Porträt

Lehrabschluss: Maximilian Grimm wechselt vom Dach aufs Wasser

Maximilian Grimm aus Menznau hat bei der Fischerei Hofer auf dem Sempachersee seine Ausbildung zum Fischwirt absolviert.

Antonio Russo
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Fischen, das hat Maximilian Grimm bei der Fischerei Hofer auf dem Sempachersee nun erlernt.

Fischen, das hat Maximilian Grimm bei der Fischerei Hofer auf dem Sempachersee nun erlernt.

Bild: Boris Bürgisser

Manchmal führt ein Umweg zum Ziel. Das hat auch Maximilian Grimm so erlebt. «Während der Schulzeit war ich rund siebenmal schnuppern, davon dreimal in einem Dachdeckerbetrieb», erinnert sich der 21-Jährige aus Menznau. Und tatsächlich absolvierte er zuerst eine Lehre als Dachdecker. Ihm wurde aber schon bald klar: Dieses Metier würde er sicher nicht bis zur Pensionierung ausüben wollen. «Obwohl mir das Handwerk gefällt, so ist es doch ein körperlich sehr fordernder Beruf», erklärt er. «Man arbeitet den ganzen Tag nur draussen und ist im Sommer extremer Hitze und im Winter grosser Kälte ausgesetzt – und das immer in luftiger Höhe auf einem Dach mit starker Neigung.»

So erwog er zunächst, nach der Dachdeckerlehre den Weg zur Berufsmatura einzuschlagen. Als dann im ­dritten Lehrjahr die schriftliche Vertiefungsarbeit auf dem Programm stand und er sich dafür die Fischerei Hofer in Oberkirch aussuchte, nahm die Berufswahl eine Wende. «Ich wusste sofort, als wir mit dem Boot auf den Sempachersee hinausfuhren: Das ist es!», strahlt er. Als Jugendlicher sei er nach der Schule oft aufs Töffli gestiegen und an den See zum Angeln gefahren. Fischen, das wollte er nun professionell erlernen.

Bild: Boris Bürgisser

Ein Beruf nur für Hartnäckige

Es waren mehrere Anrufe nötig, bis Maximilian Grimm vor drei Jahren die Zusage von den Gebrüdern Hofer für den Ausbildungsplatz in ihrem Betrieb erhalten sollte. Die Zurückhaltung seiner neuen Lehrmeister ist verständlich: Fischer haben meist lange, fordernde Arbeitstage, und nach der Ausbildung ist es schwierig, eine Stelle zu finden oder gar einen eigenen Betrieb zu gründen. Und: Die Fischerei ist ein Geschäft mit schwankendem Einkommen. Doch Maximilian Grimm liess sich nicht abschrecken und blieb hartnäckig.

«Ein Arbeitstag beginnt vor Sonnenaufgang. Dann fahren wir hinaus und ziehen die am Vorabend gesetzten Netze ein. Spätestens um sieben sind wir zurück und müssen die Fische sofort verarbeiten», erzählt er. Obwohl im Sempachersee zwanzig Fischarten nachgewiesen sind, ist der Felchen der eigentliche Brotfisch. «Er ist gut zu fangen, zu verarbeiten und erst noch das ganze Jahr über gefragt», weiss der Jungfischer. Nach dem Fang und der Verarbeitung müssen Netze und Reusen geordnet, gelöst und allenfalls ausgebessert werden. «Gegen Abend fahren wir nochmals auf den See und setzen die Netze wieder ins Wasser.»

Weil die Hofers in den Wintermonaten mit dem Erbrüten und Aufziehen von Jungfischen beschäftigt sind, hat Maximilian Grimm auch darin Kenntnisse erworben. «Mitzuerleben, wie aus den Eiern neues Leben entsteht, und dafür zu sorgen, dass die jungen Fische gesund heranwachsen, hat mir Freude gemacht», sagt er.

Schule und Prüfungen in Bayern

Ende Juli trat der junge Mann zu den Abschlussprüfungen an. Weil es in der Schweiz keine Berufsschule für Fischwirte gibt, fanden die Prüfungen da statt, wo er während der Lehre die Schulblöcke besucht hat: am Institut für Fischerei am Starnberger See bei München. Jeweils vierzehn Wochen im Jahr war Maximilian Grimm zusammen mit rund zwanzig anderen Lernenden aus der Schweiz und Süddeutschland dort. Für die Prüfungen habe er das Flicken und Stricken von Netzen sowie das Spleissen von Seilen geübt. «Danach war noch etwas Fischbiologie dran, Anatomie und Krankheiten sowie die lateinischen Namen repetieren», bilanziert er.

Und wie geht’s nach inzwischen bestandener Prüfung weiter? «Im August trete ich meine Arbeitsstelle beim Fischer am anderen Ende des Sempachersees an.» In der kurzen Ferienwoche davor wolle er beim Umbau des Häuschens mit anpacken, das er mit seinem WG-Kollegen gemietet habe. Da kommen dem Fischer die Fähigkeiten als Dachdecker bestimmt gelegen.

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