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LANDWIRTSCHAFT: Er ist der letzte Traktorenbauer der Schweiz

Für seinen Erfindergeist ist er kürzlich ausgezeichnet worden. Die Zukunft von Sepp Knüsel (59) ist aber ungewiss.
Stephan Santschi
Ausgezeichneter Erfindergeist: Sepp Knüsel (59) vor einem seiner Traktoren. (Bild Roger Grütter)

Ausgezeichneter Erfindergeist: Sepp Knüsel (59) vor einem seiner Traktoren. (Bild Roger Grütter)

«Nein, geglaubt hat es mir niemand, dass diese Idee wahr werden könnte. Deshalb ist diese Auszeichnung für mich eine Bestätigung, dass ich das richtige gemacht habe.» Sepp Knüsel ist stolz auf den Pokal, den er vor kurzem an der Eröffnungsfeier von «Tier & Technik», einer internationalen Fachmesse in St. Gallen, überreicht bekam. «Agro-Star Suisse» nennt sich die Auszeichnung, mit welcher jeweils eine Persönlichkeit geehrt wird, die sich im vergangenen Jahr in besonderer Weise für die Schweizer Landwirtschaft verdient gemacht hat. Der 59-jährige Küssnachter errang diesen Titel mit der Firma Rigitrac, welche er 2003 gegründet hat. Knüsel habe mit seinem Erfindergeist und seiner unternehmerischen Leistung den Traktorenbau in der Schweiz neu aufleben lassen, heisst es in der Laudatio.

Ausgestorbene Branche

Das Kerngeschäft von Sepp Knüsel ist zwar weiterhin die Landmaschinentechnik. Seit 1976 produziert er mit seiner mittlerweile 45 Mitarbeiter zählenden Firma Bandrechen, Mähwerke und andere Geräte für die Graswirtschaft – insgesamt hat er 20 Patente angemeldet. Als Traktorenbauer ist er aber der Verfechter einer Branche, die in der Schweiz praktisch ausgestorben ist. Einst gab es über 130 Vertreter dieser Spezies, «nun sind wir in Sachen reinem Traktorenbau die Einzigen», so Knüsel. Erfolgschancen waren ihm zu Beginn keine eingeräumt worden. «Mittlerweile haben wir 220 Traktoren verkauft. Das zeigt: Wir haben auf das richtige Pferd gesetzt», sagt Knüsel. Seine Kreativität machte sich übrigens schon in seiner Jugend bemerkbar. «Es ist eine Begabung, man muss das Produkt fertig im Kopf sehen können. Früher frisierte ich beispielsweise meine Töffli. Nicht nur wenig, sondern richtig», erzählt er mit einem Augenzwinkern.

Seine Frau Marlis und er hätten stets an die Realisierbarkeit der eigenen Traktorenmarke geglaubt. «Im Kopf hatte ich das schon lange. Doch mir fehlte das Geld dazu.» Während Jahren hat er gespart, um das Geld für die Entwicklung seiner Innovation einzusetzen. «Wir haben eine eigene Wohnung, gehen selten in die Ferien und brauchen nicht viel zum Leben», erzählt Knüsel, der ohne zu Zögern festhält: «Ich habe Freude an meinem Beruf, ich kann niemanden verstehen, der über eine 40-Arbeitsstunden-Woche klagt. Bei mir kann sie auch mal doppelt so lange sein.»

Es sei aber klar gewesen, dass man nicht auf Standardtraktoren setzen könne. «Damit hätten wir keine Chance, dort kämpfen die grossen Firmen.» Knüsel entwickelte mit dem Rigitrac ein Nischenprodukt. «Wir bedienen vornehmlich Gemeinden und Bauern in Berggebieten.» Ferner werden seine Fahrzeuge für Unterhaltsarbeiten bei den Flugplätzen in Kloten und Sion oder an der Sportschule in Magglingen genutzt. Auch das Militär besitzt 14 Stück. Im Frühling geht das dritte Modell in die Produktion – der SKH75 mit 100 PS starkem Motor. Er erweitert das Angebot, das bisher aus einem 125-PS und einem 110-PS-starken Gefährt bestand.

Doch was macht den Rigitrac so einzigartig, dass er sich in den letzten Jahren in der Schweiz, aber auch in Deutschland, Österreich, Frankreich und Holland einen guten Ruf erarbeitet hat? «Er ist eine Universalmaschine für die Landwirtschaft und kann auch für den Winterdienst eingesetzt», antwortet Knüsel und präzisiert: «Dank der Vierradlenkung ist der Rigitrac sehr beweglich, wegen des tiefen Schwerpunkts und dem Mitteldrehgelenk ist er sehr stabil – er kann an doppelt so steilen Hängen wie Standardtraktoren eingesetzt werden.» Da alle Reifen gleich gross und die Fahrzeuge relativ leicht sind, seien der Verschleiss der Reifen und der Landschaden verhältnismässig klein.

Der starke Franken macht Sorgen

Der nächsten Zeit blickt Sepp Knüsel aber mit Sorge entgegen. Nicht wegen der Nachfolgeregelung: Sämtliche vier Töchter sehen ihre Zukunft im Unternehmen, drei engagieren sich bereits, die vierte stösst bald dazu. Auch nicht wegen der Kapazität der Firma – mit der neuen Halle könnte die Jahresproduktion von 30 auf 50 Traktoren gesteigert werden.

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses trifft das Unternehmen allerdings hart. «Auf einen Schlag sind unsere Traktoren rund 15 bis 20 Prozent teurer geworden, als die Fahrzeuge unserer ausländischen Konkurrenz. Das spüren wir gewaltig», sagt Knüsel, dessen Traktoren im Durchschnitt 150 000 Franken kosten. Wie er diese Differenz verkleinern soll, weiss er noch nicht. Die geplante Effizienzsteigerung in der Produktion reicht alleine bei weitem nicht aus. «Das ist zwar traurig, aber vielleicht werden wir bei der Materialbeschaffung noch mehr Ansätze finden, um preiswerter zu werden.» Fest steht: Der Erfindergeist von Sepp Knüsel wird weiterhin gefragt sein.

Stephan Santschi

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