KÜSSNACHT: Gewerbe blickt der Umfahrung positiv entgegen

Durch die Südumfahrung wird der Verkehr um das Dorf gelenkt. Die Läden im Zentrum fürchteten deshalb um ihre Kundschaft. Die Angst sei aber unbegründet, sagt nun der Bezirksrat – gestützt auf Erfahrungen aus dem Kanton Aargau.
Südumfahrung Küssnacht: Was geplant ist (Bild: Grafik aus dem Archiv (15. Mai 2017))

Südumfahrung Küssnacht: Was geplant ist (Bild: Grafik aus dem Archiv (15. Mai 2017))

Es geht vorwärts in Küssnacht. Zwar nicht auf den Strassen, dafür aber mit den Bauarbeiten der 127 Millionen teuren Südumfahrung. Und auch die Projekte der «Neuen Zentrumsgestaltung» sollen im Frühling öffentlich aufgelegt werden.

Gas gibt ebenso der Bezirksrat. Anfang Jahr hat er eine Charmeoffensive lanciert, indem er laufend über die vielen, komplexen Projekte informiert. Dabei möchte er die Vor- und Nachteile des neuen Verkehrsregimes aufzeigen – und schreckt auch nicht vor aufwendigen Recherchen zurück. So stellt er in seinem neuesten Bericht einen Vergleich zu zwei Dörfern her, die bereits Erfahrung mit einer Umfahrung haben. Die Aargauer Gemeinden Döttingen und Klingnau werden seit den 90er-Jahren umfahren. Die Ängste der dortigen Bevölkerung und des Gewerbes seien «unbegründet» gewesen, lässt sich René Utiger, Präsident des Gewerbevereins Aaretal-Kirchspiel in der Mitteilung zitieren. Denn auch heute noch fahre der Nahverkehr durch das Zentrum – der Transitverkehr weiche auf die Umfahrung aus. Dasselbe erhofft sich der Bezirksrat auch von der Küssnachter Südumfahrung, die 2019 eröffnet werden soll. Ist die Angst des Gewerbes, dass künftig die Kundschaft fernbleibe, also unbegründet?

Um es vorwegzunehmen: Eine abschliessende Antwort kann derzeit wohl niemand liefern. Das wäre Kaffeesatzlesen. Doch das Küssnachter Gewerbe scheint die aktuelle Ausgangs­lage akzeptiert zu haben. Es will pragmatisch nach vorne blicken. «Nun hat Küssnacht die Möglichkeit, sich neu aufzustellen und ein attraktives regionales Einkaufszentrum zu bleiben», sagt etwa Jörg Looser, Präsident des Marktplatzes Küssnacht. Looser, der das gleichnamige Optikergeschäft im Zentrum führt, ist sich aber auch bewusst, dass das Gewerbe nun gefordert ist. «Küssnacht braucht einen guten Branchenmix und qualitativ hochstehende Fachgeschäfte», sagt er. «Dafür müssen auch wir Detaillisten unsere Hausaufgaben machen.» Denn tolle Geschäfte und motivierte Mitarbeiter, die ihr Metier verstehen und dem Kunden beste Beratung geben können, kämen nicht von selbst.

Gleicher Meinung ist Martin Christen, Zunftmeister des Handwerker- und Gewerbevereins. Er sei zuversichtlich, dass das Küssnachter Gewerbe trotz der Umfahrung auch weiterhin bestehen kann. «Wir müssen uns dieser neuen Aufgabe stellen. Wenn die Qualität stimmt, dann kommen auch die Leute», meint er.

Kritischere Töne kamen in der Vergangenheit von Dani Windlin, Präsident der IG Zentrum. Mit seiner Beschwerde gegen die Schliessung der Einfahrt Litzi ins Dorfzentrum wollte er eine Diskussion über das Vorhaben ins Leben rufen. Er ist aber nach wie vor optimistisch: «Mit einem gemeinsamen Dialog finden wir zur optimalen Lösung für den Verkehr.» Er lobt denn auch die Informationsoffensive des Bezirksrats. In einem Punkt tadelt er diesen aber auch: «Es braucht mehr Parkplätze – nicht zwingend mitten im Zentrum, aber sicherlich drumherum. Dafür werden wir uns weiterhin hartnäckig einsetzen», sagt der Wirt des «Adlers».

Damit greift Windlin ein weiteres Argument aus der neuesten Mitteilung des Bezirksrats auf. In dieser wird Paul Hasler vom Netzwerk Altstadt der Schweizerischen Vereinigung für Landesplanung wie folgt zitiert: «Die Kunst besteht darin, den Verkehr bis dicht ans Zentrum zu führen, nicht aber hindurch.»

Internet bleibt eine Herausforderung

Trotz Optimismus: Der wegfallende Verkehr aus dem Zentrum ist nicht die einzige Herausforderung für das lokale Gewerbe. Die Anzugskraft grösserer Einkaufscenter wie die Mall of Switzerland oder das Einkaufen im Internet könnten den Läden zusetzen. Das haben auch die beiden Aargauer Dörfer zu spüren bekommen – Umfahrung hin oder her. Der Bezirksrat betont deshalb, wie wichtig die beiden Grossverteiler Migros und Coop für Küssnacht sind. «Ziehen sie weg, büsst das ganze Dorf.»

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

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