1.-MAI-FEIERN: Heineken-Deal erhitzt weiterhin die Gemüter

Das Bier und ganz besonders die Marke Eichhof standen im Zentrum der Podiumsdiskussion im Musikpavillon am Luzerner Nationalquai. Die Vertreter der Gewerkschaft Unia und des Vereins Bieridee gaben sich kämpferisch - und sammeln weiterhin Unterschriften.

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Vom Regen geschützt im Musikpavillon - von links: Kurt und Martin Uster (Brauerei Baar), Guiseppe Reo und Natalie Imboden (Unia), Marcel Sonderegger (Verein Bieridee) und Gesprächsleiter Herbert Fischer. (Bilder Gusti Gretener/Zisch)

Vom Regen geschützt im Musikpavillon - von links: Kurt und Martin Uster (Brauerei Baar), Guiseppe Reo und Natalie Imboden (Unia), Marcel Sonderegger (Verein Bieridee) und Gesprächsleiter Herbert Fischer. (Bilder Gusti Gretener/Zisch)

Es herrschte ganz bestimmt kein Bierwetter an diesem nasskalten Mittwochabend vor dem 1. Mai. Wohl deshalb fanden nur ein paar Dutzend Interessierte den Weg zum Luzerner Musikpavillon. Kurzfristig lanciert wurde der Anlass von der Gewerkschaft Unia.

«Wir wollen unser Bier von hier!»
Unter der hohen Kuppel – geschützt vom kalten Regen – diskutierten Kurt und Martin Uster von der Brauerei Baar, Marcel Sonderegger (Psychologe und Vertreter des Vereins Bieridee), Natalie Imboden und Guiseppe Reo (Gewerkschaft Unia). Und alle gaben sich kämpferisch für die Biervielfalt im Allgemeinen und die Marke Eichhof im Speziellen.

Für Bierliebhaber Marcel Sonderegger haben Bier und Biermarke viel mit Heimat zu tun. Das langsame Verschwinden kleiner und mittelgrosser Brauereien will er nicht hinnehmen: «Weltweit müssen bald alle das gleiche Gesöff trinken. Und an der EM darf in Basel nicht einmal das lokale «Ueli-Bier» getrunken werden, weil nur das ausländische Carlsberg ausgeschenkt werden darf. Das ist eine Schande!»

20 000 Unterschriften sollen Eichhof retten
Sonderegger glaubt, dass der Standort Luzern bei einer Übernahme von Eichhof durch Heineken in den nächsten fünf Jahren schleichend geschwächt und am Ende nur noch Heineken oder gar kein Bier mehr gebraut würde.

Der Verein Bieridee hat bisher über 14 200 Unterschriften gesammelt. Die Forderung im Protestschreiben: Die Brauerei Eichhof soll selbständig und unabhängig bleiben. Bis Ende Woche will Sonderegger die Marke von 20 000 Unterschriften erreicht haben. Unterstützung erhält der Verein von der Unia Luzern. Sekretär Guiseppe Reo kündigte an, Mitglieder der Unia würden in den nächsten Tagen auf der Strasse weitere Unterschriften sammeln. Die gesammelten Proteste per Mail und auf Papier will man vorraussichtlich Mitte Juni an der Aktionärsversammlung von Eichhof deponieren.


Bierliebhaber blieben unter sich
Enttäuscht war Guiseppe Reo über die Absagen seitens des Stadt- und Regierungsrates. Auch die Wirtschaftsförderung Luzern und die beiden entscheidenden Parteien - die Brauerei Eichhof und Heineken - waren nicht bereit, der Einladung der Unia zu folgen und sich den kritischen Fragen zu stellen – Reo dazu: «Luzerns Politikerinnen und Politiker fehlt der Mut, Farbe zu bekennen. Sie nehmen damit in Kauf, dass Eichhof und der Standort Luzern an Einfluss und Arbeitsplätzen verlieren wird.»

Nach rund einer Stunde Diskussion und lediglich drei Fragen aus dem Publikum beendete der Gesprächsleiter und Journalist Herbert Fischer das Podium mit den Worten: «Hätten wir gewusst, dass das Wetter so schlecht sein würde, hätten wir Kaffee Schnaps statt Bier ausgeschenkt.»

Gusti Gretener / Zisch