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KRIMINELL: «Einbrecher nutzen jede Gelegenheit»

2014 kam es in der Zentralschweiz zu mehr als 3600 Einbrüchen. Die nun immer längeren Nächte spielen den Tätern in die Karten. Aber man kann sich auch schützen.
Niels Jost
Beweisfotos der Luzerner Polizei; für einen Einbruch verwendetes Werkzeug. (Bild Luzerner Polizei)

Beweisfotos der Luzerner Polizei; für einen Einbruch verwendetes Werkzeug. (Bild Luzerner Polizei)

Es ist Winterzeit, die Tage werden kürzer, die Nächte länger. Die Meldungen über Einbrüche häufen sich: Am vergangenen Montag rückte die Luzerner Polizei wegen eines Einbruches in der Stadt aus, und heute vor einer Woche schnappte ein Polizeihund einen mutmasslichen Einbrecher in Adligenswil. Bieten die frühen Dämmerungszeiten für Kriminelle nun mehr Gelegenheiten, um einen Einbruch zu begehen? Jein, sagt Kurt Graf, Sprecher der Luzerner Polizei. «Einbrecher sind das ganze Jahr am Werk.»

Nur gut jeder zehnte Fall geklärt

Letztes Jahr wurden in allen Zentralschweizer Kantonen 3669 Einbrüche verübt. Der grösste Kanton, Luzern, ist mit 2097 Fällen klarer Spitzenreiter, vor Zug (753) und Schwyz (417). In Nidwalden drangen 177-mal Kriminelle in eine Wohnung ein, in Uri 125-mal. Am wenigsten Einbrüche verzeichneten die Obwaldner Behörden mit 100 Fällen. Schweizweit kam es zu rund 52 300 Einbrüchen.

Geschnappt werden die Einbrecher aber nur selten: Die Aufklärungsrate im Kanton Luzern lag letztes Jahr bei rund 16 Prozent. Damit liegt Luzern im gesamtschweizerischen Durchschnitt von 14 Prozent. Auch in den anderen Zentralschweizer Kantonen bewegt sich die Aufklärungsrate zwischen gut 5 Prozent (Uri) und 20 Prozent (Obwalden).

Polizeisprecher Kurt Graf erklärt: «In der Regel sind Einbrecher sehr vorsichtig und nehmen kaum ein Risiko auf sich. Sie wollen möglichst schnell an Wertsachen gelangen, um gleich wieder zu verschwinden.» Deshalb seien etwa im Kanton Luzern die meisten Einbrüche entlang der Hauptverkehrsachsen, also der A 2 und A 14, auszumachen. Ebenso in der Stadt und Agglomeration: «In urbanen Gebieten ist die Anonymität grösser», so Graf.

Licht verrät, ob jemand zu Hause ist

Dennoch: Die nun immer länger werdenden Nächte kommen den Einbrechern gelegen. Grund dafür ist das Licht in den Wohnungen. «Für die Einbrecher ist das ein Indiz dafür, dass jemand zu Hause ist – das Objekt kommt somit weniger in Frage. Brennt in einer Wohnung aber kein Licht, ist das eher ein potenzielles Einbruchsziel», erklärt Kurt Graf.

Deshalb rät die Polizei, auch nach Verlassen der Wohnung ein Licht brennen zu lassen und somit vorzutäuschen, dass jemand anwesend ist (siehe kleine Box unten). Noch besser ist die Täuschung, wenn zusätzlich die Storen runtergelassen werden, sodass noch Licht durchschimmert, aber nicht erkennbar ist, ob sich jemand innerhalb der Wohnung befindet.

Polizei stärker in Quartieren präsent

Seit der Umstellung auf die Winterzeit am 25. Oktober sind die Patrouillen der Luzerner Polizei – wie in anderen Kantonen – auch heuer bei Möglichkeit verstärkt in den Quartieren präsent. Dort sprechen die Beamten gezielt Bewohner an, weisen sie auf die mögliche Einbruchsgefahr und auf die polizeiliche Sicherheitsberatung hin, die kostenlos ist.

