Porträt

Lehrabschluss: Petra Furrer hat drei Ausbildungen absolviert – nun kommt das erste Baby

Die 28-jährige Urnerin Petra Furrer hat die Ausbildung zur Landwirtin EFZ absolviert. Viele Fächer musste sie nicht mehr besuchen.

Monika Burri
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Weil sie gerne mit Tieren arbeitet, hat sich Petra Furrer in dritter Ausbildung zur Landwirtin schulen lassen.

Weil sie gerne mit Tieren arbeitet, hat sich Petra Furrer in dritter Ausbildung zur Landwirtin schulen lassen.

Bild: Urs Furrer

«Meine Lehre zur Landwirtin war ziemlich speziell, denn sie fand im Teilzeitpensum statt», eröffnet Petra Furrer das Gespräch. Teilzeit deshalb, weil die 28-jährige Urnerin diesen Sommer ihre dritte EFZ-Lehre abgeschlossen hat, also viele Fächer nicht mehr besuchen musste. Die Ausbildung zur Landwirtin oder zum Landwirt als Zweitausbildung scheint gefragt zu sein. Zusammen mit Petra Furrer schlossen 21 weitere, ausschliesslich männliche Kollegen, die sogenannte Nachholbildung zur Landwirt/in EFZ in Seedorf ab. «Auch die ­folgenden Klassen sind immer gut besetzt», weiss die frischgebackene Bäuerin. Weil dieser Bildungsgang im Teilzeitpensum absolviert wird, können die Absolventen mit einer zusätzlichen Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen.

Da es wegen der Pandemie in diesem Jahr keine schriftlichen Prüfungen gab, lag der Fokus auf dem praktischen Teil. Dieser sei alles andere als einfach gewesen, erinnert sich Petra Furrer. «Ich musste Bodenproben nehmen und die Wiese beurteilen sowie die Qualität des Futters bestimmen», erinnert sich ­Petra Furrer. Aber alles sei gut gegangen, den Abschluss hat sie im Sack.

Der spezielle Lehrgang für Erwachsene

Gleich nach der obligatorischen Schulzeit begann die Urnerin eine Lehre als Bekleidungsgestalterin in einem Lernatelier in Altdorf. «Ich habe schon in der Schule gerne genäht, darum entschied ich mich damals für diese Lehre», erinnert sie sich. Doch schon während der Ausbildungszeit fehlten ihr die körperliche Arbeit und die frische Luft. Sie fackelte nicht lange und startete gleich nach dem Abschluss eine zweite Lehre zur Landschaftsgärtnerin EFZ. «Der Beruf gefällt mir immer noch sehr gut, so dass ich bis vor einigen Wochen noch in Teilzeit darin tätig war», so die junge Frau. Momentan habe sie jedoch Arbeitsverbot verordnet bekommen. Sie legt ihre Hände auf den deutlich runden Bauch und lächelt. «Mitte August kommt das Baby. Jetzt habe ich so viel Zeit wie schon lange nicht mehr.»

Die Landwirtschaft schon immer im Blut

Wie konnte sich die junge Frau nach zwei Ausbildungen für eine dritte Lehre motivieren? Sie schmunzelt und denkt kurz nach. «Vor zehn Jahren war ich einfach noch nicht so weit, mich für den Beruf als Landwirtin zu entscheiden.» Rückblickend sei ihr jedoch klar, dass die Würfel schon gefallen seien, als sie als Kind und Jugendliche gemeinsam mit der Familie jede freie Minute auf dem Hof ihres Onkels in Erstfeld verbracht habe. «Besonders die Arbeit mit den Tieren hat mir schon immer gefallen», sagt Petra Furrer. So hat sie ihre dritte Ausbildung direkt beim Onkel absolviert, mit Aussicht, den Hof in rund zwei Jahren ganz zu übernehmen.

Ein kleiner Hof für die junge Familie

Momentan ist es für Petra Furrer schwierig, konkrete Zukunftspläne zu schmieden. «Erst muss das Baby kommen, und dann sehen wir weiter.» Sicher ist aber, dass sie nach der Mutterschaftspause zusammen mit ihrem Partner wieder im Betrieb des Onkels einsteigen wird. «Wir betreiben mit acht Kühen Milchwirtschaft und haben eine Kälbermast.» Man sei zwar schon ziemlich angebunden, weil Tiere ja keine Ferien machen, aber das störe sie nicht. «Mittelfristig hätte ich auch gerne einen Hund und ein paar Hühner für den Eigenbedarf», so die angehende Familienfrau. Ihr ist allerdings auch bewusst, dass sie als Familie mit dem Ertrag des Bauernhofs nicht auskommen werden. Zum Glück haben Petra Furrer und ihr Partner die Möglichkeit, jederzeit einer Zweitarbeit nachzugehen. Zudem helfen ja die Eltern und die drei Geschwister überall aus, auch wenn das Baby da ist. «Wir haben einen sehr engen Familienzusammenhalt», sagt sie. Nur so ist es wohl möglich, den Traum vom kleinen Hof langfristig zu leben. Die Erstfelderin ist optimistisch: «Ich kann mir momentan einfach nichts anderes vorstellen. Also wird es schon irgendwie klappen.»

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