Literatur
Ein Hünenberger Autor verwandelt Szenen des Lebens in Sprache

Der erste Roman von Markus A. Sutter ist erschienen: «Vorspiele» handelt von einer Reise in die Vergangenheit. Sutters Liebe zur Musik und seine Rolle als Beobachter prägen den Erzählstil. Am 23. März liest er im Livestream daraus vor.

Monika Wegmann
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Der Hünenberger Buchautor Markus Sutter schaut in seinem Debütroman in seine persönliche Vergangenheit.

Der Hünenberger Buchautor Markus Sutter schaut in seinem Debütroman in seine persönliche Vergangenheit.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 10. März 2021)

Als der nächtliche Anruf aus Italien ihn erreicht, um ihn über Marinas Ableben zu informieren, ahnt Burger noch nicht, was damit ausgelöst wird. Er besteigt den nächsten Nachtzug in den Süden, um rechtzeitig in Apulien zu sein für die Abdankung seiner Jugendliebe und für das Festmahl. Im einsamen Abteil blättert er in seinem Notizbuch. Vor Jahren hat er dort mit Eintragungen begonnen und Ort für Ort aufgezeichnet – mit Begegnungen, Trennungen und sogar Klavierstücken. «Adieu» liest er als Erstes. Sie plante damals eine grosse Reise, um die Tänze der Welt kennen zu lernen, und er wollte in die Stadt ziehen. Bruchstückhaft tauchen nun Erinnerungen auf, vergessene, gute und schwierige Momente der vergangenen Jahre, von der Kindheit, als die Liebe zu Marina ihren Anfang nahm, bis zu den Weggefährten während der Studienzeit.

Wie die rasch wechselnden Bilder der Zugstrecke unterwegs fallen Burger rückblickend die Menschen in den Dörfern ein, deren Charakteren er in allen Details beschreibt. Dabei spielen die Musik und insbesondere eine vergessene Melodie eine wichtige Rolle in seinem Leben. Obwohl Marina und er nach der Trennung nicht mehr zusammenfinden, ist er überzeugt, dass sie beide erreicht haben, was sie wollten. Dennoch fragt sich Burger zuletzt: «Habe ich mein Leben verpasst?»

Zum Beobachter geworden

Die Geschichte – sie spielt in den 1970er-Jahren – ist durch zwei Erzählstränge verbunden: die Zugfahrt und den Rückblick auf die Lebensepisoden, die einmal aus seiner, einmal aus Marinas Sicht geschildert werden. Auf dieser Reise durch die Vergangenheit der beiden Protagonisten lässt der Autor mit lebhaften und sehr dicht formulierten, detaillierten Beschreibungen den Leser das Geschehen intensiv miterleben, jedoch nicht mit chronologischem Ablauf. Das erschwert den Überblick und unterbricht zuweilen die Spannung. Sutter zeigt sich als sehr sprachgewandt. Während dreier Jahre hat er intensiv an der Story gearbeitet und an jedem Satz gefeilt. Er sagt:

«Ja, ich schreibe um und wieder um. Fünf Seiten entstehen schnell, und dann überarbeite ich sie wochenlang. Ich schreibe nicht für das Publikum, es soll ein guter Text entstehen.»

Wie sein Protagonist im Roman trägt auch Markus A. Sutter einen Borsalino-Hut. Dennoch betont er bei der Frage nach dem persönlichen Bezug: «Der Roman ist eine Fiktion.» Dass er ihn trotzdem nicht von Grund auf erfinde, werde aus seinem Lebensweg klar: Er sei vom Dorf in die Stadt gezogen, habe Musik studiert und das Klavierspiel danach aufgegeben. «Ich gehe vom Erlebten aus und verwandle es, bis es eine dem Roman entsprechende Bedeutung bekommt. Die beschriebenen Orte und Häuser könnte man, sofern sie nicht abgebrochen worden sind, heute noch finden.»

Zu seinem detailreichen Schreibstil betont er: «Ich versuche, eine Szene zu beschreiben und merke: Gesten, Mimik, Kleider und Umgebung stimmen nicht. Also fange ich an hinzuschauen, wo sich Menschen treffen oder eine Gegend ins Auge fällt. Der Wunsch, <Szenen aus dem Leben> in Sprache zu verwandeln und vorstellbar zu machen, hat mich zum Beobachter gemacht.» Und die Musik, die er im Roman so intensiv beschreibt, hat auch in Sutters Leben eine wichtige Rolle gespielt. «Ich habe sie immer in den Schulunterricht integriert.»

Ehemaliger Lehrer in Zug

Im Thurgau aufgewachsen, studierte Markus A. Sutter zuerst Musik und Schauspiel, später Germanistik und Philosophie. In Zug war er viele Jahre als Deutsch- und Geschichtslehrer am Seminar St.Michael und später als Leiter einer Sonderschule im Aargau tätig.

Im Sommer 2020 ist Markus A. Sutters erster Roman fertig geworden. «Ich war erstaunt, dass ich schon bald den Luzerner Verlag Edition Bücherlese gefunden habe», sagt der Autor, und die Freude sieht man ihm an. Der 69-jährige Hünenberger hatte bereits vor 14 Jahren in einem Fluss die ersten 140 Seiten des Romans geschrieben, aus zeitlichen Gründen den Rest aber erst nach der Pensionierung in den letzten drei Jahren fertiggestellt. Inzwischen schwebt ihm bereits ein neues Thema vor. An die Verwirklichung gehe es aber erst nach der Buchvernissage (siehe Fussnote).

«Dann ist der Kopf wieder frei.»

Dienstag, 23. März, 19.30 Uhr in der Bibliothek Zug: Buchvernissage von Markus A. Sutters Roman, Vorspiele. ISBN 978–3–906907–41–3. Link zum Livestream: https:vimeo.com/event/729879.