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Ladendetektive verurteilt – wegen Entführung eines Tibeters

In einem Luzerner Warenhaus lief eine Observierung aus dem Ruder: Zwei Detektive stellten einem vermeintlichen Parfümdieb nach – und überschritten ihre Kompetenzen massiv. Das Kriminalgericht verurteilte sie nun wegen Freiheitsberaubung, Entführung und wegen Amtsanmassung.
Roger Rüegger

Es begann damit, dass zwei Ladendetektive einen Tibeter beobachteten, der sich nach ihrem Empfinden auffällig verhielt. Zuvor hatten sie offenbar eine Meldung aus der Parfüm-Abteilung des Warenhauses erhalten, wonach eine Flasche Parfüm im Gestell fehle.
Die beiden Sicherheitsleute, es handelt sich um einen 32-jährigen Schweizer aus der Zentralschweiz und einen in Zürich wohnhaften 41-Jährigen mit Schweizer Pass, verfolgten den verdächtigen Mann und seine beiden Begleiter, nachdem diese das Geschäft verlassen hatten. Nach rund 200 Metern stellten sie den Tibeter, legten ihm Handschellen an und führten ihn gegen seinen Willen zurück zum Warenhaus. In einem Büroraum musste der Mann dann seinen Rucksack entleeren. Mit diesem Vorgehen haben sich die beiden Security-Männer strafbar gemacht.
Mildere Strafen als von der Anklage beantragt

Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte die Männer am 18. Oktober 2018 wegen Freiheitsberaubung und Entführung sowie wegen Amtsanmassung. Der 32-jährige Schweizer wurde ausserdem wegen weiterer Vergehen verurteilt. Unter anderem wegen Körperverletzung, Gewalt und Drohung gegen einen Beamten und mehreren Verkehrsdelikten. Der Beschuldigte wird zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von drei Jahren.

Geldstrafe von bis zu 27'000 Franken

Zudem wird der Ladendetektiv zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 30 Franken, was einer Summe von 3'600 Franken entspricht, verurteilt. Der Antrag der Anklage belief sich auf 20 Monate, davon 8 Monate unbedingt, und eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 30 Franken.

Der zweite Beschuldigte wurde zu einer Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu je 100 Franken verurteilt, was einer Summe von 27'000 Franken entspricht. Die Strafe wurde bedingt ausgesprochen – bei einer Probezeit von zwei Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von 360 Tagessätzen zu 110 Franken beantragt. Gegen beide Urteile wurde Berufung eingelegt.

Parfüm-Diebstahl ist verjährt

Bei der Durchsuchung des Rucksacks des mutmasslichen Ladendiebs war dann übrigens tatsächlich eine Parfümflasche im Wert von 109 Franken zum Vorschein gekommen. Der Mann sagte allerdings aus, ihm sei das Parfüm untergeschoben worden. Das entsprechende Strafverfahren gegen ihn wegen des Parfüm-Diebstahls wurde wegen Verjährung eingestellt.

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