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LIFESTYLE: Mit 30 km/h in die zweite Pubertät

Mofafahren liegt wieder im Trend. Zwei unserer Redaktionsmitglieder haben sich deshalb auf eine nostal­gische Spritztour begeben. Er ist ein ehemaliger «Töfflibueb», sie ein totales Greenhorn.
Redaktorin Annette Wirthlin (40) und Reporter Roger Rüegger (52) hatten auf den fahrbaren Untersätzen bei ihrer Ausfahrt durchs Zugerbiet sichtlich Spass. (Bild Stefan Kaiser)

Redaktorin Annette Wirthlin (40) und Reporter Roger Rüegger (52) hatten auf den fahrbaren Untersätzen bei ihrer Ausfahrt durchs Zugerbiet sichtlich Spass. (Bild Stefan Kaiser)

Annette Wirthlin und Roger Rüegger

Kürzlich auf der Redaktion ...

Annette Wirthlin: Du, Roger, ich habe gelesen, der einstige Töffliboom feiere in letzter Zeit ein Revival. Man kann diese Dinger für eine Nostalgie-Tour mieten. Das wär doch was für dich! Ich wette, du warst einer dieser Töfflibuben, die damals in den 80ern am Mittwochnachmittag auf ihren frisierten «Pubertätsbeschleunigern» die Strassen zwischen Dorfplatz und Volg unsicher machten. (schmeichelnder Tonfall) Wenn einer in dem Thema sattelfest ist, dann du.

Roger Rüegger: Soso, du meinst also, nur weil ich manchmal T-Shirts mit Motorrad-Aufdruck trage, hätte ich die Töffli immer noch im Griff! In den 80ern war das bei mir schon ziemlich vorbei, ist also lange her. Mit 14 durfte ich das alte Puch-Zweigangtöffli meines Grossvaters haben. Aber kommen wir zur Sache: Wenn du so säuselst, willst du doch bestimmt Arbeit abschieben und mich überreden, so ein neues Töffli zu mieten. Warum setzt du dich nicht selbst auf eines und lässt dich in deine wilden Jugendjahre zurückversetzen?

Wirthlin: No way! Ich bin im Leben noch nie auf so einem knatternden Ding gesessen. Und schon gar nicht auf dem Gepäckträger! Meine Mutter hätte den Handstand gemacht. Ich habs aber auch nie wirklich vermisst. Ich fand die Buben in verwaschenen Jeans mit Seitenstreifen, die Acid-House-Musik hörten ja, bei mir warens die 80er! –, eher uninteressant. Und ich galt bei denen wohl als Streberin. Ich hätte nicht die geringste Ahnung, wie man den Motor eines Töfflis zum Laufen bringt. Irgendwie am Lenker drehen, oder?

Rüegger: So ähnlich. Einfach anzünden und Gas geben. Ich würde sagen: Du und ich, wir gehen nächsten Donnerstag zusammen auf die Strasse!

Wirthlin: Ähm ... ich hatte doch noch diesen Zahnarzt-Termin ...

Einige Tage später: Rüegger, der den Zahnarzt-Termin nicht gelten liess, und Wirthlin (zerknirscht) treffen sich beim Töfflidepot im Göbli in Zug. Ein himmelblaues Tomos und ein rotes «Pony» stehen für sie bereit. Die Helme werden ausgehändigt, und nach einer kurzen Ins­truktion kann die Fahrt losgehen.

Wirthlin: (gibt Gas) Wuaaaahh! (schepper)

Rüegger: (leise) Ich glaubs nicht fährt die doch nach nicht einmal 3 Metern in die Abschrankung einer Baustelle. (lauter) Guet gmacht, Annette!

Wirthlin: (wieder einigermassen auf Kurs) Wieso verlangsamt mein Töffli eigentlich andauernd? Muss ich den Gasgriff zum Fahren etwa ständig nach hinten ziehen?

Rüegger: Aber sicher. Sonst bleibst du stehen. Beim Autofahren nimmst du den Fuss auch nicht vom Gas.

