KORPORATIONEN: «Korporationen arbeiten rationeller»

Delegierte von Korporationen aus der ganzen Schweiz treffen sich heute in Luzern. Die Luzerner Präsidentin zu den Aufgaben der alten Verbünde.

Interview Rainer Rickenbach
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Heidi Frey mit ihrem Hund Benji im vergangenen Herbst.

Heidi Frey mit ihrem Hund Benji im vergangenen Herbst.

Heidi Frey, Korporationen nehmen Aufgaben wahr, die sonst die Gemeinden und Kantone erledigen müssten. Finden sie dafür Wertschätzung?

Heidi Frey*: Die Wertschätzung für eine gut funktionierende Wasserversorgung oder den Erhalt von historisch bedeutsamen Bauten hängt letztlich davon ab, wie gut eine Korporation Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Und ob sie enge Kontakte zu anderen Behörden pflegt. Wir bemühen uns im Verbandsvorstand, die Korporationen dabei zu unterstützen.

Die Korporationen haben sich vor zehn, zwanzig Jahren für Frauen und Familien geöffnet, deren Wurzeln nicht auf Generationen hinaus aus einer Korporation stammen. Wie gross ist das Interesse der Leute, in Korporationen mitzuwirken?

Frey: Auch das hängt stark von den einzelnen Korporationen ab. Einige gehen aktiv auf die Leute zu und nehmen immer wieder Einbürgerungen vor. Sie können darum neue Leute einbürgern. Das geschieht in Interesse der Korporationen, denn schliesslich sollen sie weiter bestehen, und sie brauchen Leute, die sich in der Korporation engagieren.

Rund 15 Prozent des Luzerner Waldes sind im Besitz von Korporationen. Wie kommen sie mit dem tiefen Holzpreis zurecht?

Heidi Frey*: Für die Korporationen ist der tiefe Holzpreis nicht erfreulich. Sie sind mit dem Holzschlag zurzeit zurückhaltend und hoffen auf eine Trendwende. Die Korporationen verfügen in der Regel über grosse Waldflächen und haben darum viel Pflegearbeit zu erledigen.

Was unterscheidet den Korporationswald von Wald in Privatbesitz?

Frey: Da die Korporationen grosse Flächen betreuen, sind sie in der Lage, rationeller zu arbeiten als Private mit kleinen Waldparzellen. Grössere Korporationen haben eigene Forsthöfe. Sie sind auch im Naturschutz engagiert, die Korporation Sempach zum Beispiel hat eben mehrere Stillgewässer zur ökologischen Aufwertung angelegt. Auf kleinen Waldflächen bietet sich diese Möglichkeit kaum. Die Privatwaldbesitzer sind meist in regionalen Organisationen zusammengeschlossen, zum Teil sind dort auch Korporationen eingebunden.

Korporationen positionieren sich vor allem mit Fernwärmeanlagen immer stärker als Energieversorger. Wandeln sie sich vom Landeigentümer zum Energieversorger? Richten sie sich neu aus?

Frey: Von einer Neuausrichtung würde ich nicht sprechen. Holzschnitzelfeueranlagen sind für die Korporationen natürlich interessant, weil sie auch die Holzschnitzel liefern. Im Moment herrscht da freilich ein Engpass, und wir müssen aufpassen, nicht qualitativ gutes Holz dafür zu verwenden oder Schnitzel über weite Wege zu transportieren. Aber es ist richtig: Öffentliche Körperschaften stehen bei der Förderung von erneuerbaren Energien besonders in der Pflicht. Korporationen können da ihre Erfahrungen vom Forstwesen oder von der Wasserversorgung einbringen.

Im Kanton Luzern erhalten die Korporationen ihr eigenes Gesetz. Was ändert sich für die Korporationen?

Frey: Es ändert sich konkret nicht sehr viel. Mit der neuen Staatsverfassung musste der Auftrag der Korporationen gesetzlich geregelt werden. Sie behalten ihren öffentlich-rechtlichen Status. Wie die Einwohnergemeinden übernehmen die Korporationen mehr Eigenverantwortung, was die Aufsicht angeht. Das werte ich als Anerkennung für die gute Arbeit der Korporationen.

Hinweis

* Heidi Frey (51) aus Sempach ist Präsidentin des Verbandes Luzerner Korporationsgemeinden und CVP-Kantonsrätin.