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100 Jahre Kultur vor dem Hammer retten

Für die italienische Genossenschaft wird es eng: Sie muss möglichst schnell über 800 000 Franken sammeln. Gelingt ihr das nicht, wird die Casa d'Italia in Luzern versteigert. Damit würde ein grosses Stück italienischer Migrationsgeschichte zerstört.
Sandra Monika Ziegler
Bis zu 50 Kinder wurden in der Casa d’Italia von katholischen Schwestern betreut. (Bild: Beat Baumgartner (Luzern, 1960))

Bis zu 50 Kinder wurden in der Casa d’Italia von katholischen Schwestern betreut. (Bild: Beat Baumgartner (Luzern, 1960))

«Wenn die Casa d’Italia jetzt an einen Immobilien-Spekulanten verkauft wird, droht das kulturelle Herz der Geschichte der italienischen Immigranten der Zentralschweiz für immer verloren zu gehen», sagt Ippazio Calabrese, Mit-Initianten der «Cooperativa Casa d’Italia» und Präsident deren Genossenschaft. «Es ist ein historisch-kulturelles Erbe, ein Monument, ein Zeitzeuge und muss erhalten werden.»

Die Cooperativa wurde im Mai vor einem Jahr für die Rettung der Liegenschaft gegründet. Ihr Ziel ist es, dort ein Zentrum für italienische Kultur, für Weiterbildungen, interkulturelle Begegnungen sowie für Ausstellungen und Konferenzen einzurichten. Doch ihr Ziel, bis Ende Juni das nötige Geld beisammen zu haben, wurde bislang nicht erreicht (Ausgabe vom Montag). Und jetzt drängt die Zeit. Denn der Staat Italien will Liegenschaften im Ausland verkaufen, die Villa an der Obergrundstrasse bis Ende dieses Jahres.

Ein Herzstück der Italiener

Das Haus ist seit 1939 im Eigentum des italienischen Staates. Italien zahlte damals 167 000 Franken, die italienische Gemeinschaft 62 000 Franken. «Leider verfügen wir über keine Quittungen oder Ähnliches. Unsere Vorfahren können das bestätigen, leider nicht belegen», erklärt Calabrese. Bis zum Jahr 2000 war das herrschaftliche Gebäude Sitz des italienischen Konsulats. Danach und bis 2016 war dort die Colonia Italiana, ein Versammlungsort für Italiener der ersten und zweiten Generation einquartiert. Ebenso waren dort die Bibliothek und der Kulturverein Dante Alighieri, Teile der Università popolare Unitre Luzern sowie die Kindertagesstätte Asilo Italiano und das «Comitato Italiani all’Estero». Seit Ende Januar 2017 steht die Liegenschaft leer. Die Schlüssel sind beim Generalkonsulat in Zürich, das auch für die geplante Versteigerung zuständig ist.

Für das Haus an der Obergrundstrasse 92 sollen durch eine Versteigerung mindestens 3,39 Millionen Franken erwirtschaftet werden. Beim Preis beruft man sich auf die Schätzungen eines Zürcher Immobilienberaters. Die Verhandlungen mit dem Staat Italien seien sehr schwer gewesen, so Calabrese. Die Wahlen und die schleppende Regierungsbildung hätten alle Verhandlungen immer wieder verzögert. Um die Versteigerung zu verhindern, sei eine Delegation der Genossenschaft deshalb eigens nach Rom gereist. Das gelang ihnen aber nicht. Immerhin konnten sie jedoch ein Vorkaufsrecht aushandeln, wie Calabrese erklärt. «Wir haben das schriftlich erhalten. Bekommen wir das Geld zusammen, so können wir das Haus kaufen.»

Das herrschaftliche Haus an der Obergrundstrasse soll wieder zum Italienischen Zentrum werden. (Bild: Ippazio Calabrese (Luzern, 2018))

Das herrschaftliche Haus an der Obergrundstrasse soll wieder zum Italienischen Zentrum werden. (Bild: Ippazio Calabrese (Luzern, 2018))

Gemäss erfahrenen Architekten wird der Marktwert der Villa mit Baujahr 1906 auf 2 bis 2,5 Millionen Franken geschätzt. Sie ist im kantonalen Denkmalverzeichnis als schützenswert aufgeführt. Das sei auch der Grund gewesen, dass die Bank das anfänglich 3 Millionen Franken hohe Darlehen auf rund 2,4 Millionen Franken reduziert habe. Denn Denkmalschutzauflagen würden bei einer Sanierung immer höhere Kosten verursachen.

Ein Crowdfunding soll die Villa retten

Die Genossenschafts-Anteilscheine kosten 1000 Franken pro Stück. Die Genossenschaft hat aktuell liquide Mittel von rund 300 000 Franken. Zusammen mit dem Bankdarlehen fehlen aber trotzdem noch 815 000 Franken. Doch die Genossenschaft will auch in grossen Schritten weiter kommen: «Wir suchen eine Institution, eine Stiftung, die uns eine grosse Summe als zinsloses Darlehen vorschiesst. Wir rechnen mit einer Rückzahlungsfrist von 15 bis 20 Jahren,» so Calabrese. Auch will man mit einer Sammelaktion im Internet Geld sammeln. Wann damit gestartet wird, ist noch nicht bestimmt.

Hinweis: Weitere Informationen unter: www.casaditalialucerna.ch

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