KÜSSNACHT/ZELL AM SEE (A): Die Piloten sahen sich zu lange nicht

Der Untersuchungsbericht zu einem Flugzeugzusammenstoss in Österreich ist erschienen. Betroffen war die Küssnachter Helog.

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Arbeiter bergen am Mittwoch, 7. März 2007, in Zell am See das letzte und grösste Wrackteil des Helikopters. (Archivbild Keystone)

Arbeiter bergen am Mittwoch, 7. März 2007, in Zell am See das letzte und grösste Wrackteil des Helikopters. (Archivbild Keystone)

Der Flugunfall ereignete sich am 5. März 2007 bei Zell am See in Österreich. Über einem Berghang waren damals ein mit sieben Personen besetzter Superpuma der Küssnachter Helikopterfirma Helog und ein einsitziges Flächenflugzeug zusammengestossen. Beim Absturz waren alle acht Insassen beider Maschinen ums Leben gekommen.

Zu lange nicht gesehen
Jetzt hat die staatliche österreichische Unfalluntersuchungsstelle (UUB) ihren Bericht zum damaligen Unglück veröffentlicht. Er nennt «Sichtbehinderungen und komplexe psychologische Faktoren der Piloten der beiden Luftfahrzeuge» als Unfallursachen.

Im Bericht wird die gegenseitige Annäherung der beiden Maschinen jeweils aus der Sicht der beiden Piloten im Detail nachgestellt. Aus dem im Steigflug befindlichen Motorflugzeug konnte der Pilot den Heli fast bis zum letzten Moment nicht sehen, da sich dieser unter dem «Horizont» des Instrumentenbretts näherte. Im Heli-Cockpit verdeckten Türrahmen und eine Sonnenreflexion in einem stark nach aussen gewölbten Seitenfenster teilweise die Sicht auf den von rechts unten anfliegenden Motorflieger. Bis etwa fünf Sekunden vor dem Zusammenstoss hätten die beiden Piloten das andere Flugobjekt nur als kleinen Punkt wahrnehmen können. Erst etwa zwei Sekunden vor dem Zusammenprall war die andere Maschine klar sichtbar. Dabei wären für ein Ausweichmanöver im Minimum fünf bis sechs Sekunden notwendig.

Sich am Pflichtmeldepunkt nicht gemeldet
Der Superpuma der Helog kam aus Kaprun und wollte über Zell am See nach Berchtesgaden in Deutschland fliegen. Der Helog-Pilot funkte der Leitstelle des Flugplatzes Zell am See, er werde den Platz in Richtung Norden überfliegen. Die Flugplatz-Leitstelle meldete, es starte dort eine Maschine. Was der Helipilot kurz darauf bestätigte: Er sehe die Maschine weit unter sich im Querabflug. Vom Helipiloten unbemerkt, flog die andere Maschine daraufhin allerdings zwei rechtwinklige Linkskurven, um sich der Flugbahn des Helikopters zu nähern. Nach der zweiten Linkskurve überflog das Flächenflugzeug einen Pflichtmeldepunkt, was der Pilot hätte melden müssen, jedoch nicht tat. Der Untersuchungsbericht kommt zum Schluss: «Die ausgebliebene Positionsmeldung über dem Pflichtmeldepunkt liess den Helikopterpiloten möglicherweise annehmen, dass das Motorflugzeug in Richtung Norden ausgeflogen war.» Die Piloten erkundigten sich auch nicht untereinander nach deren Positionen.

Laut Bericht waren beide Piloten gesund und flugtauglich. Auch ein von der Justizbehörde in Auftrag gegebenes gerichtsmedizinisches Gutachten über den Helipiloten habe «keine neuen Erkenntnisse gebracht».

Bert Schnüriger

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Schwyzer Zeitung.