LUZERN: Verkehrsinformation soll zur Prognose werden

Würden die Autofahrer über die künftige statt aktuelle Staulage informiert, käme es auf den Strassen zu weniger Behinderungen. Am 1. Nationalen Anti-Stautag in Luzern ist am Montag für eine prognose-orientierte Steuerung des Verkehrs plädiert worden.

Drucken
Teilen
Stau auf der Autobahn (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Stau auf der Autobahn (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Der Anlass im Verkehrshaus der Schweiz wurde von der auf Verkehrsinformationen spezialisierten Unternehmung Viasuisse organisiert. 2013 waren nach Angaben des Bundesamtes für Strassen Astra auf den Nationalstrassen über 20'000 Staustunden gezählt worden. Staus seien somit von grosser gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Relevanz, hiess es an der Tagung in Luzern.

Zu Staus komme es, weil der Mensch sich nicht optimal verhalte, sagte Thomas Ott. Er lehrt am Institut für Angewandte Simulation der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Der Forscher bezeichnet Staus als «raum-zeitliches Phänomen», das mit seinen Stauwellen eine faszinierende innere Dynamik habe.

Ein Stau hat drei Zutaten

Gemäss Ott kommt es dann zu einem Stau, wenn auf einer Autobahn viele Autos unterwegs sind, es einen Engpass hat und dann - als zündender Funke - eine Störung auftritt. Der Stau breitet sich dann mit durchschnittlich 17 Kilometer pro Stunde rückwärts aus.

Ott vergleicht den Verkehrsfluss mit Wasser. Pfropfen müssten verhindert und der Verkehr verflüssigt werden. Wie bei Hochwasser Rückhaltebecken zum Einsatz kämen, könnte auch der Verkehr vor einer Engstelle künstlich zurückgehalten werden, etwa mit Temporeduktionen.

Neben baulichen Massnahmen und Massnahmen des Verkehrsmanagements - Ott nannte Minimalgeschwindigkeiten, LKW-Überholverbote oder die Öffnung von Pannenstreifen - könnten auch die Autofahrer mässigend auf die Staubildung einwirken. Sie sollten vorausschauend fahren, nicht unnötig die Fahrstreifen wechseln, vor der Ausfahrt nicht zu früh und vor einem Stau nicht zu brüsk bremsen sowie bei Engpässen mit kleinen Abständen fahren, sagte der Stauforscher.

Meteorologie als Vorbild

Staumindernd wirken kann auch eine gute Information der Autofahrer, und die ist gemäss Ott heute nicht genügend. Der Verkehr werde oft nur reaktiv informiert und gesteuert.

Als Beispiel nannte Ott einen Autofahrer, der im Südtessin ist und Richtung Norden fahren will. Er erfährt heute zwar, wie gross der Stau vor dem Gotthard zum jetzigen Zeitpunkt ist, er weiss aber nicht, wie lang er sein dürfte, wenn er dort sein wird. Es ist deshalb möglich, dass er die falsche Route wählt und zur Vergrösserung des Staus beiträgt.

Ott plädierte deshalb dafür, für den Verkehr wie beim Wetter Prognosen zum Verkehrsaufkommen zu machen. Erste Studien hätten gezeigt, dass mit einer prognosebasierten Steuerung des Verkehrs in manchen Fällen die Verkehrsspitzen gebrochen oder ein Stau sogar ganz verhindert werden könnte.

sda