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LUZERN: Wie dubiose Makler uns locken wollen

Mit einem Ärgernis wartet die Versicherungsbranche auf. Unbekannte Anrufer stellen die Reduktion der Krankenkassenprämien in Aussicht. Konsumentenschützer warnen.
Das Telefon klingelt, der Ärger beginnt sogleich. (Bild: Keystone)

Das Telefon klingelt, der Ärger beginnt sogleich. (Bild: Keystone)

Thomas Heer

Von diesem Phänomen betroffen waren wohl schon die allermeisten. Der Handy-Ton erklingt. Routinemässig wird der Anruf entgegengenommen. Die überraschende Feststellung folgt auf dem Fuss: Nicht eine bekannte Stimme meldet sich, sondern am anderen Ende spricht eine wildfremde Person, die sich in ordentlichem Hochdeutsch auf unverständliche Art und Weise vorstellt, um sich danach eiligst ins eigentliche Gespräch zu stürzen.

Einigermassen umständlich wird dem Angerufenen erklärt, worum es geht. Die Rede ist von Optimierung, und zwar der Krankenkassenprämie. Der Anrufer schwadroniert und stellt ein Einsparpotenzial von 22,8 Prozent in den Raum. Dies, ohne zu wissen, mit welcher Kasse der Versicherte zu welchen Konditionen einen Vertrag unterschrieben hat.

Die Medikamenten-Frage

In flottem Tempo geht es weiter. Der Störenfried erkundigt sich über Jahrgang, Franchise und Vor- sowie Familienname. Dann endlich will er wissen, bei welcher Kasse der Angerufene versichert ist. Und zu «schlechter» Letzt gilt es noch, die Frage über etwelchen Medikamentenkonsum zu beantworten.

Das erste Kapitel dieses unerfreulichen Gesprächs wäre somit abgehakt. Der zweite Teil folgt sogleich. Und zwar geht es nun darum, einen Beratungstermin zu finden. Schnell wird klar, dass der Versicherungsmakler über keinerlei Ortskenntnisse verfügt. Mühsames Buchstabieren ist nun angesagt. Minuten vergehen, bis Adresse und Wohnort abbuchstabiert sind. Wochentag und genaue Uhrzeit des Treffens werden ebenfalls fixiert.

Zweitmeinung einholen

Beim dritten und letzten Teil dieses kurzzeitigen Abstechers in die Welt der Assekuranz gings dann um nichts anderes mehr, als Zeit totzuschlagen. Und zwar genau 30 Minuten, um dann festzustellen, dass aus dem Beratungstermin nichts werden wird. Denn der angekündigte Fachmann liess auch eine halbe Stunde nach dem vereinbarten Zeitpunkt weiter auf sich warten. Und schlussendlich war das auch gut. Denn ausser einem nervigen Gespräch wäre wohl nichts dabei herausgesprungen. Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), kennt die Masche, dieser – man muss es an dieser Stelle erwähnen – schwarzen Schafe der Krankenversicherungsbranche. Stalder kritisiert denn auch: «Das Ganze ist sehr intransparent. Die Verkäufer haben meist nur wenige Produkte im Angebot.» Stalder rät dringend ab, irgendwelche Verträge zu unterschreiben, ohne dass zuvor eine Zweitmeinung eingeholt worden ist. Stalder erwähnt auch, dass es den Verkäufern ausschliesslich um Zusatzversicherungen geht. Sie sagt: «An der Grundversicherung haben die kein Interesse.»

Unbekannte Firmen aus dem Osten

Die ungebetenen Makler sind auch Christophe Kaempf, Sprecher des Versicherungs-Branchenverbandes Santésuisse, ein Dorn im Auge. Er sagt: «Von diesem Phänomen hören wir leider immer wieder. Es gibt sogar Verkäufer, die dreist unseren Namen mit ins Spiel bringen.» Wer hinter diesem System steckt, ist nicht abschliessend zu beantworten. Das Ganze umgibt etwas Phantomhaftes, Potemkin’sches auch. Es handelt sich nämlich um Firmen, die wohl irgendwie und irgendwo existieren und doch wieder nicht. Denn für den Angerufenen ist es längst nicht immer möglich, zurückzuverfolgen, von wem er angepeilt wurde. Kaempf sagt: «Die Anrufe kommen von Callcentern im Ausland. Für die Bearbeitung der Deutschschweiz wird vorzugsweise von Standorten in Ex-Jugoslawien oder der Türkei aus operiert.»

Verband legt Standards fest

Für die Krankenversicherungsbranche ist diese Anruferei vom Ausland alles andere als imagefördernd. Deshalb halten sich 36 Schweizer Krankenversicherer seit diesem Jahr an eine Vereinbarung. Diese legt Standards fest, welche die Versicherer in der Zusammenarbeit mit Maklern, Vermittlern oder Telefonmarketinganbietern einzuhalten haben. Im Vordergrund steht die Wahrung der Transparenz.

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