KÜSSNACHT: In Küssnacht ist die Königin unvergesslich

Vor 80 Jahren verstarb die belgische Königin Astrid bei Küssnacht nach einem Verkehrsunfall. Ihr Enkel, König Philippe, nahm gestern am Gedenkgottesdienst in der Astridkapelle teil.

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Am 80. Todestag der belgischen Königin Astrid tauschte sich König Philippe (Mitte) mit der Küssnachter Bevölkerung aus – vor der Kapelle, die seiner Grossmutter gewidmet ist. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Am 80. Todestag der belgischen Königin Astrid tauschte sich König Philippe (Mitte) mit der Küssnachter Bevölkerung aus – vor der Kapelle, die seiner Grossmutter gewidmet ist. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Thomas Heer

Es war wenige Minuten vor 12 Uhr, als von Richtung Luzern kommend ein schwarzer BMW X5 vor dem Ortseingang von Küssnacht stoppte. Dem schwarzen Offroader mit Berner Diplomatenkennzeichen entstiegen König Philippe von Belgien und dessen zwölfjähriger Sohn, Prinz Gabriel. Die beiden Adligen schritten über den roten Teppich und gelangten danach die Treppenstufen hinunter an den See. An jene Stelle, wo gestern vor exakt 80 Jahren die Gross- respektive Urgrossmutter Königin Astrid bei einem Autounfall mit 29 Jahren aus dem Leben schied.

Zum «Lied von Brabant», der belgischen Nationalhymne, stellten sich König und Prinz vor das weisse Kreuz aus schwedischem Granit, das in den Hang bei der Unfallstelle eingelassen wurde. Danach dislozierten Vater und Sohn in die nahe gelegene Kapelle, die zu Ehren ihrer verstorbenen Vorfahrin wenig unterhalb der Luzernerstrasse errichtet wurde. Den Gottesdienst auf dem Gelände, das der belgische Staat von der Eidgenossenschaft als Geschenk erhielt, zelebrierte der Einsiedler Benediktinerpater Jean-Sébastien Charrière.

Besuch aus dem Kanton Jura

Der Geistliche wies während der schlichten Messe darauf hin, dass Verstorbene einen an die eigene Vergänglichkeit erinnern. Das sei, so Charrière, aber kein Grund, in Trauer zu verfallen, sondern vielmehr Grund, das Hier und Jetzt zu leben und jeden Augenblick als Geschenk zu betrachten. Musikalisch wurde die Messe vom Bläserquartett Paul Frehner aus Küssnacht begleitet. Zwei Trompeter und je ein Posaunist sowie Waldhornbläser spielten unter anderem Werke der Renaissance Komponisten Orlando di Lasso und Giovanni Pierluigi da Palestrina.

Nach dem Gottesdienst pflegte König Philippe noch kurzzeitig den Smalltalk mit den anwesenden Gästen, viele waren extra aus Belgien angereist. Nicht ganz von so weit her kam Philippe Siraut. Der gebürtige Belgier wohnt seit 27 Jahren in Delémont. Für ihn war es aber Ehrensache, seinem König mit einem Abstecher an den Vierwaldstättersee die Ehre zu erweisen. Er sagt: «In Belgien ist Philippe sehr beliebt.»

Albert II. war vor fünf Jahren da

Berufeshalber hingegen hielt sich Patrick Gouders in Küssnacht auf. Und zwar in der Funktion des königlichen Presse-Attachés. Zu dieser Anstellung kam Gouders, nachdem er seine Karriere als Pilot bei der belgischen Luftwaffe beendet hatte. Vor fünf Jahren sass er noch im Cockpit jener Maschine, mit der Philippes Vorgänger und Vater, König Albert II., auf dem Flugplatz in Emmen landete. Das belgische Staatsoberhaupt reiste damals in den Kanton Luzern, um des 75. Todestages seiner Mutter zu gedenken.

Der König sass am Steuer

Die Beziehungen des belgischen Königshauses zur Schweiz reichen mindestens bis ins vorletzte Jahrhundert zurück. Im Jahr 1898 kam die Villa Haslihorn im Horwer Ortsteil St. Niklau­sen in den Besitz der Hochadligen. Während vieler Jahre diente die Liegenschaft den Belgiern danach als Sommerresidenz. Die Villa Haslihorn dürfte auch am 29. August 1935 Ausgangspunkt jenes Ausfluges gewesen sein, der schlussendlich mit dem tragischen Unfalltod von Königin Astrid endete.

Einer der Ersten, der sich am Unglücksort einfand, war der Polizist Adalbert Kälin. Sein Sohn, der den exakt gleichen Namen trägt wie sein Vater, war gestern während der Feierlichkeiten zu Ehren von Königin Astrid zugegen. Kälin erzählt, was sein Vater an der Unfallstelle vorfand. «Es war nur noch der Fahrer vor Ort. Mein Vater wusste anfänglich gar nicht, um wen es sich bei der Toten handelte.» Erst im Handschuhfach des Packard 120-C Convertible wurde Kälin fündig. Er stiess auf einen Ausweis des Schweizerischen Alpenclubs und realisierte erst dann, dass der König von Belgien, Leopold III., in den Unfall verwickelt war.

Leopold war es auch, der den Selbstunfall zu verantworten hatte. Er lenkte das Fahrzeug. Seine Frau sass auf dem Beifahrersitz, wurde beim Aufprall aus dem Wagen geschleudert und war sofort tot. König und Chauffeur überlebten das Unglück mit leichten Verletzungen. Noch am Unfalltag wurde die verstorbene Königin im Sarg mit der Eisenbahn von Luzern nach Belgien transportiert.

Mehr Bilder von der Gedenkfeier in Küssnacht finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder

Die verstorbene Königin Astrid im Alter von 21 Jahren. (Bild Wikipedia)

Die verstorbene Königin Astrid im Alter von 21 Jahren. (Bild Wikipedia)