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LUZERN: Badmeister Hubert Frei ist mit 50 ins kalte Wasser gesprungen

Eigentlich wollte Bauleiter Hubert Frei nur einen Schwimmkurs besuchen – heute leitet der 51-jährige zweifache Familienvater aus Nebikon das Schwimmbad Stämpfel und steht seit Samstag wieder am Beckenrand.
Roger.rueegger@luzernerzeitung.ch
Ist quasi ins Badebusiness reingerutscht: Badmeister Hubert Frei (51). (Bild: Roger Grütter (Nebikon, 5. Mai 2018))

Ist quasi ins Badebusiness reingerutscht: Badmeister Hubert Frei (51). (Bild: Roger Grütter (Nebikon, 5. Mai 2018))

Hubert Frei, Sie wollten nur schwimmen lernen. Stattdessen machten Sie den Badmeisterschein. Was lief schief?

Meine Frau Ruth sagte: «Hubi, wir beide machen einen Kurs und lernen richtig schwimmen.»

Haben Sie sich aus Versehen an einen Bademeisterkurs anstatt zu einem Schwimmunterricht angemeldet?

So ähnlich. Ich suchte im Internet Angebote für Schwimmkurse und entdeckte auf der Website des Campus Sursee einen viertägigen Kurs. Ich wunderte mich schon, dass der Kurs so lange dauert.

Wollen Sie mir ernsthaft auftischen, dass Sie als Nichtschwimmer den Badmeisterkurs absolviert haben?

Ich war nicht Nichtschwimmer. Aber im Wasser habe ich mich etwa so bewegt wie ein 10-Jähriger nach der ersten Schulstunde im Schwimmbecken: den Kopf über Wasser und sich irgendwie vorwärtsbewegen.

Sie konnten also schwimmen und haben sich dennoch für einen Kurs angemeldet?

Es war für mich nie ein Problem, längere Strecken zu schwimmen. Ich war nur nicht so elegant. Daher wollte ich die Technik lernen.

Das ist schon recht. Aber nach einem viertägigen Kurs ist man doch nicht einfach in der Lage, ein Schwimmbad zu führen. Was haben Sie, was andere nicht haben?

Mein Ziel war ja nie, hauptberuflich Badmeister zu werden. Als ich realisierte, dass ich mich zu einem Badmeisterkurs angemeldet hatte, informierte ich mich, was man in vier Tagen lernt, und es interessierte mich. Vor einigen Jahren machte ich das Sport­fischerbrevet. Seither habe ich etwa zweimal geangelt.

Was lernen angehende Badmeister, und was müssen sie schon können?

Man muss 500 Meter in einer vorgeschriebenen Zeit schwimmen, lernt lebensrettende Massnahmen, den Umgang mit dem Defibrillator und natürlich, wie man Personen aus dem Wasser rettet. Weshalb ich glaube, ein Schwimmbad führen zu können? Als Bauleiter bringe ich viele dafür notwendige Fähigkeiten mit. Ich begleitete den Bau vom Aushub bis zur Endreinigung, war Treuhänder der Bauherrschaft und leitete Sitzungen mit Bau­firmen und Behörden. Das vernetzte Denken und die Abläufe meiner Tätigkeit helfen in jedem Job. Ich hatte mit Leuten aus allen Schichten zu tun, was auch jetzt der Fall ist. Handwerklich bin ich auch zu gebrauchen.

Dass ein 50-jähriger Bauleiter ins kalte Wasser springt und als Badmeister neu beginnt, ist trotzdem ungewöhnlich.

Da bin ich reingerutscht. Ich hatte 2015 meinen Vorgänger Walter Wyss an Sonntagen als Aushilfe unterstützt. Mitten in der Saison musste er nach einer Operation kürzertreten. Ich übernahm bis Ende Sommer. Die Saison 2016 machten wir zusammen, nun bin ich im zweiten Jahr der Chef.

Wie reagierte Ihr Umfeld?

Sehr positiv. Nur eine Badibesucherin fragte mich einmal, wie ich den sozialen Abstieg verkraftet hätte.

Sozialer Abstieg?

Sie hatte diesen Eindruck. Ich empfinde das anders. Die Wertschätzung, die ich von Badegästen bekomme, ist mir lieber als die von einem Bauherrn, der versichert, die Zusammenarbeit sei gut gewesen, er müsse dennoch etwas von der Rechnung «abschränzen». Solches brauche ich nicht mehr.

Ist es ein cooles Gefühl, dort zu arbeiten, wo man früher die Freizeit verbracht hat?

Klar. Ich bin in der Nähe aufgewachsen und besass immer eine Saisonkarte. Zuletzt konnte ich die zwar nie rausschlagen, weil mir die Zeit neben der Arbeit fehlte. Jetzt am Morgen jeweils am Beckenrand zu stehen und die Alpen zu sehen, dieser Moment ist unbezahlbar.

Wenn ich denke, wie wir früher die Badmeister ärgerten – laute Musik, Ballspiele zwischen den Badegästen: Sie müssen starke Nerven haben.

Wie auf dem Bau. Man muss verhandeln und den Leuten zeigen, dass Regeln gelten und dass diese eingehalten werden müssen. Das beginnt bei Gästen, die laut Musik hören, und endet bei Eltern, die ihre Kinder mit Schwimmflügeli ins tiefe Wasser mitnehmen.

Ihr Vorgänger war 35 Jahre Badmeister. Hinterliess er einen grossen Fussabdruck?

Ja. Walter galt als strenger Badmeister. Aber die Leute schätzten ihn und seine Art. Wir Badmeister tragen Verantwortung, haben Aufsichtspflichten und müssen uns durchsetzen. In der Badi muss sich jeder wohl fühlen.

Sie fahren Töff. Das Hobby können Sie sich als Badmeister an den Hut stecken. Oder fahren Sie, wenn’s regnet?

In jungen Jahren legte ich bei Sonne und Regen Kilometer zurück. Damit habe ich abgeschlossen. Vielleicht mache ich an einem freien sonnigen Montag mit meiner Frau eine Tour.

In ein anderes Schwimmbad auf Werkspionage?

An meinem freien Tag gehe ich bestimmt nicht in ein Schwimmbad, das können Sie mir glauben.

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Frühere Beiträge dieser Serie finden Sie unter:

www.luzernerzeitung.ch/dossier

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