Ein Flyer soll zusätzlich sensibilisieren. Darauf steht geschrieben: «Bei Verdacht: Tel. 117. Gemeinsam gegen Einbrecher. Ihre Polizei.» Die Polizei schildert auf dem Flyer zudem verdächtige Situationen, die umgehend der Polizei zu melden sind:

  • Streifen unbekannte Personen durch das Quartier?
  • Fahren unbekannte Fahrzeuge (eventuell mit ausländischem Nummernschild) «suchend» durch das Quartier?
  • Geräusche, etwa das Klirren von Fensterscheiben oder das Splittern von Holz.

Schwachstellen im Haus ausgenutzt

Kommt es dennoch zu einem Einbruch, dauert er in der Regel nur ganz kurz: rein ins Gebäude und schnell wieder raus – und das möglichst unbeachtet und geräuschlos. Gerade aber das Eindringen in das Gebäude verursacht meist Lärm. Kein Wunder, denn Schlösser müssen geknackt oder Fenster zerschlagen werden (siehe Bilder). Um sich Zutritt zu verschaffen, nutzen die Einbrecher die Schwachstellen der Häuser: Haus-, Keller- oder Balkontüren, Fenster und sogar Lichtschächte. Dabei kommen etwa Geissfuss, Schraubenzieher, Zange oder Hammer zum Einsatz. «Um nicht aufzufallen, darf das Werkzeug nicht zu gross sein», erklärt Kurt Graf. Auch ganz simples «Werkzeug», etwa ein Stein, der durchs Fensterglas geworfen wird, kommt zum Zug. «Die Täter warten dann kurz, ob jemand das Klirren gehört hat und darauf reagiert. Falls nicht, steigen sie ein.» Deshalb sei es wichtig, bei verdächtigen Geräuschen die Polizei zu alarmieren. «Einbrecher nutzen jede Gelegenheit, um ans schnelle Geld zu kommen», so Graf.

Sind die Einbrecher einmal in der Wohnung drin, beginnt die systematische Suche nach Bargeld, Schmuck, elektronischen Geräten und anderen Wertsachen. Kurt Graf: «Oft höre ich den Satz: ‹Die wussten genau, wo die Sachen waren.› Doch die Täter suchen vor allem dort, wo die Wertsachen mit grosser Wahrscheinlichkeit abgelegt wurden: Schmuck im Badezimmer, Bargeld im Büro.»

Opfer: Psychischer Schaden

Viele Opfer eines Einbruches erleiden allerdings nicht nur einen materiellen Schaden, sondern auch einen psychischen (siehe Interview unten). Vor allem ein Einbruch in den eigenen vier Wänden kann als Verletzung der Privat­sphäre erlebt werden und eine psychische Belastung nach sich ziehen. Allerdings fallen die Reaktionen immer unterschiedlich aus. Zu diesem Fazit gelangen zwei Psychologen der Universität Zürich in ihrem 100 Seiten starken Ratgeber «Ist es noch mein Zuhause?», den sie 2014 zusammen mit der Mobiliar-Versicherung publiziert haben. «Niemand rechnet damit, dass ihm etwas Derartiges zustossen könnte», schreiben die Autoren Rahel Bachem und Andreas Maercker. Deshalb sei es wichtig, nach dem Einbruch wieder ein Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Zu-Hause-Sein zu entwickeln.

HINWEIS

Lassen Sie sich gratis von der Luzerner, Zuger und Schwyzer Polizei beraten. Informationen und Anmeldetalons sind auf den jeweiligen Websites zu finden.

Sicherheitstechnik schützt nur bedingt

Christian Maag (48) ist Geschäftsführer von Abus Schweiz in Baar. Abus stellt seit über 90 Jahren unter anderem Sicherheitstechnik für Gebäude her. Die Produkte werden hauptsächlich in Deutschland entwickelt und schweizweit von über 600 Abus-Partnern eingebaut. Das Sortiment umfasst unter anderem Alarmanlagen, Fenster- und Türsicherungen, Schliessanlagen und Videoüberwachung. Derzeit gehen bei Abus in Baar rund 30 Prozent mehr Anfragen punkto Sicherheitsvorkehrungen ein. Maag erklärt, wie man seine Wohnung oder sein Einfamilienhaus am besten gegen Einbrüche sichern kann und in welchem Fall Sicherheitsvorkehrungen nicht zwingend nötig sind.

