LANDWIRTSCHAFT: Schutzmassnahmen für lebenswichtige Nützlinge

Das Projekt «Bienenfreundliche Landwirtschaft im Aargau» geht erfolgreich in die zweite Runde. Knapp 10 Prozent der Aargauer Betriebe sind beteiligt, so auch der Lindenhof in Benzenschwil.
Cornelia Bisch
Landwirt Fabian Vollenweider hat einige Asthaufen als Quartiere für Wildbienen aufgebaut.

Landwirt Fabian Vollenweider hat einige Asthaufen als Quartiere für Wildbienen aufgebaut.

Die Biene ist ein unentbehrlicher Nützling, der die landwirtschaftlichen Erträge erheblich steigert. Besonders bei Obstbäumen ist die Bestäubung der Blüten durch die Bienen für eine ertragreiche Ernte unerlässlich. In den letzten Jahrzehnten ist der Bienenbestand in der Schweiz und weltweit jedoch stark geschrumpft. Dies einerseits durch Umwelteinflüsse und Krankheiten, aber auch durch Unkenntnis einfacher Schutzmassnahmen, die sich vor allem in der Landwirtschaft umsetzen lassen.

Als schweizweit erstes seiner Art setzt hier das Projekt «Bienenfreundliche Landwirtschaft im Aargau» an. Es startete 2017 und erstreckt sich über fünf Jahre. Für die Umsetzung von Massnahmen zum Schutz der Bienen stehen 5,3 Millionen Franken zur Verfügung, die den teilnehmenden Betrieben zugute kommen.

Einer von ihnen ist der Lindenhof in Benzenschwil. Die Generationengemeinschaft führt mit Milchwirtschaft, Legehennen, Schweinmast, Obst-, Gemüse- und Getreideanbau sowie einer eigenen Käserei und der Direktvermarktung sämtlicher Produkte einen sehr vielseitigen Betrieb. Der 28-jährige Fabian Vollenweider ist zudem Imker. Von seinen 20 frei stehenden Bienenstöcken gewinnt er je zirka 20 Kilogramm Blüten- und Waldhonig jährlich. Als Imker ist er nicht erst durch das Projekt auf die Bedürfnisse der Bienen sensibilisiert worden. Mit dem Abschluss eines ökologischen Vernetzungsvertrags haben er und seine Familie sich bereits verpflichtet, auf mindestens zwölf Prozent ihres Landes ökologische Ausgleichsflächen zu schaffen. Diese kommen den Feldhasen, Vögeln und Insekten zugute. Deshalb waren Fabian Vollenweider, sein Bruder Raphael und ihre Eltern sofort bereit, auch beim Bienenprojekt mitzuwirken.

Wildbienen leben in Asthaufen

Die finanziellen Zuschüsse seien dabei nicht entscheidend gewesen, sagt der junge Bauer. «Es ist ein gutes Projekt. Es passt zu uns und unserer Betriebsphilosophie.» Wildbienen dürfen nun auf dem Lindenhof in diversen Kleinstrukturen – Ast- und Steinhaufen – Quartier beziehen und finden in Wiesen mit besonders hohem Kleeanteil beste Nahrung. «Wir haben uns verpflichtet, diese Wiesen mindestens sieben Wochen lang wachsen zu lassen, bevor wir sie mähen», erklärt Vollenweider. Ausserdem gibt es auf dem Lindenhof artenreiche Blumenwiesen, die den ganzen Sommer über blühen und lediglich zweimal gemäht werden. «Dabei lassen wir einen Bereich von etwa fünf bis zehn Prozent stehen, damit sich die Insekten dorthin zurückziehen können.» Buntbrachen werden sogar überhaupt nicht gemäht. «Lediglich Placken und andere Unkräuter entfernt man, und zwar von Hand», betont Vollenweider. Bei Bienenflug verwendet der Landwirt und Agrotechniker zum Mähen ausserdem keinen Aufbereiter, der die Grashalme knickt und wälzt und damit für die Bienen eine grosse Gefahr darstellt.

Vollenweider rechnet vor: «Man muss sich vorstellen, wenn sich auf jedem Quadratmeter Land eine Biene aufhält, werden auf vier Hektaren Land mit einem einzigen Mähvorgang ein bis zwei Bienenvölker vernichtet.» Deshalb richtet sich Vollenweider beim Mähen möglichst nach dem Biorhythmus der Bienen: «Sie fliegen zwischen 10 Uhr und 17 Uhr. Ausserdem mögen sie keinen Wind.» So ist der Bauer vor allem frühmorgens und abends auf dem Feld.

«Beim Spritzen des Obstes haben wir die Spritztechnik angepasst und verwenden grundsätzlich weniger und bienenfreundlichere Mittel.» Und auch hier gilt es, die Bienenflugzeiten zu beachten. Beim Raps haben die Bauern den Einsatz von Herbiziden auf ein absolutes Minimum beschränkt. «Da wir eine pfluglose Anbautechnik betreiben, kommen wir nicht ganz ohne aus.» Der durch die pfluglose Bearbeitung gefestigte Boden macht die mechanische Unkrautbekämpfung sehr beschwerlich.

«Man kann nicht immer alles beachten, sondern muss abwägen und versuchen, beidem – der Landwirtschaft und dem Umweltschutz – optimal gerecht zu werden.» Das geschieht nicht ohne Risiko. «Letztes Jahr war der Rapsertrag sehr schlecht», erzählt Vollenweider. «Aber mit dem späten Schnee war vielleicht das Wetter schuld daran.» Ob auch die reduzierte Spritz-Praxis eine Rolle spielt, wird sich in den kommenden Jahren erst zeigen.

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.