KÜSSNACHT: Jahrhundertprojekt ist auf Kurs

126 Millionen Franken: Noch nie wurde im Kanton Schwyz ein so teures Bauprojekt bewilligt. Bei der Debatte um die Südumfahrung gab es im Kantonsrat auch Seitenhiebe nach Luzern.

Christian Ballat
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Modell der Südumfahrung. Die neue Strasse verläuft tiefer gelegt (links) und anschliessend in Tunneln. (Bild: Visualisierung PD)

Modell der Südumfahrung. Die neue Strasse verläuft tiefer gelegt (links) und anschliessend in Tunneln. (Bild: Visualisierung PD)

Über einen so hohen Kredit hat der Schwyzer Kantonsrat in seiner Geschichte noch nie zu befinden gehabt. «Die Südumfahrung Küssnacht wird das teuerste Strassenprojekt im Kanton», hielt Regierungsrat Othmar Reichmuth fest. Nichtsdestotrotz waren das Projekt und seine Kosten von brutto 125,77 Millionen Franken in der gestrigen Kantonsratsdebatte völlig unbestritten und wurden mit 94 zu 0 Stimmen gutgeheissen.

Vergeblich auf Bundesgeld gehofft

Toni Holdener (Alpthal, SVP) erachtete es als schade, dass man nicht rechtzeitig der «Agglo Luzern» beigetreten sei und somit keine Ansprüche an die Bundeskasse stellen könne. Auch Andreas Marty (Goldau, SP) bemängelte diesen Punkt. Was sie damit genau meinten, war das Agglomerationsprogramm Luzern. Darin sind diverse Massnahmen und Verkehrs-Grossprojekte im Grossraum Luzern enthalten, darunter auch der Tiefbahnhof und der Bypass. Die regionalen Aggloprogramme werden auch vom Bund unterstützt. Die Luzerner Regierung hat die Küssnachter Südumfahrung zwar in das Programm aufgenommen, allerdings als nicht prioritär eingestuft. Der Schwyzer Regierungsrat Othmar Reichmuth sagte dazu gestern: «Wir haben es versucht, konnten uns aber bei unseren Partnern aus Luzern nicht durchsetzen.»

Sibylle Dahinden (Küssnacht, SP) hatte herausgefunden, dass sie und die Südumfahrung etwas verbinde: In ihrem Geburtsjahr 1966 wurde in Küssnacht erstmals über eine Verkehrsentlastung des Dorfkerns diskutiert. Ihre Partei sei neuen Strassen gegenüber sehr kritisch eingestellt, hier aber könne die SP dahinterstehen. «Die mit dem Projekt verbundenen flankierenden Massnahmen sorgen für mehr Lebensqualität, mehr Sicherheit für den Langsamverkehr und eine deutliche Verbesserung der Bedingungen für den öffentlichen Verkehr.»

Unter den Gästen, die der Debatte im Kantonsrat gespannt folgten, war auch die Küssnachter Bezirksrätin Carole Mayor. Sie zeigte sich nach dem eindeutigen Abstimmungsresultat ohne Gegenstimmen sehr glücklich. «Nach der jahrelangen grossen Arbeit ist dies eine grosse Genugtuung.» Dass sie diesen Entscheid miterleben durfte, sei für sie etwas Besonderes. «Es war mein erster Besuch im Kantonsrat.» Neben dem Baubeginn der jetzt beschlossenen Etappe gelte es, zusammen mit den Initianten das Vorgehen für die zweite Etappe zu besprechen (siehe Kasten). «Dabei stellt sich auch die Frage, wie detailliert das Vorprojekt sein soll.»