1920 war Luzern die Technologie-Hauptstadt der Schweiz – für einen Monat

Von der elektrischen Klingel über Elektroheizungen bis zur «elektrischen Farm»: Vor genau 100 Jahren präsentierte eine nationale Messe in Luzern die neusten Errungenschaften aus der Welt der Technik.

Robert Knobel
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Feierliche Beleuchtung anlässlich der Schweizerischen Elektrizitätsausstellung 1920, die im Kriegs- und Friedensmuseum (links) stattfand. Rechts davon der damalige Bahnhof, die Hauptpost und der Wasserturm.

Feierliche Beleuchtung anlässlich der Schweizerischen Elektrizitätsausstellung 1920, die im Kriegs- und Friedensmuseum (links) stattfand. Rechts davon der damalige Bahnhof, die Hauptpost und der Wasserturm.

Stadtarchiv Luzern

«Die Elektrotechnik hat in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte gemacht», schrieb das Luzerner Tagblatt 1920. In der Tat schritt die Elektrifizierung damals unglaublich schnell voran: Gehörten Öl- und Gaslampen Anfang des 20. Jahrhunderts noch zum Alltag, so waren 1920 bereits 98 Prozent der Gebäude in der Stadt Luzern ans Stromnetz angeschlossen. Neue Geräte kamen auf den Markt, die das Leben und die Arbeit wesentlich erleichterten.

«Elektro-Therapie» für medizinische Zwecke

Wer die jüngsten Trends und Errungenschaften in Sachen Elektronik sehen wollte, musste in jener Zeit nach Luzern reisen. Dort fand nämlich vor genau 100 Jahren die «Schweizerische Elektrizitäts-Ausstellung» statt. Eine unglaubliche Zahl an aufregenden Neuheiten war dort zu sehen, wie das Tagblatt anlässlich der Eröffnung am 15. Mai 1920 stolz aufzählte: Von der elektrischen Türklingel über Geschwindigkeitsmesser für Autos und Flugzeuge bis zu Geräten für «medizinische Elektro-Therapie». Auch Ventilatoren und automatische Rührgeräte, die dem Bäcker die Arbeit erleichterten, waren Teil der Ausstellung. Weiter wurden schon damals Elektroheizungen propagiert, die sich mit überschüssigem Nachtstrom aufladen liessen.

Ernte verdoppeln dank elektrischem Strom?

Ein Highlight der Ausstellung war gemäss Tagblatt die «elektrische Farm», die den staunenden Schweizer Bauern die Landwirtschaft von morgen vor Augen führte: Automatische Bewässerungssysteme, tragbare Maschinen und beheizte Brutkästen – ja sogar die blosse «Überleitung elektrischer Ströme» über Gemüse- und Getreidefelder verkürzte angeblich die Reifezeit und verdoppelte den Ertrag. «Die Elektrizität soll den Landwirt von der Ungunst der Witterung, des Klimas und der Bodenbeschaffenheit möglichst unabhängig machen», schrieb das Tagblatt weiter. Weniger euphorisch sah dies übrigens das konservative Konkurrenzblatt «Vaterland», das der nationalen Ausstellung nur zwei relativ kurze Meldungen widmete.

Die Schweizerische Elektrizitätsausstellung in Luzern war bereits die zweite – die erste fand 1913 in Basel statt. Untergebracht war die Luzerner Ausstellung im Kriegs- und Friedensmuseum neben dem Bahnhof – dort, wo heute das KKL steht. Insgesamt waren 130 Aussteller präsent, die Messe dauerte einen ganzen Monat. Die Organisatoren – die CKW und die Stadt Luzern –verfolgten mehrere Ziele: Die «Technologie-Messe» sollte nicht nur die technischen Neuheiten zur Schau stellen, sondern auch Zehntausende Besucher aus der ganzen Schweiz nach Luzern locken. Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs war jedes Mittel willkommen, die kriselnde Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Aufruf zum Stromsparen

Gleichzeitig sollte den Besuchern aber auch die Kehrseite der rasanten technischen Entwicklung gezeigt werden: Der Stromverbrauch stieg in diesen Jahren derart schnell an, dass insbesondere im Winter die Wasserkraftwerke nicht mehr genügend Strom liefern konnten. Die Antwort darauf war einerseits der Bau neuer Kraftwerke, andererseits sprach man schon damals vom Stromsparen. Die Elektrizitäts-Ausstellung diente daher auch als Sensibilisierungskampagne. Stromsparen hin oder her – die Gastgeberin Luzern machte ihrem Namen als Leuchtenstadt alle Ehre und beleuchtete zur Feier der nationalen Messe ihre Skyline am See aufwendig – natürlich elektrisch.