Klub der jungen Dichter

Der «Lauchwolf» und noch mehr Highlights: Das sind die schönsten Stilblüten aus dem «Klub der jungen Dichter»

In den letzten Wochen haben wir die besten Geschichten aus dem «Klub der jungen Dichter» publiziert. Zum Abschluss wollen wir Ihnen auch die nicht immer ganz freiwilligen Höhepunkte zu Gemüte führen.

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«Er verwandelt sich in einen Lauchwolf.» Eine von vielen Kuriositäten aus dem «Klub der jungen Dichter».

«Er verwandelt sich in einen Lauchwolf.» Eine von vielen Kuriositäten aus dem «Klub der jungen Dichter».

Illustration: Tiemo Wydler

Es war Mitternacht um 1 Uhr.

Schon mit dem ersten Satz bringen uns die Dichterinnen und Dichter zum Nachdenken, lassen uns eintauchen in die Welt, wie sie junge Menschen sehen:

Ich habe noch nie so ein schlankes und hübsches Mädchen gesehen. Doch dann sah ich noch ein Mädchen.

Alle Familienmitglieder leben im Ausland oder sogar schon im Altersheim.

Hausbesetzer sind Obdachlose, die sich in verlassenen Häusern breitmachen.

In einer Woche ist der Heilige Krieg.

Meine Schwester war verschwunden. Gerne hätte ich Hilfe von meinen Freunden geholt, doch die haben mehr Interesse an ihren neuen Schminkköfferchen.

Darum musste ich erst einmal mit einem Psychiater reden, der mich dann zu einem Psychopathen erklärte.

Auf dem dritten Erpresserbrief stand: «WEN IR LEILA WIDER SEN WOLT GIB MIER 15000 EURO» – «Immer diese Rechtschreibfehler!», sagte Nina.

Ich fand meine Frau tot im Bett. Und suchte im Internet einen guten Detektiv, der mir helfen kann.

Mia ist meine ABFFIUE («Allerbeste Freundin für immer und ewig»).

Diese Abkürzung gibt es wirklich! Hier lernen wir, wie die Jungen heute kommunizieren. Und auch etwas über ihre Logik, die zuweilen leicht anders ist:

Ich öffnete die Tür. Doch sie war verschlossen.

Jennifer gab die Webadresse ein und scrollte durch ganz Google.

Ich überlegte, ob ich die Polizei anrufen sollte. Aber dann liess ich es, denn ich hatte noch nicht alle Hausaufgaben gemacht.

Ich versteckte mich im Seitenflügel des Klaviers.

Sie wollten uns töten, aber wir konnten verhandeln: Jedem mussten wir drei McDonalds-Gutscheine versprechen.

Ich habe den Vertrag mit links unterschrieben, das heisst, dass er nicht gilt.

Ich dachte, es wäre meine Katze, denn sie macht mir manchmal die Tür auf.

Sie wollen zum Bäcker, Brötchen und Hundekuchen kaufen.

Weil ich Mitleid hatte, adoptierte ich sie, und jetzt ich bin Grossmutter!

Das ging aber schnell! Dann wiederum gibt es auch eine Logik mit einer leichten Tendenz zur Überplausibilität:

Also es war wirklich eine kleine Party, weil wir ja nur zu zweit waren.

Seit dem Tag durften sie nie wieder eine Bank ausrauben.

Die Leichen kamen, wir schossen: Aber warum sterben die Leichen nicht?!!

Sie lag im Koma und hatte deswegen Erinnerungslücken.

Als wir knapp über den Tannen flogen, hatte ich das Gefühl, dass wir sinken.

Er ist vermutlich noch sauer auf mich, weil ich ihm eine lebendige Kobra in den Schulranzen gesteckt habe.

Ich hatte 1000 Fragen im Kopf. Doch ich musste mich für eine entscheiden, weil meine Mutter ja nicht 1000 Fragen beantworten konnte.

Alligator, so hiess mein Kater. Er war bekannt dafür, dass er bissig war.

Die süsse Fee heisst Candy.

