KULTURPREIS: Selbst in SMS greift der Intendant nach den Sternen

Von Anfang bis zum Schluss etwas Besonderes: Gestern wurde der Innerschweizer Kulturpreis an Michael Haefliger übergeben.

Urs Mattenberger
Drucken
Teilen
Realitätssinn mit Visionen: Laudator Dieter Ammann gratuliert Michael Haefliger. (Bild: PD/Jesco Tscholitsch)

Realitätssinn mit Visionen: Laudator Dieter Ammann gratuliert Michael Haefliger. (Bild: PD/Jesco Tscholitsch)

Der Innerschweizer Kulturpreis, der besondere kulturelle Leistungen auszeichnet, sei immer etwas Besonderes, sagte der Luzerner Regierungsrat Reto Wyss gestern anlässlich der Übergabe des diesjährigen Preises im Saal des Hotel Schweizerhofs. Aber dieser Preis für den Intendanten des Lucerne Festivals sei «ein ganz Besonderer». Weil Michael Haefliger, der seinen Vertrag eben bis 2020 verlängert hat, das Festival geöffnet und an die Weltspitze gebracht habe: «Das verhilft der ganzen Zentralschweiz zu internationaler Leuchtkraft.»

Dass sich Haefliger als Laudator den Komponisten Dieter Ammann gewünscht hatte, unterstrich das Besondere. Denn Ammann begann mit der komplizierten Antwort auf die einfache Frage: «Wo bist du?» «Dort, wo sich die Mond-, Jupiter- und Marsachsen genau in einem Winkel von 15 Grad treffen», orakelte er ins Mikrofon und schloss mit der Bemerkung: «Du solltest auch nicht fragen wo, sondern mit wem! Denn wenn Du weisst mit wem, dann weisst Du auch wo! So was. Lg, M.».

«Kleiner Prinz» mit Mut zum Risiko

Was wie eine Zauberformel aus dem «Kleinen Prinzen» anmute, stammte aus einer SMS Haefligers an den Komponisten, den er 2010 als «Composer in residence» eingeladen hatte. Da sei alles da, was Haefligers Qualitäten als Intendanten ausmachten: Die genauen Fakten verwiesen auf seinen Realitätssinn und Managerqualität en, mit denen Haefliger Sponsoren als Weggefährten gewinne. Aber sie verbänden sich eben mit einer «kreativen Fantasie», die nach den Sternen greift: Dieser Mut zum Risiko und der Drang, neue Wege zu gehen, mache Haefliger zum «Weltenreisenden», der wie der kleine Prinz zu neuen Ufern aufbreche, ohne Erreichtes zu vergessen.

Ammann veranschaulichte das mit einem kommentierten Wikipedia-Streifzug durch die Biografie des «ausgezeichneten Ausgezeichneten». Der führte von der Juillard-School (mit 16) über Management-Studien nach Davos, wo Haefliger 1986 mit einem Festival mit «Young artists», neuer Musik und hohem Qualitätsanspruch neue Wege ging, die er ab 1999 als Intendant des Lucerne Festivals visionär weiter ausbaute.

Ammann beleuchtete aber auch mit Zitaten aus Haefligers Team und Umfeld Privates. Da kündigte sich das humane Engagement – etwa mit der Ark Nova im Krisengebiet in Japan – im Wunsch des Sechsjährigen an, den Erlös seiner Geburtstagparty für Biafra zu stiften. Und die von ihm selber einst genannte Schwäche, nämlich Karriere und Privatleben in der richtigen Balance zu halten, relativierte Ammann mit den Worten von Haefligers Tochter über den «emotionalen» Vater, der auch mal richtig «Blödsinn» machen könne.

Da war Haefliger einem persönlich schon nahe, als er ans Pult trat. Auch wenn er sich bei den Kantonen herzlich für diese Auszeichnung bedankte, die ihm Ansporn für weitere «Unruhe» sei, sprach da weniger der Intendant als der Mensch Haefliger, dessen ernsthafte Umgänglichkeit einen Teil seines Erfolgs ausmacht.

Er scherzte über den SMS-Verkehr mit Ammann und freute sich, mit dieser Preis-Anerkennung endgültig in Luzern angekommen zu sein, «in dieser schönen Stadt, die Visionen wie das KKL Wirklichkeit werden lasse»: «Es gibt keine schönere Aufgabe, als in dieser Stadt ein Festival zu führen», meinte er und erlaubte sich mit einem Stück Jugendslang nochmals etwas Besonderes: «Lucerne Festival ist geil!» Haefliger investiert denn auch den Preis in Luzern und dessen junge musikalische Zukunft: Die 25 000 Franken gehen in «Young»-Projekte des Lucerne Festivals.