LANGLAUF: Vom Kettenraucher zum Topathleten

Übergewichtig und schnell am Anschlag: So war Marc Steinauer (23) vor knapp zwei Jahren. Nun strebt der Einsiedler morgen beim Engadin-Skimarathon einen Rang in den ersten 100 an.

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Startet morgen Sonntag zum ersten Mal am Engadin-Skimarathon: der 23-jährige Marc Steinauer, hier beim Planoiras-Volkslauf auf der Lenzerheide am 17. Januar 2016. (Bild: Alpha Foto)

Startet morgen Sonntag zum ersten Mal am Engadin-Skimarathon: der 23-jährige Marc Steinauer, hier beim Planoiras-Volkslauf auf der Lenzerheide am 17. Januar 2016. (Bild: Alpha Foto)

Kari Kälin

1,74 Meter gross, 100 Kilogramm schwer, 50 Zigaretten pro Tag und am Wochenende gerne auch ein bisschen viel Alkohol: Marc Steinauer, heute 23-jährig und Verkäufer im Coop Bau und Hobby in Einsiedeln, war der Schrecken aller Präventionsexperten. Bis ihn sein Vater Edgar an einem Grillabend im August 2014 provozierte. Einmal mehr. Fragt, wann er endlich mit Sport beginne. Marc, zwei Bier intus, stellt sich der Herausforderung noch am selben Abend. Joggt mit seinem Vater und dem jüngeren Bruder Ricky rund fünf Kilometer. Gerät schnell an den Anschlag, seine Begleiter traben locker mit. Die Episode verändert Marcs Lebensstil von einem Tag auf den anderen. Die Schmach will er nicht auf sich sitzen lassen. Er schwört dem Tabak ab, trainiert fast jeden Tag, joggt, macht Krafttraining, schnallt die Rollski und im Winter die Langlaufski an, drückt sein Gewicht innerhalb von vier Monaten auf 80 Kilogramm herunter. Im Februar 2015 skatet er beim Einsiedler Skimarathon (25 km), seinem ersten Volkslauf, mit einer Zeit von 1:20:59 auf Rang 151.

Training auf Melchsee-Frutt

Ein Jahr später liegt Steinauer in der Swiss-Loppet-Wertung, einem Wettbewerb für ambitionierte Freizeitsportler, auf dem achten Zwischenrang. Beim Lauf in Sedrun belegte er Rang 17, verlor auf 25 Kilometer nur 8 Minuten auf Dario Cologna. Den «Rothenthurmer» beendete er auf Platz 12. Am Sonntag startet Steinauer nun zum ersten Mal am Engadin-Skimarathon. Eigentlich hätte er als Erstteilnehmer ganz zuhinterst mit den Volksskiläufern starten müssen – eine Staugarantie. Dank seinen guten Ergebnissen in dieser Saison darf er sich im vordersten Startblock einreihen. Steinauer strebt eine Klassierung unter den ersten 100 an. «Wenn ich 150. werde, ist das auch nicht tragisch», sagt er. Fünf bis sechs Trainingseinheiten stehen wöchentlich auf dem Programm, wegen des Schneemangels traf man Steinauer häufig in Andermatt oder auf der kupierten Loipe auf Melchsee-Frutt in der Loipe an. Dieses Höhentraining hat für den Engadin-Skimarathon sicher nicht geschadet.

Skispringer und Fussballer

Der Wandel vom übergewichtigen Kettenraucher zum Breitensport-Topathleten ist nur auf den ersten Blick überraschend. Vater Edgar Steinauer, Inhaber eines Sportgeschäfts in Schindellegi, gewann zweimal die Swiss-Loppet-Gesamtwertung, war Mitglied der Schweizer Langlauf-Juniorennationalmannschaft und lief letztes Jahr beim Engadiner noch unter die Top 300. Vater Edgar ist heute Trainer, Ausrüster und Betreuer in Personalunion und hat Marc vielleicht auch die vorteilhaften Ausdauersport-Gene vererbt. Als Kind trieb Marc viel Sport, von 6 bis 14 Jahren als Skispringer und Nordisch-Kombinierer beim SC Einsiedeln. Beim FC Einsiedeln kickte er bis ins Junioren-B-Alter, ehe er seine Bewegungsaktivitäten auf ein Minimum einschränkte.

Dass Marc Steinauer in seiner ersten Saison so weit vorne mitlaufen würde, hat er nicht erwartet. Schliesslich bekundete er nach seinem Sinneswandel anfänglich Mühe, auch nur einen Kilometer am Stück zu joggen. Von seinen Kollegen erhält er Lob für den sportlichen Lebensstil. Und dem Alten trauert er nicht nach. «Man redet sich ein, es sei alles in Ordnung. Aber das ist eigentlich bloss ein Selbstbetrug», sagt Steinauer. Solche Sätze dürften den Präventionsfachleuten gefallen ...

Engadin-Skimarathon

Startzeiten. Sonntag: zwischen 8.30 und 9.23 Uhr. – Strecke (42 km): von Maloja nach S-chanf.

Im Internet www.engadin-skimarathon.ch lässt sich das Rennen via Livestream zwischen 8.00 und 11.15 Uhr direkt verfolgen.