Christian Maag, jetzt ist es wieder länger dunkel draussen. Ist nun die Hochsaison für Einbrecher?
Christian Maag:
Wir haben vermehrt Anfragen von Privatpersonen, die ihr Eigenheim besser vor Einbrüchen sichern wollen. In den rund sechs dunklen Monaten nimmt die Nachfrage nach Sicherheitsvorkehrungen etwa um 30 Prozent zu. Leider kommen in den meisten Fällen die Anfragen erst nach einem erfolgten Einbruch. Es wird selten präventiv eine Alarmanlage eingebaut oder Fenster und Türen mechanisch gesichert. Ausnahmen sind Neubauten.

Warum werden erst nach Einbrüchen Sicherheitsmassnahmen ergriffen?
Maag:
Wir Schweizer fühlen uns zum Glück immer noch sehr sicher und denken, dass es wenig Einbrüche gibt. Die Statistik zeigt aber, dass es nirgends in Europa so viele Einbrüche pro Einwohner gibt wie bei uns. Die meisten Leute haben zudem das Gefühl, dass es bei ihnen nichts Wertvolles zu holen gibt. Oder sie fürchten sich, dass eine Alarmanlage vielleicht einen Fehlalarm auslösen könnte und sich Nachbarn daran stören könnten. Ausserdem wäre es ihnen unangenehm, wenn die Polizei bei einem Fehlalarm ausrücken müsste und das noch Kosten verursachen würde.

Kann es sein, dass solche Sicherheitsmassnahmen zu teuer sind?
Maag:
Man kann auch mit kleinem Budget sein Haus sichern. Wenn jemand nur zwei Fenster im Erdgeschoss einbruchsicher machen will, dann kostet das um die 500 Franken. Für ein Einfamilienhaus, in welchem im Erdgeschoss zehn Fenster und zwei Türen zu sichern sind, zusätzlich noch eine Alarmanlage eingebaut und das Haus mit mehreren Videokameras ausgerüstet wird, können die Kosten mehrere tausend Franken betragen.

Wurde einmal eingebrochen, nimmt das Sicherheitsbedürfnis zu.
Maag:
Ein Einbruch hinterlässt oft psychische Folgen. Viele Menschen können nicht mehr schlafen, fühlen sich in ihren eigenen vier Wänden unsicher. Dann setzen sie in der Regel alles daran, ihr Haus bestmöglich zu sichern. Statistiken zeigen, dass viele Einbruchsopfer innerhalb von sechs Monaten umziehen, weil sie sich – trotz Sicherheitsvorkehrungen – vor erneuten Einbrüchen fürchten.

Also wäre es sinnvoll, präventiv sein Heim bestmöglich abzusichern?
Maag:
Nicht unbedingt. Man muss individuell entscheiden. Ich beispielsweise wohne in einer Dachwohnung, wo es keinen Lift gibt und meine Nachbarn tagsüber zu Hause sind. Aus Sicherheitsbedenken würde ich dementsprechend nicht unbedingt eine Alarmanlage brauchen. Doch wenn etwa Kinder im Haus wohnen, man sehr teure Gegenstände besitzt oder ängstlich ist, dann machen Sicherheitsvorkehrungen am Haus durchaus Sinn.

Schützen verstärkte Fenster und Türen oder Alarmanlagen in jedem Fall vor Einbrechern?
Maag:
Obwohl gesicherte Fenster 15 Minuten lang den Widerstand einer Tonne aushalten müssen, schützen sie nicht vollständig vor Einbrechern. Wenn einer oder mehrere Täter – meistens arbeiten die sehr professionell – in ein Haus eindringen wollen, dann schaffen sie es trotz Sicherheitsvorkehrungen. Doch: Bei gut gesicherten Gebäuden brauchen sie viel mehr Zeit einzudringen. Da kann es sein, dass sie ertappt werden oder dass sie aufgeben, weil es ihnen zu wenig schnell geht.

Nachgefragt: Yasmin Kunz

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