1. Adventsfenster: Die Bundesplatz-Zeder erstrahlt im Weihnachtsglanz

Den Auftakt in unsere Adventsfenster-Reihe macht eine Autorin, die heuer zum ersten Mal in Luzern Weihnachten feiert. Sie deckt dabei interessante Fakten zur Herkunft des Namens «Luzern» auf - und erklärt, was es mit der «Weihnachtszeder» auf sich hat.

Linda Leuenberger
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Die strahlende Birke ist nach Eindunkeln auch vom anderen Ufer des Sees unverkennbar.

Die strahlende Birke ist nach Eindunkeln auch vom anderen Ufer des Sees unverkennbar.

Manuela Jans-Koch, 28. November 2019

«Luzern ist die Stadt der Lichter – die Leuchtenstadt!», warb damals ein Bekannter von mir für das Touristenmagnet am Fusse des Pilatus mit der weitbekannten Kapellbrücke, als es darum ging, an welcher Uni ich mein Bachelorstudium in Angriff nehmen sollte. «Lucerna» ist Latein und bedeutet «die Leuchte». Die Leuchtenstadt also. Bereits im Mittelalter hat man Luzern so genannt und sich eine hübsche Legende dazu erzählt: Ein Engel, der einen Lichtstrahl auf die Erde geschickt habe, die Menschen, die dort dann ein Kloster gebaut hätten. An dieser Stelle steht heute angeblich die Hofkirche. Ganz schön romantisch, nicht? Schade nur, dass die Sprachwissenschaften einem da den Spass verderben: Der Name «Luzern» leitet sich – stolze Luzernerinnen und Luzerner hören jetzt besser weg – vom Ausdruck «Luciaria» ab. Das Bedeutet so viel wie «Ort mit mega vielen Hechten».

Lustige Wichtel tauchen zwischen den Ästen auf – und sind ehe man sich versieht – husch! – schon wieder verschwunden.

Lustige Wichtel tauchen zwischen den Ästen auf – und sind ehe man sich versieht – husch! – schon wieder verschwunden.

Jakob Ineichen
30. November 2019

Unbeirrt dessen verwandelt sich Luzern in der Weihnachtszeit in eine Leuchtenstadt und erweist ihrem Spitznamen – wenn dessen Herkunft auch nicht so hell ist, wie man sich das wünschen würde – alle Ehre. So ist die Altstadt mit Kronen und Sternen geschmückt und die Fahrt über die Seebrücke fühlt sich an, als fahre man durch einen friedlich glitzernden Schneesturm. Beim KKL wird man von einem haushohen Weihnachtsbaum und lachenden Kindern in Schlittschuhen empfangen, weiter drüben im Inselipark lockt der neue Weihnachtsmarkt «Rudolfs Weihnacht» mit in Licht getunkten Bäumen.

Doch nicht nur die Altstadt und die Seeufer glänzen in der Nacht auf den ersten Advent, auch in der Neustadt tut sich was. Am Bundesplatz erstrahlt die alte Zeder vor der Neustadt-Apotheke nach nunmehr 20 Jahren in neuem Glanz. Die IG «Weihnachtszeder am Bundesplatz» liess dort eine neue Weihnachtsbeleuchtung gestalten, die am Samstagabend mit einem Apéro feierlich eingeweiht wurde. Schon von Weitem sind die an tropfende Eiszapfen erinnernden Lichtstäbe auszumachen. Sie reichen bis fast ganz oben an die 25 Meter hohe Zeder. Simón Schwarz, der aus der Stadt Luzern stammende Medienkünstler, hat das Projekt geplant und umgesetzt. Er ist gerade dabei, Fotos von seinem Kunstwerk zu knipsen, als ich mich neben ihn stelle. Geheimnisvoll und bewegt sollte sie werden, seine neue Beleuchtung, er wolle Passanten verzaubern, erzählt er mir. Und zum Innehalten und Entdecken einladen.

Die Lichtstäbe aussen an der Zeder erinnern an tropfende Eiszapfen. Ein ewl-Kran musste her, um die Zeder bis ganz oben mit ihnen zu behängen.
8 Bilder
Die Projektionen im sind in warmen farben gehalten.
Lustige Wichtel tauchen zwischen den Ästen auf – und sind ehe man sich versieht – husch! – schon wieder verschwunden.
Hierbei handelt es sich um stumme Glöckchen. Der Künstler Simón Schwarz hätte zwar gerne mit Ton gearbeitet, wegen des Verkehrslärms auf dem Bundesplatz habe sich das aber nicht realisieren lassen.
Auf dem Rückweg ins Stadtzentrum lädt das Vögeligärtli mit Glühwein zum Verweilen ein.
Erinnern Sie sich an Valeria? Ihre Eltern haben im Mai Geld für sie gesammelt, weil sie an einer seltenen Krankheit leidet und die Herstellung des lebensrettenden Medikaments sehr kostspielig ist. Im Vögeligärtli sammelt die Valeria-Stiftung Geld für die Erforschung extrem seltener Krankheiten.
Im Vögeligärtli kann man Kerzenziehen ...
... und Glühwein trinken.

Die Lichtstäbe aussen an der Zeder erinnern an tropfende Eiszapfen. Ein ewl-Kran musste her, um die Zeder bis ganz oben mit ihnen zu behängen.

Jakob Ineichen
30. November 2019

Aussen kalt, innen warm

Die tropfenden Eiszapfen sind in kaltem weissem Licht gehalten – anders als die sonst goldgelbe Leuchtenstadt. Damit wolle Schwarz einen Gegensatz zum warmen Inneren des Baums herstellen, wie er erklärt. Dort sind vom Stamm an die Äste Tücher gespannt, die als Projektionsfläche dienen. Auf dem Vordach der Apotheke steht nämlich ein Beamer, mit welchem er grinsende Weihnachtswichtel über die Äste tanzen lassen kann.

Die Wichtel, Sterne und Glöckchen stammen aus der Feder des Berner Animationsstudios «eisprung». Und sie zeigen ihre Wirkung: Mehrere Passantinnen und Passanten halten an und beobachten das bunte Treiben im Baum – die kleinsten unter ihnen trauen sich sogar an den Baumstamm heran und quietschen vor Freude.

«Es ist eine grosse Ehre, dass ich von der Interessengemeinschaft eingeladen wurde, die Weihnachtszeder zu gestalten», sagt Schwarz und lächelt stolz. Um die 200 Arbeitsstunden seien in das Projekt gesteckt worden, vertraut er mir an. Der Medienkünstler wohnt seit zwölf Jahren in Zürich – es sei aber «emmer weder schön», seine Heimatstadt zu besuchen. Dies tue er auch anlässlich des zweiten Luzerner Lichtfestivals, wo er seine Künstlerhände ebenfalls anlegen wird.

Die Weihnachtszeder steht noch bis am 6. Januar in ihrer momentanen Pracht auf dem Bundesplatz. Jeweils von fünf bis zehn Uhr abends kann man sich dort in den Weihnachtsbann ziehen lassen.

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