Wirthlin: Aha. Wieso sagt mir das denn niemand?

Am ersten Rotlicht ...

Wirthlin: (zu sich selber) Jetzt wäre ich fast umgekippt, weil ich vor lauter Konzentration vergessen habe, nach dem Anhalten die Füsse von den Pedalen zu nehmen und abzustellen. Peinlich. Gut, erkennt man mich mit dem Helm nicht sofort.

Rüegger: (wundert sich) Jetzt sind wir vielleicht knapp einen Kilometer weit gefahren und wurden bereits von zwei Velofahrern mit Sandalen und Bierbäuchen überholt. Das geht nicht. Auch «Töfflibuebe» haben eine Ehre. (anfeuernd) Annette, gib Gaaaaas!

Etwas später ...

Rüegger: Hast du das vorhin eigentlich gehört? Die Bauarbeiter, die du beinahe über den Haufen gefahren hättest, fragten, ob wir ins Tessin fahren.

Wirthlin: Wie bitte? Da kämen wir ja niemals an!

Rüegger: Schon klar, wenn du das Töffli nicht etwas mehr aufziehst. Aber sie hatten schon Recht. Eine Töfflitour ins Tessin mit Übernachtung im Zelt ist sozusagen die Gesellenprüfung für jeden richtigen «Töfflibueb».

Wirthlin: Ach ja, erzähl! Kannst du mir eine jugendfreie Version deiner damaligen Eskapaden Richtung Süden geben?

Rüegger: Naja, wir waren damals noch jung. Es gab schon das eine oder andere Kellerfenster, das wir im Tessin eingeschlagen haben. Aber das erzähle ich dir nicht genauer. Nur davon, wie ich mit einem Kumpel mitten in der Nacht über den Gotthard fuhr. Der andere fands nicht nötig, sein Licht vor der Abreise zu reparieren, sodass ich immer vorausfahren und ihm den Weg beleuchten musste. Oder der Besuch im Studio von Radio 24 auf dem Pizzo Groppera, von wo aus Schawinski damals sendete. Das war etwa 1979.

Wirthlin: Auf diesen Touren ging sicher dein ganzes Sackgeld flöten. Töffli werden ja nicht umsonst auch als «Sackgeldverdunster» bezeichnet.

Rüegger: Naja, die Jungs, die ihre Töffli frisierten und jeden Samstag zum Mechaniker Häfeli nach Suhr fuhren, um neue Teile zu kaufen, mussten schon schauen, wie sie durchkamen.

Wirthlin: Gibs zu, du hast doch damals sicher auch gehörig an deinem Töffli rumgeschräubelt.

Rüegger: Ich leugne alles.

30 Minuten später ...

Wirthlin: Sag mal, vibriert deine Maschine eigentlich auch so krass? Meine Hände fühlen sich an, als ob ich einen Elektrozaun anfassen würde.

Rüegger: Ach was! Die hier haben hinten und vorne feudale Federungen. Unsere alten «Schnäpper» der Marken Puch, Ciao oder Sachs waren hinten starr und hatten teilweise noch nicht einmal eine Teleskopgabel. Nach einer Fahrt ins Tessin hatten wir keine Plomben mehr in den Zähnen.

Wirthlin: (strahlt) Hier an diesem Hügel bin ich mit dem Velo jeweils schweissüberströmt. Der kühle Fahrtwind ist richtig angenehm ... Zumindest der im Gesicht.

Rüegger: Man setzt sich aber auch nicht mit einem Röckli auf ein Töffli! Du siehst jetzt übrigens bedeutend entspannter aus als am Anfang. Seit einer halben Stunde hat uns auch kein Velo mehr überholt. Du wirst noch eine richtige Töfflibraut. Kaufst du dir jetzt eines?

Wirthlin: Ich könnte fast auf den Geschmack kommen. Aber wenn schon, dann eine schöne alte Vespa. Das wär schon stylisch ...

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