KOmmentar «Chefsache»
Drei unangenehme Wahrheiten zu unserer Pandemie-Realität

Jetzt wird es für mindestens sechs Wochen wieder zäh, auch wenn der erneute Lockdown nicht ganz so hart ist wie im Frühling 2020. Wo stehen wir beim so wichtigen Schutz der alten Menschen? Haben wir die Impfsituation schweizweit im Überblick? Und warum kann der Staat – also wir alle – so viel Hilfsgelder ausgeben? Zeit für Klartext.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu, Chefredaktor «Luzerner Zeitung» und Regionalausgaben.

Jérôme Martinu, Chefredaktor «Luzerner Zeitung» und Regionalausgaben.

Bild LZ

Mit dem vom Bundesrat angeordneten Lockdown wird das öffentliche und auch das private Leben ab Montag erneut scharf heruntergefahren. Ziel: Die Ansteckungswelle endlich nachhaltig zu brechen und das Risiko für die Ausbreitung der britischen Viren-Mutation zu minimieren. Lockdown II ist ein guter Zeitpunkt, um drei unangenehme Wahrheiten zur politisch-behördlichen Bekämpfung der Pandemie zu benennen:

1. Obwohl die Eindämmungsmassnahmen derart flächendeckend sind, versagen wir bei einem Kernziel: Die alten Menschen schützen. Die Zahl der mit oder an Corona gestorbenen alten Menschen steigt seit Oktober stark an. Die Mehrheit stirbt in Alters- und Pflegeheimen. Die Schutzmassnahmen sind zu wenig effektiv, das Virus wird durch Besucher und Personal hineingetragen. Warum wird in den Heimen nicht systematisch mit Schnelltests bei Personal und Besuchern operiert? Warum tragen Pflegende oft bloss die einfachsten Schutzmasken? Warum gibt es zu wenig Personal und damit zu viel Austausch zwischen Abteilungen?

2. Wir haben es trotz genügend Vorlaufzeit nicht geschafft, einen einheitlichen Impfmeccano zu organisieren. Einen nationalen Impfplan gibt es zwar. Dennoch hat jeder Kanton eine eigene Strategie, wie er konkret impft. Wer wird wann, wo geimpft? Gibt es seit Impfstart ein verlässliches, nationales Monitoring? Fehlanzeige. Der Bund muss nun die Impfdaten zunächst aus verschiedenen Systemen in Excel-Listen zusammenbasteln – und das im Jahr 2021! Bund und Kantone hätten schon ab letztem Sommer gemeinsam ein schweizweit funktionierendes Meldesystem bauen sollen.

3. Wir vergessen beim Geldausgeben, dass dies nur dank einem zuvor haushälterischen Umgang möglich ist. Es ist unabdingbar, dass Hilfsgelder für existenziell bedrohte Unternehmen und Institutionen fliessen. Aber: Diejenigen Politiker, die nun am lautesten nach Staatshilfe verlangen, sind oft dieselben, die in guten Zeiten das Geld mit vollen Händen ausgeben wollen.