Nomen est omen. Wie hier:

Unser Hausschwein heisst Kevin Bacon.

Nun aber zu den klassischen Stilblüten:

Wir liefen zum Matterhorn und fassten es an. Es war sehr kalt.

Mein Vater wich dem Dieb aus, hob den Fuss und traf ihn … in die Kokosnuss.

Der Match ist nicht fair, denn ihr Torhüter verstopft das Tor.

Sie ritten durch den Kobold Wald, wo es von Kobolden nur so wimmerte.

Sie fanden heraus, dass sie einen Hacker auf ihrem Handy hatte. Momentan waren einige Hacker am Hacken.

Die Polizisten haben eine Vermutung festgestellt.

Er lag stunkbetrunken auf dem Sofa.

Als ich die Neuigkeit hörte, dachte ich, meine Ohren spinnen!

Folgende Aussagen und Dialoge haben einen tiefen Eindruck hinterlassen:

Der Polizist sagte: «Ich alarmiere die Polizei.»

«Er stand einfach nur herum, da musste ich eben mit ihm Schluss machen.»

Die Stewardessen riefen: «Keine Panik, wir finden eine Lösung!»

«Na, ich war im gleichen Flugzeug! Du bist also auch abgestürzt?»

«Bist du ein Mönch?» – «Nein, ich bin ein Mörder.»

«Was, es gibt noch mehr von euch?» – «Ja, na klar. Es gibt Tausende von mir!»

«Wähe, ihr erzählt jemandem von mir!»

«Wir schlagen morgen dein Haus in die Brüche!» – «Was muss ich tun, dass ihr das nicht macht.» – «Ein Schokoladenriegel wäre nicht schlecht.»

Meine Lehrerin sagte: «Oh nein, mein Matheheft ist verschwunden, dabei hattet ihr doch alle Lust auf Mathe!»

Die Schule ist natürlich öfter ein Thema:

Warum brechen die Diebe in einer Schule ein? Wir lernen ja sowieso nur langweilige Sachen.

Aufgrund von Kopfschmerzen, die ich wegen dem vielen Überlegen wirklich hatte, wurde ich von der Schule befreit.

Da sah ich hinein und sah die Kreatur, als sie sich umdrehte, sah ich das Gesicht, UND ES WAR MEIN LEHRER!!!

Tja, seltsame Zeitgenossen gibt es:

Lisa ist die Gruslige unserer Familie, sie macht bei so einem Wettbewerb mit, wer die längste Zeit wach bleiben kann.

Wir nennen Stuart unseren Bodydiener, weil er Bodyguard und Diener ist.

Wahrscheinlich ist er ein Mitglied der Untoten Hosen.

Ich gehöre zum stärksten Stamm in der Kanalisation – zu den Kloschüsslern!

Und fragwürdige Dinge ...:

John gewann schon viele Talentshows, weil er die Jurys zum Pinkeln brachte.

Sie gingen ins Spital, die Grossmutter war nicht mehr zu sehen, also sie war schon versorgt.

Robert war Leas Vater! Also besser gesagt der Ex von Leas Mutter.

Ich ohrfeigte ihn. Er ohrfeigte mich zurück. Das ging die ganze Nacht so weiter. Am nächsten Tag beruhigten wir uns.

Und so kommt dann doch oft alles gut heraus, mit neuen Perspektiven:

Als ich in Amerika ankam, nahm ich ein Pferd und ritt los.

Als ich im Kindergarten den Toilettenpapierhalter aus Lego gebaut hatte, ahnte ich, dass ich Einsteins Nachfolger war.

Meine Mutter trennte sich von meinem Vater. Und von nun an lebten meine Mutter und ich glücklich zusammen.

Gruss und Kuss von Ödipus. Höchste Zeit für das Schlusswort:

Ich muss ganz dringend etwas unternehmen. Aber zuerst gibt’s Frühstück.

Die Textstellen wurden gesammelt von Studierenden der Pädagogischen Hochschule Luzern, welche die 5158 eingesandten Storys vorjurierten. Auswahl und Kommentierung besorgte Arno Renggli.