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Geografin, Unternehmensberaterin, Textilhändlerin – und jetzt ist Ines Weizenegger auch Lehrerin

Ines Weizenegger kam über einen gewaltigen Umweg zum Lehrerberuf – und ist scheinbar aus dem richtigen Stoff.
Ismail Osman
Ines Weizenegger war Geografin, Unternehmensberaterin und Textilhändlerin, bevor sie sich für den Lehrerberuf entschieden hat. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 30. August 2019)

Ines Weizenegger war Geografin, Unternehmensberaterin und Textilhändlerin, bevor sie sich für den Lehrerberuf entschieden hat. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 30. August 2019)

Veränderung gehört zum Leben. Ines Weizeneggers (40) Werdegang ist der praktische Beweis für diese Aussage. Nicht von ungefähr hat die frische Absolventin der Pädagogischen Hochschule ihre Studierendenansprache am Freitag vor ihren Mitabsolventen auch mit genau dieser Aussage beendet. Aber zurück zum Anfang.

Ines Weizenegger wächst ausserhalb von München auf, wo sie später auch ihr Studium in Geografie beginnt. Das Studium bringt sie in die Schweiz: «Die Uni Bern bot eine Spezialisierung in der Geografie der Alpenregion an. Da die Berge für mich schon immer eine Herzenssache waren, sprach mich dieses Studium natürlich sehr an», sagt Weizenegger rückblickend.

Von der Geografie zur Unternehmensberatung

Zwar sagt ihr das geografische Studium durchaus zu, dennoch nimmt ihr Werdegang danach eine erste überraschende Wendung. Weizenegger wechselt von der Geografie in die Unternehmensberatung. «Ich belegte BWL im Nebenfach und rutschte so in diese Welt», erklärt sie. «Ich mochte dieses projektbezogene Arbeiten – etwas anreissen und dann auch zu Ende bringen.» Zehn Jahre verbringt sie im Beraterbusiness. Heute beschreibt sie es als «ganz spezielle Form von Erwachsenenbildung, bei der man hohen Managern Händchen hält und Ideen souffliert.» Sie wolle diese Zeit nicht missen, sagt Weizenegger. Die Erfahrungen, die sie damals macht, kommen ihr im heutigen Beruf zu Gute, ist sie überzeugt.

Weizenegger wusste, dass die Beratungswelt auf lange Sicht nicht ihre war. Sie sagt:

«Das Beratungswesen ist hart, laut und nicht besonders familientauglich.»

Zudem sei man oft mit einer guten Portion Halbwissen konfrontiert, was der ausgebildeten Geografin – der fundiertes Wissen durchaus etwas bedeutet – prinzipiell widerstrebte.

Stoff statt Geschäftsanzug

Weizenegger, mittlerweile verheiratet mit zwei Kindern, nimmt sich eine dreimonatige Auszeit. Eine Idee keimt in ihr auf. Da waren all diese Kontakte auf der ganzen Welt, die sie während ihres Studiums geknüpft hatte. Da waren ihr Interesse an anderen Ländern und Kulturen und auch an Nachhaltigkeit und Naturschutz. Kombiniert mit ihrer Managementerfahrung, sah Weizenegger einen gänzlich neuen Weg vor sich.

Dieser führt Sie 2011 in die Selbstständigkeit. Konkret gründet sie ein Handelsunternehmen für Stoffe aus aller Welt. Das Unternehmen trägt den Namen Karlotta Pink. «Stoffe sind materialisierte Kultur», sagt Weizenegger über ihre Wahl, auf den Import von Textilien zu setzen. «Jeder Stoff erzählt eine Geschichte über Menschen, Länder, Kulturen und Tradition.» Nebst der ökologischen Nachhaltigkeit ist die faire Produktion der Stoffe ein zentrales Anliegen ihres Unternehmens. Um beides zu gewährleisten beginnt eine Zeit des Reisens. Weizenegger besucht die Länder und Hersteller und macht dabei ganz neue Lebenserfahrungen. Dort wird sie, unter anderem, auch direkt mit den Konsequenzen mangelnder Bildung konfrontiert. Und plötzlich keimt wiederum eine neue Idee in ihr auf.

Sie hat Erfahrung mit «schwieriegen Kunden»

Traumberuf Lehrerin? Ines Weizenegger hätte noch vor wenigen Jahren mit einem Lachen abgewunken. Und doch hat sie am Freitag ihr Diplom als Sek-II-Lehrerin erhalten (siehe Kasten). Sie unterrichtet Geografie an der Kantonsschule Menzingen und der Stiftsschule Einsiedeln, dort, wo Weizenegger heute auch wohnhaft ist.

Im neuen Beruf scheint sich nun alles zusammenzufügen: Ihre Erfahrungen im Beratungswesen – auch mit «schwierigen Kunden» – zahlt sich im Umgang mit der pubertierenden Klientel aus. Und ihr Bewusstsein und praktische Erfahrung in Sachen Nachhaltigkeit passt perfekt in die Gegenwart, wo gerade bei Jungen das Bewusstsein für Klima- und Nachaltigkeitsfragen zuletzt markant gestiegen ist. «Ich nahm beispielsweise mit einer Klasse den Weg der Schokolade durch – vom Produzenten bis zu unserem Konsum. Aspekte dieser Produktionskette, wie Kinderarbeit oder der Weg bis zur Fair-Trade-Zertifizierung, lösten bei den Schülerinnen und Schüler Fragen aus», erzählt Weizenegger. «Und genau das ist doch das Ziel des Berufes: Die Auseinandersetzung mit der Welt, in der sie sich befinden, anzustossen, damit sie danach in dieser Welt auch agieren können.»

Weizenegger scheint die richtige Lehrerin zur rechten Zeit zu sein. Bleibt die Frage, ob sie es denn auch bleibt. Oder ob es sie nicht doch wieder in eine andere Richtung verschlägt. «Im Moment stimmt es für mich total», entgegnet Weizenegger. «Aber ob das die ‹Endstation› ist? Ich weiss es nicht. Wie gesagt: Veränderung gehört zum Leben.»

Das sind die erfolgreichen Absolventen der Sekundarstufe II – gymnasiale Bildung

Insgesamt haben 33 Personen den Studiengang Sekundarstufe II – gymnasiale Bildung der Pädagogischen Hochschule erfolgreich abgeschlossen:

Bollinger Nicolas, Horw; Bracher Philipp, Luzern; Derungs Alexandra, Brüttisellen; Diener Severin, Eschenz; Egger Eveline, Bern; Füglister Rebecca, Zug; Furrer Florian, Bern; Höpfner Ruth Maria, Oberarth; Indelicato Davide, Weiningen; Jakob Kathrin, Bern; Jehle Philipp, Solothurn; Kanyo-Fischer Tamas, Luzern; Keller Raffaele, Rain; Legrand David, Hergiswil NW; Lutz Katja, Zürich; Luzi Christoph, Klosters; Mäder Nadine, Bassersdorf; Merz Samuel, Luzern; Nater Eliane, Horw; Oliveri Timo, Zürich; Schmid Marco, Chur; Schmocker Eliane, Einsiedeln; Schwarz Sebastian, Luzern; Seebach Fabian, Chur; von Rotz Tamara, Alpnach Dorf; Walser Marco, Vilters; Weijnman Linda, Luzern; Weizenegger Ines, Einsiedeln; Welti Céline, Zürich; Widmer Manuel, Köniz; Wüst Romy, Zürich; Zanetti Jessica, Kriens; Zoppi Flavio, Cham.

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