LACHEN: Den «Spanner» gibt es vor dem Gesetz gar nicht

Nach dem Spanner-Fall in Ausserschwyz stellen sich rechtliche Fragen. Interessant: Für Voyeurismus gibt es gar keinen eigenen Strafbestand.

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Wer in andere Privaträume schaut, kann schnell die Grenzen des guten Anstands überschreiten. (Symbolbild Bote der Urschweiz)

Wer in andere Privaträume schaut, kann schnell die Grenzen des guten Anstands überschreiten. (Symbolbild Bote der Urschweiz)

Vor Weihnachten ist in Lachen ein Spanner in eine Fotofalle getappt (wir berichteten). Der 53-jährige Mann aus der March hatte über einen längeren Zeitraum eine vierköpfige Familie belästigt, indem er nachts durch die geschlossenen Storen ins Erdgeschoss des Wohnhauses starrte. Durch eine gezielte Polizeiaktion tappte der Mann bei einer seiner nächtlichen Aktivitäten in die Fotofalle. Welche rechtlichen Konsequenzen hat diese Person nun zu tragen?

«Das Phänomen Spanner oder Stalker, Personen also, die anderen Menschen unangemessen zu nahe kommen, wird im Strafrecht nicht speziell geregelt. Das Gesetz kennt den Begriff Spanner nicht», erklärt Patrick Fluri. Der leitende Staatsanwalt March weiss auch, dass es – jedenfalls im Kanton Schwyz – keine statistische Erfassung von Spannern und Stalkern gibt. «Einen entsprechenden Straftatbestand sieht das Gesetz nicht vor.»

Zu harmlos also, oder zu selten vorkommend? Jedenfalls sei das Bedürfnis nach einer rechtlichen Sonderbehandlung nicht vorhanden, ergänzt Fluri. Ein Spanner mache sich aber des Hausfriedensbruchs strafbar, indem er fremde Gärten betrete und sich dort aufhalte, wie dies bei der Lachner Familie der Fall gewesen war. Eine Person würde sich auch dann strafbar machen, wenn sie heimlich andere Menschen filmt.

Die Kantonspolizei Schwyz hat bezüglich des «Lachner Spanners» die Ermittlungsarbeit abgeschlossen. Der Mann sei geständig und auch wieder auf freiem Fuss, sagt David Mynall, Mediensprecher der Kantonspolizei auf Anfrage.

asz