Landwirtschaft
Krisenprodukte boomen: Fenaco profitiert von der Pandemie

Wegen der Coronapandemie verzeichnete die Fenaco das beste Unternehmensergebnis ihrer Geschichte. Für mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft setzt die Agrargenossenschaft auf Innovation. Weiteres Wachstum soll derweil auch über das Ausland generiert werden.

Christopher Gilb
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Eine Landi-Filiale mit Agrola-Tankstelle im Luzerner Rottal.

Eine Landi-Filiale mit Agrola-Tankstelle im Luzerner Rottal.

Bild: Pius Amrein (Buttisholz, 17. Mai 2021)

Landwirte mögen sie überhaupt nicht, die sogenannte Wiesenblacke, denn sie vermehrt sich schnell und verdrängt andere Pflanzen. Gemeinsam mit der Ostschweizer Fachhochschule, Sunrise UPC und anderen Partnern testet Fenaco nun ein Projekt, bei dem Pflanzen per Drohne fotografiert und die Daten dann in Echtzeit analysiert werden. Ist ein Schädling identifiziert, wird ein Traktor oder Landwirtschaftsroboter per GPS direkt zu dessen Vernichtung losgeschickt. «Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert sich so um 90 Prozent», führte CEO Martin Keller an der heutigen Präsentation des Jahresergebnisses vor.

Fenaco-CEO Martin Keller.

Fenaco-CEO Martin Keller.

Bild: Severin Bigler

Über zwei Millionen Franken hat die Agrargenossenschaft, zu der unter anderem der Detailhändler Landi, der Düngerhändler Landor und der Getränkehersteller Ramseier gehören, 2020 in solche neue Lösungsansätze für «eine nachhaltige Schweizer Landwirtschaft» gesteckt. Dazu gehört auch eine Forschungspartnerschaft mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) zur Entwicklung eines marktfähigen Ersatzprodukts für Kupfer im Pflanzenschutz. Die bisherigen Arbeiten seien vielversprechend. Mit einer Produktlancierung könne aber frühestens 2025 gerechnet werden, so Keller. Zusätzlich wurden rund zwei Millionen Franken in ein neues Zentrum für nachhaltigen Pflanzenschutz in Aesch investiert.

Die Aussage ist klar. Hier wird etwas gemacht, ohne dass ein politischer Eingriff nötig ist. Kommen doch bekanntlich am 13. Juni gleich zwei Volksbegehren zur Landwirtschaft an die Urne, die gleich mehrere Geschäftsbereiche der Fenaco tangieren.

Zuwächse im Detailhandel, Einbruch im Bereich Energie

Der Agrarkonzern konnte am Dienstag ein gutes Ergebnis fürs vergangene Jahr vorlegen. Der Nettoerlös belief sich mit 6,79 Milliarden Franken praktisch auf dem Vorjahresniveau (6,82 Milliarden). Und beim Unternehmensergebnis von 135,5 Millionen Franken konnte Fenaco mit 23,1 Prozent sogar deutlich zulegen und das beste Unternehmensergebnis der Firmengeschichte vermelden. Am stärksten wuchs das Geschäftsfeld Detailhandel, wo der Nettoerlös um 14,4 Prozent auf 2,33 Milliarden Franken stieg. Hier profitierten Volg und Landi von einem hohen Inlandskonsum in Folge der Coronapandemie. Auch in anderen Geschäftsfeldern wie Lebensmittel und Agrar lief es gut. Einzig im Geschäftsbereich Energie, also bei den Agrola-Tankstellen, sank der Nettoerlös um 22,6 Prozent auf 1,22 Milliarden Franken. «Wegen des massiven Preiseinbruchs in der Erdölbranche und der gesunkenen Mobilität aufgrund der Pandemie», so CEO Keller. Dass die Genossenschaft insgesamt aber erfolgreich unterwegs ist, hat sich auch positiv auf die Anzahl Stellen ausgewirkt. Die Anzahl Mitarbeitende nahm umgerechnet auf Vollzeitstellen von 8929 auf 9272 zu. Ein Grossteil davon wurde gemäss Fenaco aufgrund des organischen Wachstums insbesondere im Detailhandel geschaffen.

Harziger Start in Luxemburg

Im März 2020 wagte Fenaco den Schritt ins Ausland und eröffnete ein sogenanntes Garden Center Plus der Landi in Luxemburg. Im gesättigten und gleichzeitig stark umkämpften Schweizer Detailhandelsmarkt sei ein Wachstum anspruchsvoll. «Nun wird mit einem Testbetrieb in Luxemburg eine Expansion ins grenznahe Ausland geprüft», begründete eine Sprecherin damals gegenüber der «Bauernzeitung» den Schritt. Der Standort in Luxemburg habe sich besonders durch seine Parallelen zur Schweiz, wie beispielsweise die Mehrsprachigkeit mit Fokus auf Französisch und Deutsch, als geeignet erwiesen. 

Wie ist es seither gelaufen? Nicht gut: Die Eröffnung des Garden Centers Plus in Luxemburg sei mitten in die Coronakrise gefallen. «Aus diesem Grund verlief das Startjahr nicht wunschgemäss», heisst es auf Nachfrage. Bekanntlich glückte das Thema Detailhandelsexpansion vielen Schweizer Firmen in der Vergangenheit nicht. Fenaco will aber weiterhin am Versuch festhalten. Angesichts der Gesamtsituation sei man zufrieden und weitere Expansionsschritte, wenn sich eine erfolgversprechende Gelegenheit biete, seien denkbar. 

31,5 Millionen Franken für Landwirtinnen und Landwirte

Die Fenaco befindet sich in Besitz von 174 Landi und deren gut 43'000 Mitgliedern, davon über 23'000 aktive Schweizer Bäuerinnen und Bauern. Auch aus deren Perspektive sei das Jahr positiv gewesen. Zwar habe die Schliessung der Gastronomie und das enorme Wachstum im Detailhandel Angebot und Nachfrage bei einigen Produkten zwischenzeitlich aus dem Gleichgewicht gebracht, so Keller. «Typische Krisenprodukte waren etwa Frischkartoffeln, Lagergemüse, Eier, Mehl und Hackfleisch.» Die Lieferketten hätten jedoch dank der hohen Inlandversorgung rasch angepasst werden können. Insgesamt habe der gesamtlandwirtschaftliche Produktionswert zugenommen. Dem seien rückläufige Produktionsmittelkosten gegenübergestanden. Und in der Summe seien die Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe deshalb angestiegen.

Seit 2018 schüttet die Fenaco an ihre Mitglieder eine Erfolgsbeteiligung aus. Diese ist abhängig von der Höhe des Umsatzes. Zusammen mit der Verzinsung der Anteilsscheine und der Leistungsprämie wurden heuer 31,5 Millionen an die Landwirtinnen und Landwirte vergütet. Damit erhalten sie gesamt 0,5 Millionen Franken mehr als im Vorjahr und 1,5 Millionen Franken mehr als 2018.