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10 Millionen Franken: So stark kurbelt die Fasnacht die Luzerner Wirtschaft an

Egal ob Gastronomie, Hotellerie oder das lokale Gewerbe: Die Wirtschaft profitiert
stark von der Fasnacht. Einzelne Unternehmen kann sie aber auch vor personelle Engpässe stellen.
Niels Jost
Viele Restaurants, wie hier das «Bahnhöfli» in Sursee, sind während der Fasnacht gut ausgelastet. (Bild: Boris Bürgisser, 8. Februar 2018)

Viele Restaurants, wie hier das «Bahnhöfli» in Sursee, sind während der Fasnacht gut ausgelastet. (Bild: Boris Bürgisser, 8. Februar 2018)

Bald herrscht wieder Ausnahmezustand im Kanton Luzern. Für die Wirtschaft bedeutet die Fasnacht zweierlei: Einerseits generiert die fünfte Jahreszeit eine ungeheure Wertschöpfung, andererseits legt das närrische Treiben das öffentliche Leben in vielen Teilen des Kantons beinahe lahm.

Das bekommen nicht nur Unternehmen zu spüren, die mitten im Geschehen sind, sondern auch solche, für deren Mitarbeiter die Fasnacht nicht wegzudenken ist. «Unsere Belegschaft ist während der Fasnacht stark reduziert. Etwa ein Drittel unserer 15 Mitarbeiter nimmt sich für diese Tage frei», sagt etwa Herbert Lörch. Der Geschäftsführer der Luzerner Firma Infosoft Systems sieht darin aber kein Problem – schliesslich ist er als Wey-Zunftmeister und langjähriges Mitglied der Noggeler selber Treiber des närrischen Treibens. Dessen seien sich auch Lörchs Kunden bewusst, wie er sagt. Sie seien stets sehr zuvorkommend und würden auf Grossbestellungen verzichten.

Hochkonjunktur bei Schneidern und Restaurants

Während Firmen wie Infosoft Systems den Betrieb während der Fasnacht reduzieren, haben andere Hochkonjunktur: Hersteller von Instrumenten, Schneider, Hotels oder Restaurants. So sagt Ruedi Stöckli, Verbandspräsident von Gastro Luzern: «Überall dort, wo das fasnächtliche Treiben stattfindet, können Gastro-Betriebe profitieren.»

Als Beispiel nennt der SVP-Kantonsrat seinen eigenen, das Landgasthaus Strauss in Meierskappel. In der Gemeinde fänden zwei Fasnachtsanlässe mit bis zu 2000 Besuchern statt, von denen sich viele zuvor bei ihm verpflegen würden. «An diesen Abenden sind unsere Tische zwei bis drei Mal besetzt.» Am grössten sei die Wertschöpfung aber fraglos im Zentrum der Stadt Luzern – obwohl auch immer mehr Private eigene Verpflegungs- und Getränkestände führen.

Luzerner Hotels: Nicht alle profitieren

Ein etwas differenzierteres Bild zeigt sich bei der Luzerner Hotellerie. «Die Fasnacht ist vor allem für jene Restaurants und Hotels ein wichtiger Umsatzträger, welche im Fasnachtsperimeter sind und auch Fasnachtsgäste wollen», sagt Conrad Meier, Präsident vom Verband Luzern Hotels. Dabei helfe es manch einem sommerlastigen Betrieb, auch über die Winterzeit umsatzstarke Tage zu erzielen oder gar komplett ausgebucht zu sein.

Dabei gebe es auch Kurioses: «Wir haben schon gehört, dass Zimmer in günstigen Hotels für eine Woche gebucht wurden, um die Instrumente darin zu lagern.» Für Hotels ausserhalb oder am Rande des Luzerner Stadtzentrums sei die Fasnacht hingegen weniger von Bedeutung.

Studie: Fasnächtler geben in Luzern 10 Millionen aus

Wie hoch die zusätzlichen Einnahmen wegen der Fasnacht im Gastro- und Hotelleriegewerbe sind, können die beiden Verbandspräsidenten Stöckli und Meier nicht sagen. Etwas mehr ist hier von Luzern Tourismus zu erfahren, obwohl es keine definitiven Zahlen gibt, wie auch Sprecherin Sibylle Gerardi sagt. Eine Studie des Wirtschaftsmagazins Roi-online habe 2009 aber aufgezeigt, dass in der Stadt Luzern während der Fasnacht jährlich rund zehn Millionen Franken ausgegeben werden.

«Somit gehört die Fasnacht zu den ‹wirtschaftlichen Höhepunkten›», sagt Gerardi. «Zum Beispiel geben die rund 3000 aktiven Fasnächtler nachweislich viel Geld für Verpflegung, Kostüme und Weiteres aus – gemäss der Studie zirka 1800 Franken pro Fasnacht.» Hinzu kämen die rund 220000 Zuschauer, welche insgesamt ebenso viel Geld ausgeben würden. «Es ist gut möglich, dass diese Zahlen heute gar noch höher sind», so Gerardi.

Guuggenmusigen: Aufwände bis zu 2000 Franken pro Kopf

Dass sich die Zahlen aus der Studie von Roi-online im Rahmen des Möglichen bewegen, bestätigen diverse angefragte Guuggenmusigen aus dem ganzen Kanton. So würden sich die Pro-Kopf-Ausgaben jedes Mitgliedes auf ungefähr 1500 bis 2000 Franken pro Fasnacht belaufen. Darin einberechnet sind wie erwähnt der persönliche Konsum: Aufwendungen für Kostüme, Instrumente, Anreise, Plaketten-Verkauf oder sogar für warme Schuhe und Unterwäsche.

Je nach Guuggenmusig werden diese Kosten gleich vom Verein getragen. So übernehmen die Borggeischter Rotheborg die Aufwände für grosse Instrumente wie etwa Tubas oder «Chochis». Die Weidfäger Wolhusen tragen gar sämtliche Kosten, von den Carfahrten über das Material für die Mottoumsetzung bis hin zu gelegentlichen Ausflügen. Möglich mache es das eigens organisierte Fest, die «Fäger Fägete».

Gewerbeverband: «Enorm wichtig für Wirtschaft»

All diese Ausgabenpunkte zeigen: Die Fasnacht zieht eine lange Wertschöpfungskette mit sich, von der verschiedenste Branchen profitieren können. Dessen ist man sich auch beim kantonalen Gewerbeverband bewusst. Präsident Peter With sagt: «Die Fasnacht ist ein enorm wichtiger Anlass für die ganze Luzerner Wirtschaft.» Am meisten profitieren würde aber bestimmt das Gewerbe in der Stadt Luzern, welche die grösste Anziehungskraft habe – auch mit Blick auf den Tourismus, sagt der SVP-Grossstadtrat.

Dieses touristische Potenzial erwähnt auch Sibylle Gerardi. In dieser Hinsicht sei die Fasnacht sehr wertvoll. «Sie zeigt Luzern und seine Bevölkerung zudem auch mal von einer etwas anderen Seite – lauter, fröhlicher, farbiger.»

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