Kommentar «Chefsache»

Das Weihnachtsfest als Disziplinierungsinstrument? Fröhliches Fondue Covidoise!

Ein «Festtage-Paket» diskutiert der Bundesrat derzeit. Nein, es geht dabei nicht um staatlich finanzierte Weihnachtsgeschenke. Sondern um Coronaregeln für's grosse Fest. Hoffentlich bleiben da bloss das Augenmass und der Sinn für die so wichtige Gemeinsamkeit nicht aussen vor.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
Drucken
Teilen
Jérôme Martinu, Chefredaktor Luzerner Zeitung und Regionalausgaben.

Jérôme Martinu, Chefredaktor Luzerner Zeitung und Regionalausgaben.

Bild LZ

«Wenn wir jetzt nicht vorsichtig sind, werden wir an Weihnachten den Preis dafür zahlen.» Ein eingeschränktes oder gar gestrichenes frohes Fest als Drohkeule? Was der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz, Lukas Engelberger, vor den Medien gesagt hat, ist Teil einer gezielten Behördenkommunikation. Mit Fokus auf die Festtage soll die (grundsätzlich sicher richtige) Dringlichkeit im Kampf gegen Corona hoch gehalten werden. Kurz: Reisst euch weiter am Riemen!

Das ist noch nicht alles. Der Bundesrat berät gemäss Alain Berset derzeit ein «Festtage-Paket». Inhalt: «Was wir genau in der Weihnachtszeit beachten müssen.» Und das BAG hat inzwischen gar einen Leitfaden veröffentlicht. Bereits letzte Woche hat der baselstädtische Kantonsarzt Fondue chinoise als problematisch bezeichnet. Wenn es unbedingt das beliebte Menu sein müsse, dann bitte mit zwei Rechauds.

Der Steigerungslauf war zu erwarten. Weihnachten ist idealer Treiber, um zu disziplinieren. Was blüht da noch? Eine Verordnung über die Mindestlänge von covidkonformen Fonduegabeln? Rezepte für garantiert virenfreie Chinoise-Söseli?

Am Ende dieses derart schwierigen Jahres werden wir alle mehr denn je ein paar unbeschwerte Stunden brauchen. Das ist kein Plädoyer für Leichtsinnigkeit. Aber eines für Augenmass und vor allem für Menschlichkeit. Denken wir auch besonders an unsere alleinstehenden und älteren Mitmenschen. Feiern wir – so weit es verantwortbar ist – Weihnachten gemeinsam.