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Klimaerwärmung treibt die Vögel in die Alpen

Lebensräume für Vögel verschwinden zusehends. Die Vogelwarte Sempach ist deswegen alarmiert. Ein neuer Brutvogelatlas soll jetzt die Entwicklung – und den damit verbundenen Handlungsbedarf – aufzeigen.
Natalie Ehrenzweig
Dem Alpenschneehuhn wird der Lebensraum streitig gemacht, weil sich die Waldgrenze nach oben verschiebt. (Bild: Peter Vonwil)

Dem Alpenschneehuhn wird der Lebensraum streitig gemacht, weil sich die Waldgrenze nach oben verschiebt. (Bild: Peter Vonwil)

Der Vogelbestand in der Schweiz ändert sich ständig. Um dies zu dokumentieren, führt die Vogelwarte Sempach mit Unterstützung von vielen Freiwilligen jährliche Monitorings durch. Zudem gibt sie im November den dritten Brutvogelatlas der Schweiz heraus. Die ersten beiden Erhebungen sind in den 1970er- und den 1990er-Jahren durchgeführt worden. Verbunden ist dies mit einem immensen Aufwand: 2500 Quadratkilometer werden dazu dreimal im Frühling von Vogelzählern begangen. Das entspricht einer Fläche von 350 000 Fussballfeldern. «Die Freiwilligen schauen und hören – und schreiben dann ihre Beobachtungen auf», erklärt Livio Rey, Biologe und Mediensprecher der Vogelwarte.

Einer dieser Vogelzähler ist schon seit Anfang der 1990er- Jahre Luca Schenardi. Der Künstler und Illustrator hat seine Liebe zu den Vögeln schon als Kind entdeckt. «Meine Eltern waren sehr naturbegeistert, wir hatten ein Ferienhaus auf dem Urnerboden und einen grossen Naturgarten. Bereits in der Primarschule habe ich mit meinem Cousin Vögel beobachtet», erinnert er sich.

Braunkehlchen und Feldlerche verschwinden

Im Reussdelta lernten die beiden den kauzigen Ornithologen Hans Meier – den Vogelmeier – kennen. «In den folgenden Jahren haben wir mit ihm oft Exkursionen gemacht und viel gelernt, Bücher gelesen, Vogelstimmen auf Kassette gehört», erzählt Schenardi. So entstand der Kontakt zur Vogelwarte. «Wir wurden getestet, ob wir genug wissen. Dann durften wir bei der Zählung zum letzten Brutvogelatlas mitarbeiten», erinnert er sich schmunzelnd. Wenn Schenardi als Vogelzähler unterwegs ist, gilt es früh aufzustehen. «Wir fangen im Morgengrauen an und müssen um 11 Uhr fertig sein. Die Zählung muss dreimal zwischen Mitte April und Mitte Juni, in höheren Lagen bis Mitte Juli, stattfinden», sagt der Illustrator. Die Wege werden von der Vogelwarte vorgeschlagen.

Die jährlichen Monitorings und der Brutvogelatlas helfen, die Veränderungen zu beobachten, welche die Vögel betreffen. «Gewisse Vogelarten, die früher bedroht waren, konnten sich dank spezifischer Massnahmen erholen. Zum Beispiel der Bartgeier oder der Weissstorch», sagt Biologe Livio Rey. Doch in Land­wirtschafts- und Feuchtgebieten sowie in den Alpen besteht Handlungsbedarf. «Einige Arten wer­den seltener. Bei den Feuchtgebieten ist die Entwässerung ein Problem. Hier müsste renaturiert werden. Die Landwirtschaftsflächen werden intensiv genutzt, es wird gedüngt und oft gemäht. Hecken oder Asthaufen, also Kleinstrukturen, verschwinden. Zudem gibt es weniger freie Bodenstellen zur Nahrungssuche und weniger Platz zum Brüten.»

Genau diese Beobachtungen hat Luca Schenardi auch in dem Gebiet gemacht, das er begeht: «Wiesenbrüter haben es sehr schwer. Die Feldlerche und das Braunkehlchen sind praktisch verschwunden.» Neben der intensiven Landwirtschaft ist auch die Klimaerwärmung ein Problem für den Vogelbestand. Sie verschiebt die Waldgrenze – und damit den Lebensraum der Tiere – nach oben, wie der Biologe Livio Rey sagt. «Somit haben wir Vögel in den Alpen, die vorher noch nicht da waren. Diese Entwicklung ist problematisch. Denn die Vögel, die vorher in den Alpen lebten, verschwinden dann, wie etwa das Alpenschneehuhn.»

Muss dieses Verschwinden von Vogelarten die Bevölkerung interessieren? Für Luca Schenardi ist die Antwort klar: «Für mich sind Vögel eine echte Bereicherung der Landschaft, sie gehören in eine bestimmte Region, zu einem Biotop. Mich faszinieren ihre Vielfalt, ihre Stimmen. Besonders interessieren mich Nachtvögel, die schwierig zu entdecken sind.» Seine Begeisterung geht so weit, dass er in seiner Funktion als Illustrator sogar ein preisgekröntes ornithologisches Künstlerbuch mit dem Titel «An Vogelhäusern mangelt es jedoch nicht» herausgegeben hat.

Jeder kann zum Schutz der Vögel beitragen

Aber nicht nur Luca Schenardi tun Vögel gut. «Man weiss aus Studien, dass Menschen zufriedener sind, wenn sie Blumen, Vögel, kurz: eine intakte, artenreiche Natur um sich haben. Ausserdem sind Vögel ein guter Indikator dafür, wie es unserem Ökosystem geht, denn sie reagieren sehr schnell auf Veränderungen», betont Livio Rey. Der Biologe der Vogelwarte Sempach stellt fest, dass der Lebensraum der Vögel vielen unterschiedlichen Interessengruppen ausgesetzt ist: «Die Freizeitnutzung der Natur, die ­Jäger, die Landwirtschaft: Alle ­haben ihren Platz und ihre Forderungen.» Umso wichtiger sei es zu erkennen, dass jeder Einzelne zum Schutz der Vögel beitragen könne. «Wer einen Garten hat, soll ihn naturnah gestalten, das ist auch für alle anderen Tier- und Pflanzenarten gut: Einheimische Sträucher dienen den hiesigen Insekten, was gut für unsere Vögel ist.» Ausserdem könne man sich natürlich in Natur- und Vogelschutzvereinen engagieren und sich bei Abstimmungen und Wahlen dementsprechend verhalten. «Als Konsument sollte man darauf achten, was man isst: lokal und saisonal. Die Vogelwarte arbeitet mit Terrasuisse zusammen. Das Label zeichnet Landwirtschaftsbetriebe aus, welche die Artenvielfalt beachten.»

Mehr Infos: www.vogelwarte.ch

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