Spalt weit offen. Es gebe gute Argumente für ein Bistum Zürich. In der Umfrage genannt wurde etwa die Erwartung, dass damit der kulturellen Vielfalt in der urbanen Region besser Rechnung getragen werden könne; oder der Umstand, dass Zürich von der Zahl der Katholiken her im Grunde schon heute das Zentrum des Bistums sei.

Es sei, schreibt Huonder, deshalb «verfrüht, dieses Projekt für beerdigt zu erklären». Nach Rücksprache mit dem Vatikan habe er den Generalvikar für Zürich und Glarus gebeten, mit der römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Gespräche über die Einrichtung einer Kommission zu führen. Diese, so Huonder weiter, solle sich mit den Argumenten vertieft auseinandersetzen und das Projekt Bistum Zürich weiter prüfen.

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