Porträt

Lehrabschluss: Als älteste Lernende wollte Sonja Bacher keine Sonderbehandlung

Sonja Bacher aus Meggen hat im Alter von 53 Jahren die Lehre zur Fachfrau Gesundheit EFZ abgeschlossen.

Yvonne Imbach
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Während Corona-Zeiten ist die Maske ein Muss; Sonja Bacher lächelt umso mehr mit den Augen.

Während Corona-Zeiten ist die Maske ein Muss; Sonja Bacher lächelt umso mehr mit den Augen.

Bild: Manuela Jans-Koch

Sonja Bacher ist frischgebackene Fachfrau Gesundheit EFZ. Dies ist natürlich sehr erfreulich für sie, jedoch an sich nichts Aussergewöhnliches. Speziell an der erfolgreichen Lehrabschluss-Absolventin ist ihr Alter. Mit 53 Jahren noch ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis zu erlangen, ist de­finitiv eine respektable Leistung.

Im jungen Alter machte Sonja ­Bacher eine Bürolehre, wurde Mutter eines Sohnes (heute 21) und blieb viele Jahre als Hausfrau und Familienmanagerin zu Hause. Nach einer privaten Veränderung zog es sie in die Arbeitswelt. «Ich konnte im Kunstmuseum Luzern als Wiedereinsteigerin als Museumsaufsicht beginnen.» Dabei erkannte sie, dass es ihr besonders Spass macht, mit älteren Menschen Kontakt zu haben.

Dank Kurs bekam sie Praktikumsplatz

Als Sonja Bacher von einem halbjährigen Kurs beim Roten Kreuz hörte, mit dem sofort als Pflegemitarbeiterin in einem Altersheim angefangen werden kann, entschloss sie sich zu diesem Schritt. «Zum Kurs gehörte ein drei­wöchiges Praktikum. Als Meggerin bewarb ich mich im Sunneziel in Meggen und durfte in der eigenen Gemeinde als Praktikantin einsteigen.»

Bild: Manuela Jans-Koch

Aus dem Praktikum wurde eine Festanstellung als Pflegemitarbeiterin. «Nach knapp zwei Jahren fragte mich die Stationsleiterin, ob ich es mir vorstellen könne, die verkürzte Grundbildung zur Fachfrau Gesundheit in Angriff zu nehmen.» Sonja Bacher erfüllte die Bedingungen für diese Nachholbildung nach Art. 32 BBV: Mindestalter 25 Jahre und bis zum Zeitpunkt der Schlussprüfung mindestens drei Jahre Berufserfahrung im Pflegebereich. Ihr erster Impuls war besorgt: «Ui, in meinem Alter nochmals in die Schule?» Man versprach ihr aber von allen Seiten Unterstützung, und so fiel es ihr leicht, zuzusagen.

Reife und Lebenserfahrung helfen im Umgang

Ein wichtiger Aspekt dieser verkürzten Lehre sind die Kosten, woran sich der Kanton und der Arbeitgeber beteiligt. Für Sonja Bacher bedeutete dies, dass sie trotz Ausbildungsstatus 80 Prozent ihres vorherigen Lohnes erhielt. Einmal pro Woche stand der Besuch der Berufsschule auf dem Programm. «Ich war zwar die Älteste, aber ich wollte keine Sonderbehandlung.» Vielmehr bewundere sie die jungen Lernenden: «Jünger hätte ich diese Arbeit wohl nicht ausüben können. Ich bin froh über meine Reife und meine Lebenserfahrung, sie helfen mir im Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern.»

In den letzten Monaten war die Corona-Pandemie herausfordernd. «Wir Pflegenden tragen eine grosse Verantwortung. Nicht auszudenken, wenn man das Virus selbst hereinbringen würde», ist sich Sonja Bacher bewusst. Sie habe monatelang nur gearbeitet, sei einkaufen gegangen und blieb sonst zu Hause. «Das hat mit meiner Wertschätzung gegenüber den Bewohnern zu tun», sagt sie.

«In der Pflege kann man viel bewirken»

Was bedeutet ihr der Beruf? «Pflege beinhaltet so viel. Die Nähe zum Menschen ist etwas vom Schönsten. Man kann viel bewirken: Aktivierung, Anteilnahme, Körperkontakt oder einfach für sie da sein.» Die Liebe zu den betagten Menschen ist Sonja Bacher deutlich anzusehen – auch nach dem Interview beim gemeinsamen Gang zur Tür: Sie grüsst hier, fragt da nach dem Befinden und lächelt ständig. Trotz Maskenpflicht kann man dies bei der herzlichen Fachfrau Gesundheit nämlich sehen: Bei ihr lächeln auch die Augen.

Nun ist die Ausbildung geschafft, es bleibt wieder mehr Zeit für Hobbys: Sonja Bacher findet in der Fotografie Entspannung. Warten nun Belohnungsferien? «Höchstens ein paar Tage. Meine grösste Belohnung ist, dass ich im Sunneziel Meggen bleiben darf, sogar in meiner bisherigen Abteilung, bei meinem Team, das mich grossartig unterstützt hat. Die Freude über diese Nachricht war riesig», sagt sie und lächelt wieder strahlend.

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