Knapp am Burn-out vorbei

Andrea Schelbert
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Peter Freiburghaus und Antonia Limacher in ihrem Theater in Küssnacht. (Bild Remo Nägeli)

Peter Freiburghaus und Antonia Limacher in ihrem Theater in Küssnacht. (Bild Remo Nägeli)

Die Augen von Antonia Limacher leuchten, als sie von ihrem Ausritt im Wald erzählt. Peter Freiburghaus lauscht aufmerksam, bereitet seiner Lebens- und Bühnenpartnerin einen Kaffee zu. Etwas später küssen sie sich zur Begrüssung, beide lachen. Liebevolle Gesten gibt es während unseres Gesprächs im Theater Fischbach in Küssnacht immer wieder. 2012 hatte sich das Paar ein Time-out genommen – beruflich wie privat. Nach 25 gemeinsamen Jahren war der Wunsch nach mehr Freiraum gross. «Wir steuerten auf ein Burn-out zu. Wir sagten zueinander, dass das Time-out nötig sei, weil es sonst künftig kein Duo Fischbach mehr geben würde», erklärt Peter Freiburghaus. Das Bedürfnis, ein Jahr ohne Bühnenpräsenz zu verbringen, sei schon länger da gewesen. «Das Jahr hat uns beiden gut getan», erklärt das Paar. Auf die Entwicklung ihrer langjährigen Beziehung angesprochen, antwortet Antonia Limacher: «Wir sind beide ganzheitlicher geworden. Wir haben einander gefunden, um auch voneinander zu lernen. Wir sind gemeinsam ge­wachsen.»

Viel Knochenarbeit

Antonia Limacher und Peter Freiburghaus sind sensible, oder, wie sie es selber ausdrücken, «dünnwandige» Menschen. «Es ist nicht wahnsinnig gesund, Schauspieler zu sein. In diesem Business gibt es viele Alkoholiker, andere leiden unter Depressionen», weiss Peter Freiburghaus. Obwohl die zwei Künstler erfolgreich sind und fast immer für ausverkaufte Shows sorgen, können sie den Erfolg nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. «Es steckt viel Knochenarbeit dahinter», sagen beide. Bei jedem Auftritt müssten sie die volle Leistung abrufen können. Beide behaupten von sich, nicht besonders stressresistent zu sein. «Die Bühnenarbeit beglückt uns, fordert uns aber auch enorm. Wir sind nach einer Tournee oft erschöpft», erklärt Peter Freiburghaus.

Doch Fischbachs betonen, dass sie ihren Beruf lieben und sich nichts Besseres für sich vorstellen könnten. Sie erzählen von vielen Highlights und schwärmen von besonderen Glücksmomenten: «Nachdem das Publikum nach einem Auftritt gegangen ist, bleibt eine Energie zurück. Wenn wir spüren, dass unsere Show gelungen ist, dass es gefegt hat, dann fahren wir mit diesem unbeschreiblichen Glücksgefühl nach Hause», berichtet Antonia Limacher. Mit «Rent a Rentner» will das Duo 2014 sein Bühnen-Comeback feiern. «Die neue Show handelt unter anderem von der dritten Dekade des Lebens und vom Abschied nehmen», verraten die beiden Künstler. Doch auch die sozialen Medien und die daraus resultierenden Folgen werden thematisiert. «Lilian und Ernst Fischbach sind vernetzt und verfügen über moderne Kommunikationsmittel.»

Die zwei Komiker zeigen sich auch kritisch und nachdenklich: «Wir haben bei uns in der Schweiz einen Überfluss und von allem zu viel. Das wirkliche, substanzielle Leben wird oft in den technischen Geräten gesucht. Da läuft etwas gewaltig schief», ist Antonia Limacher überzeugt. Sie findet es wichtig, dass sich die Menschen Gedanken darüber machen, wie sie mit den Tieren, der Natur und den vorhandenen Ressourcen umgehen. «Dieses Bewusstsein vermisse ich bei vielen Menschen. Ich kann aber nicht die ganze Welt verändern, sondern nur meinen eigenen Teil zur Verbesserung beitragen.» Peter Freiburghaus stört sich daran, dass das Wachstum immer im Mittelpunkt steht. «Die ganze Weisheit unserer Wirtschaftsfachleute erschöpft sich im Wort Wachstum. Punkt. Müsste man nicht auch mal danach fragen, ob denn da ein gesundes Organ oder ein Geschwür wächst? Ist es zum Beispiel in der Schweiz unumgänglich, Arbeitsplätze mit Streubomben und Splitterminen zu schaffen?»

Nicht unendlich leben

Zeit, die eigene Endlichkeit, der Tod: Dies sind Themen, über die Antonia Limacher offen und locker spricht. «Ich musste schon von sehr vielen Tieren Abschied nehmen, oft hat mich das erschüttert. Der Tod gehört zum Leben. Manchmal beglückt mich auch der Gedanke, dass das Leben endlich ist. Denn ich möchte nicht unendlich leben», sagt die Luzernerin. Das Sterben sei für sie ein Transformationsprozess. «Ich hoffe, dass ich dann loslassen kann. Ich habe das Gefühl, dass mein Bewusstsein nach dem Tod weiterleben wird.» Sie glaube aber nicht daran, dass sie im Himmel auf einer Wolke sitzen und Pfeife rauchen werde, erklärt sie humorvoll. Peter Freiburghaus lacht über diese Aussage und erwidert: «Wir wissen nicht, was nach dem Tod kommen wird, und wir müssen es auch nicht wissen. Für mich kommt das Leben vor dem Tod. Der ganze Kosmos ist so riesig, dass wir kleinen Menschen doch unmöglich behaupten können, eine Ahnung zu haben, was nach dem Tod passieren wird.»