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Kirchtürme sind kulturelle Sinnbilder für Heimat

Seit Jahrhunderten geht die Bedeutung von Glockentürmen weit über diejenige von religiös konnotierten Monumenten hinaus – sie sind identitätsstiftend und von grosser Symbolik.
Andreas Faessler
Der Glockenturm der Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Alpnach OW gehört mit seinen 91 Metern zu den höchsten weit und breit. Er ist einer von 14 Türmen, die besichtigt werden können. (Bild: Andreas Faessler)

Der Glockenturm der Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Alpnach OW gehört mit seinen 91 Metern zu den höchsten weit und breit. Er ist einer von 14 Türmen, die besichtigt werden können. (Bild: Andreas Faessler)

Sie prägen Stadt- und Dorfbilder, manche gar ganze Landschaftszüge, und sie sind aus dem öffentlichen Raum nicht wegzudenken: Kirchtürme, ob historisch oder modern, sind weit mehr als ein himmelwärts ragendes Zeichen von Religiosität und frommem Volksglauben. Sie sind auch kulturelles Symbol und in mehrfacher Hinsicht Orientierungspunkt, übernehmen zuweilen weltliche Aufgaben – etwa als Wachposten für die Feuerwehr, als Träger für Funkantennen oder als Aussichtsturm –, und nicht zuletzt sind sie optisch wie akustisch identitätsstiftend und vielen Menschen, auch kirchenfernen, Sinnbild für Heimat.

Wie sehr sich das Volk mit Kirchtürmen identifiziert, zeigte sich etwa im Falle der Maihof-Kirche in Luzern, als man gar in Erwägung zog, den marod gewordenen Glockenturm aus Beton abzureissen. Bei der Mehrheit der Anwohner wäre diese Option auf Ablehnung gestossen. Der Turm – ein Wahrzeichen des Quartiers – wurde 2009 saniert.

14 Turmführungen in vier Kantonen

Der Verein Sakrallandschaft Innerschweiz mit Sitz in Sarnen widmet dieses Jahr zwei ganze Tage den Kirchtürmen wie auch den Turmuhren, Glocken und Geläuten der Region. Am 19. und 20. Oktober stehen Interessierten 14 Türme aus unterschiedlichen Jahrhunderten in den Kantonen Luzern, Obwalden, Zug und Schwyz offen, die im Rahmen von kostenlosen Führungen bestiegen werden können (siehe auch Beitrag in der «Luzerner Zeitung» vom 17. Oktober). Ihre Besonderheiten und ihre geschichtlichen Hintergründe werden dabei ausführlich erläutert.

In der Gelegenheit, Kirchtürme und Glockenstühle vor Ort zu sehen und zu erfahren, sieht der organisierende Verein auch wertvolle Vermittlungsarbeit, zumal immer wieder Unmut aufflammt, wenn Glocken zu laut sind oder zu häufig schlagen. «Kirchengeläute aber gehört wie der Turm selbst zur Identität einer Ortschaft und seiner Bewohner», sagt Urs-Beat Frei vom Vereinsvorstand. Der Kulturwissenschafter und Fachmann für Sakralkunst aus Luzern schlägt an dieser Stelle einen Bogen in die Vergangenheit, als die Kirchtürme die zentrale Aufgabe hatten, den Tag der Menschen zu strukturieren. «Einerseits durch die Anzeige der Tageszeit», so Urs-Beat Frei, «und andererseits durch das Geläute, welches akustische Fixpunkte im Tagesablauf setzte und daran erinnerte, dass Zeit auch ‹Gottes Zeit› sein kann.»

Klingende Botschaften

Auch Botschaften seien durch das Geläute transportiert worden. Nicht nur rief es – wie heute noch – Gläubige zu Gebet und Gottesdienst, sondern kündete zudem von besonderen Ereignissen: etwa die Totenglocke, wenn ein Mensch aus dem Dorf verstorben war, oder die Taufglocke, wenn die Kirchgemeinde ein Kind in ihrem Kreise willkommen hiess. «Und läutete von einem Kloster her die Vesperglocke, so wussten die Menschen, dass die Nonnen oder die Mönche sie jetzt mit ins Gebet einschliessen», führt Frei Beispiele an. Ferner kannte man auch das Wetterläuten bei drohendem Gewitter oder Sturm. Die Bruderklausenglocke im Turm der Pfarrkirche St. Georg und Zeno in Arth beispielsweise war gleich für mehrere Zwecke gegossen worden – eine Inschrift lautet: «Ich lobe Gott, rufe die Lebenden, beweine die Toten, besänftige die Gewitter, wehre dem Angriff der Unterwelt.» Noch heute übernimmt das Turmgeläut in mancher Gemeinde solche Aufgaben. Ferner künden Kirchtürme und ihr Geläut symbolisch – auch losgelöst von Religion und Glaube – davon, «dass wir Menschen in ein Grosses und Ganzes eingebunden sind», fügt Urs-Beat Frei an.

Hoch, höher, am höchsten

Und nicht zuletzt erfüllen Kirchtürme auch repräsentative Zwecke, darin sind sich Kunsthistoriker weitgehend einig. Auch Urs-Beat Frei weist dies nicht von der Hand und kommt – freilich mit einem Augenzwinkern – zum Schluss auf den Kirchturm von Malters zu sprechen, mit 97 Metern der zweithöchste der Schweiz. Frei: «Dass die Malterser ihren Turm seinerzeit so hoch gebaut haben, kann durchaus auch aus einem Konkurrenzgedanken zur Hofkirche in Luzern hervorgegangen sein.»

Hinweis
Tage der Kirchtürme, Uhren, Glocken und Geläute. Samstag/Sonntag, 19./20. Oktober. Detailliertes Programm unter www.sakrallandschaft-innerschweiz.ch

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