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LUFTFAHRT: Neuer Himmel über der Zentralschweiz

In der Aviatik gilt die Zentralschweiz als «Hotspot». Hier trifft die Luftwaffe auf Pilatus-Werkflüge und die Leichtaviatik auf Hängegleiter. Um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, erarbeitet der Bund ein neues Konzept – und fängt dabei ganz von vorne an.
Andreas Bättig
Fliegen über der Zentralschweiz ist schön, aber tückisch. Blick auf den Flugplatz Buochs. (Bild: Corinne Glanzmann (23. August 2017))

Fliegen über der Zentralschweiz ist schön, aber tückisch. Blick auf den Flugplatz Buochs. (Bild: Corinne Glanzmann (23. August 2017))

Andreas Bättig

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Wer als Pilot mit einem Leichtflugzeug an einem sonnigen Tag einen Rundflug oder Ausbildungsflug in der Innerschweiz machen will, der hat es nicht einfach. Denn über jedem Flughafen in der Zentralschweiz, also über Alpnach, Buochs oder Emmen, existiert ein eigener Luftraum. Will ein Pilot diesen durchfliegen, muss er sich von jedem Flugplatz einzeln die Bewilligung dafür holen. Tut er dies nicht, droht ihm eine Anzeige. Die Schwierigkeit an der Sache: Er muss die Bewilligung mindestens fünf Minuten vor dem Einflug holen und gleichzeitig sich beim nächsten Luftraum abmelden.

Weil die Lufträume hier aber aneinandergrenzen, ist dies kaum möglich. Also sind viele Piloten über der Zentralschweiz gezwungen, im jeweiligen Luftraum zu warten und so lange Schleifen zu fliegen, bis sie die Bewilligung bekommen. Im beengten Alpenraum sind solche Manöver nicht einfach. Dies soll sich ändern.

Der Bund, konkret das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), arbeitet daran, den Luftraum neu zu gestalten – und zwar von Grund auf. Denn der Schweizer Himmel ist nicht nur in viele verschiedene und komplexe Lufträume unterteilt, der Verkehr in der Luft ist dicht. Sportflugzeuge, Linienflieger, Militärflugzeuge und neuerdings auch immer mehr Drohnen sorgen dafür, dass die Koordination am Himmel eine Herausforderung ist, damit die Sicherheit gewahrt und Unfälle vermieden werden. «Dass wir den Luftraum von Grund auf neu gestalten, bietet die Möglichkeit, sowohl die Infrastruktur am Boden wie die Luftraumstruktur besser aufeinander abzustimmen und künftige neue Ansprüche, wie Drohnen oder dereinst unbemannte Lufttaxis, einzubeziehen», sagt Bazl-Mediensprecher Urs Holderegger.

Hotspot für Luftraumverletzungen

Holderegger bestätigt, dass gerade der Luftraum in der Zentralschweiz kein einfacher ist. «Mit Emmen, Buochs und Kägiswil haben wir auf relativ engem Raum drei kontrollierte Flugplätze mit unterschiedlichsten Nutzerbedürfnissen der Luftwaffe, der Pilatus-Werkflüge, der Geschäftsluftfahrt, der Leichtaviatik und der Hängegleiter», sagt Holder­egger. Die Luftraumstruktur in der Zentralschweiz gelte deshalb seit Jahren als ein «Hotspot» für Luftraumverletzungen.

Bei der Ausarbeitung des neuen Konzepts namens «Avistrat» hat der Bund verschiedene Akteure mit ins Boot geholt, um die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen. Das sind neben der Flugsicherungsgesellschaft Skyguide die Luftwaffe, Airlines – unter anderen die Swiss – , die Hängegleiter und auch der Aero-Club Schweiz, der Dachverband der Schweizer Leichtaviatik und des Luftsports, der seinen Sitz beim Verkehrshaus in Luzern hat. «Wir sehen das neue Luftraumkonzept als Chance», sagt Chris Nicca, der das Ressort Luftraum beim Aero-Club leitet. «Der heutige Luftraum wurde in den Neunzigerjahren definiert. In der Zwischenzeit hat es enorme Entwicklungen in der Technik gegeben. Die Radar­abdeckung ist besser und präziser, und die satellitengestützte Navigation bietet neue Möglichkeiten, den Verkehr effizienter zu führen», sagt Nicca.

Geht es nach dem Aero-Club, sollte es im künftigen Schweizer Luftraum möglichst viele Freiräume geben, in denen Piloten mit Leichtflugzeugen fliegen können, ohne dass sie eine Bewilligung einholen müssen.

Viele Interessen treffen aufeinander

Den Interessen des Aero-Clubs stehen jene der kommerziellen Luftfahrt gegenüber. Denn der Linienverkehr will sich in einem geschützten Luftraum bewegen. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren bei der Erarbeitung des neuen Luftraumkonzepts sei bis jetzt gut gewesen. «Wichtig ist, dass die Bedürfnisse aller Luftraumbenutzer mit einbezogen werden und wir gemeinsam eine optimale Lösung finden», sagt Nicca. «Es darf nicht zu einer allzu starken Priorisierung einzelner Luftraumbenutzer auf Kosten der anderen kommen.» Die Projektleiter des Bazl sind gemäss Nicca bestrebt, dass der neue Luftraum möglichst allen Interessen gerecht werde. Letzten Herbst habe das Bazl beispielsweise eine Umfrage bei Piloten durchgeführt, um deren konkrete Bedürfnisse zu erfassen.

Dass auch immer mehr neue Fluggeräte wie kommerzielle Drohnen den Luftraum in Anspruch nehmen, sieht Nicca eher als Chance. «Bei der Drohnenentwicklung ist die Schweiz unter anderem mit der ETH führend. Wir hoffen, dass auch wir von den technischen Innovationen profitieren können und neue Technologien, die bei Drohnen getestet werden, den Weg auch in die Flugzeuge finden werden.» Der Zeithorizont für die Implementierung des Luftraumkonzepts sei noch weit weg: «Die grosse Herausforderung ist es, einen Luftraum zu definieren, der die Technik und die Bedürfnisse in den Jahren 2025/30 abdeckt», sagt Nicca. Denn erst dann werde wohl das Avistrat-Projekt abgeschlossen sein.

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