1.-MAI-FEIERN: Rechtsteiner geisselt das «System Ospel»

Paul Rechsteiner, Präsident des Schwei­zerischen Gewerkschafts­bundes (SGB), hat in Luzern «das System Ospel» für gescheitert erklärt. Statt Exzesse der Manager brauche die Schweiz existenz­sichernde Mindestlöhne.

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Paul Rechtsteiner spricht im Luzerner Rathaus vor Gewerkschaftern. (Bild Keystone)

Paul Rechtsteiner spricht im Luzerner Rathaus vor Gewerkschaftern. (Bild Keystone)

Der St. Galler SP-Nationalrat setzte sich am Mittwoch in der Luzerner Kornschütte zunächst für die Rehabilitierung des Begriffes «Arbeiter» ein. Arbeit sei heute nicht weniger wichtig als zu Beginn des Industriezeitalters, erklärte er.

Alternative Begriffe wie «Arbeitnehmer» oder «Lohnabhängiger» seien schief, «Angestellter» und «Beschäftigter» passiv. Sie bildeten jenen Teil der Realität nicht ab, der den Arbeitern Selbstbewusstsein, Kraft und Würde verleihe.

Ohne Arbeiter gehe nichts, sagte Rechsteiner. Trotzdem habe man in den letzten Jahren so getan, als seien es in erster Linie die Manager, die die Werte produzierten und mit Multimillionärssalären belohnt werden müssten.

Wende in der Lohnpolitik
Das System Ospel sei gescheitert, sagte der SGB-Präsident mit Hinweis auf die Bankenkrise. Wirksamste Massnahme gegen Exzesse der Manager sei eine Lohnpolitik, die sich an den Interessen der grossen Bevölkerungsmehrheit orientiere.

Rechsteiner warb dabei für die kürzlich gestartete Lohnkampagne der Gewerkschaften. Kein Monatslohn soll tiefer sein als 3500 Franken, kein Stundenlohn unter 20 Franken liegen. Für Gelernte wird ein Mindestlohn von 4500 Franken verlangt.

Im Zeichen von Eichhof
Giorgio Pardini, SP-Kantonsrat und Präsident des Luzerner Gewerkschaftsbundes, wies die von bürgerlicher Seite geäusserte Kritik am Arbeiterfeiertag zurück. Dieser sei nicht nur ein Tag des Protestes, sondern auch ein Akt der Solidarität. Es gebe auf der Welt Millionen, die am 1. Mai nicht frei demonstrieren dürften.

Der Tag der Arbeit stand in Luzern im Zeichen des Verkaufs der Brauerei Eichhof an Heineken. Die Zukunft vieler Eichhof- Angestellter sei unsicher, sagte Pardini.

Auch Rechsteiner kritisierte den "Fall Eichhof". Ein blühendes Unternehmen mit qualifizierten Arbeitskräften werde verkauft, weil Managern und Aktionären eine grosse Stange Geld winke. Er zeigte sich überzeugt, dass wenn die Entscheide nicht mehr in Luzern gefällt werden, die Leute vor Ort leichter übergangen werden können.

sda