Föhnsturm fällt im Entlebuch 20'000 Bäume 

In der Nacht auf den 15. November führte ein Föhnsturm im Entlebuch zu heftigen Winden. Diese haben die ganze Region durchgeschüttelt. Jetzt zeigt sich: Im Entlebuch ist der Schaden gross.

Emanuel Schüpfer
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Besonders grossen Schaden richtete der Föhnsturm in der Gemeinde Escholzmatt-Marbach an.

Besonders grossen Schaden richtete der Föhnsturm in der Gemeinde Escholzmatt-Marbach an.

Dominik Wunderli

Dass in der Nacht vom 14. auf den 15. November im Entlebuch und der Südostschweiz ein gewaltiger Föhnsturm mit Spitzenwerten von 205 Kilometern pro Stunde gewütet hat, dürfte an vielen Luzernerinnen und Luzernern vorbeigegangen sein. Der Föhnsturm beschädigte rund 20'000 Bäume in den Gebieten Hilfernthal, Hürnli und Steigle in der Gemeinde Escholzmatt-Marbach. Auch Gebiete im Waldemmental bei Flühli und Sörenberg sind betroffen.

20'000 Bäume entsprechen 30'000 Kubikmeter Holz. Ganze Waldstücke wurden gelichtet, Baumstämme brachen oder wurden vom Wind samt Wurzeln aus der Erde gerissen. Nun beginnen erste Aufräumarbeiten.

Waldstück wiederholt Opfer von Stürmen

Nach dem Sturmtief Burglind, welches am 2. und 3. Januar 2018 mit Orkanböen über Europa zog, ist der Föhnsturm vom 14. und 15. November der nächste grosse Sturm. So wurden bei Sörenberg laut Wetterportalsturmarchiv.ch Windspitzen von 108 Kilometern pro Stunde gemessen. Verglichen mit «Burglind» hielt sich der Schaden aber in Grenzen.

Während dieser im Kanton Luzern 150'000 Kubikmeter Holz beschädigte, waren es beim Föhnsturm 30'000 Kubikmeter – in einem wesentlich kleineren Gebiet. «Es ist ‹nur› zu lokalen Schäden gekommen, das ist das Glück im Unglück», sagt Urs Felder, Fachbereichsleiter Schutzwald von der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald. Die Art des Sturms, der im November auf verschiedene Gebirgsflanken im Gebiet Marbach traf, war ein Guggiföhn. Anders als der Südföhn, bei welchem sich die intensive Niederschlagszone im Nordtessin und zwischen dem Misox und dem Bergell bildet, liegt diese beim Guggiföhn vom Südwallis bis zum Val Bedretto im Tessin. Der Föhnsturm entwickelte sich in der Jungfrau-Region und schlug zwischen Hohgant und Schrattenfluh auf das Hilfernthal und Steigle.

Die Stelle in Marbach, wo der Sturm eine Schneise der Verwüstung hinterliess.

Die Stelle in Marbach, wo der Sturm eine Schneise der Verwüstung hinterliess.

Dominik Wunderli

«Im Tal wurde der Luftstrom komprimiert und er beschleunigte sich», erklärt Felder, wodurch die Föhnböe eine Düsenwirkung erreicht und flächige Schäden verursacht habe. Haupt-Schadensträger ist, mit 90 Prozent der beschädigten Waldfläche, gerinne-relevanter Schutzwald. «Der Wald soll die Gefahr von Murgängen, Hangrutschen und Hochwasser eindämmen, indem er den Boden stabilisiert und Wasser aufnimmt und somit zurückhält», erklärt Felder. Er sagt: «Verglichen mit dem letzten grossen Sturm Burglind konnte der Föhnsturm nur in begrenzten Gebieten wirken.»Das aktuelle Schadensbild zeigt, dass mehrheitlich Flächenschäden und stellenweise Streuschäden vorhanden sind. Das definitive Schadensausmass sei aber noch nicht festgestellt. «An diesem Wochenende fiel ebenfalls Schnee, weshalb wir mit der Begehung der Waldstücke warten mussten», sagt Felder. Als der Schnee schmolz, zeigten sich die Zerstörungen. Die Aufräumarbeiten sind unterdessen in Gang.

Die geworfenen oder gebogenen Stämme können unter grosser Spannung stehen. Priorität habe bei den Aufräumarbeiten deshalb die Sicherheit der Mitarbeitenden, so Felder. Zuerst soll die Schutzwirkung wiederhergestellt und garantiert werden. In einem zweiten Schritt kümmere man sich um das Sturmholz. Geplant sei, dass Teile davon entweder abtransportiert und verkauft oder im Waldgebiet liegengelassen und entrindet werden.

Dies soll den Schutzwald vor der Ausbreitung von Buchdruckerkäfern schützen. Sie sind eine Unterart des Borkenkäfers und nisten sich in den Rinden von Bäumen ein – vor allem in Fichten.

Pflanzungen frühestens im Jahr 2021

«Im Zuge der Arbeit wird bestimmt auch das gesamte Ausmass des Sturms sichtbar und wir können entscheiden, auf welchen Flächen wir mit der vorhandenen Naturverjüngung weiterarbeiten können und welche mit standortgerechten Bäumen punktuell aufgeforstet werden», sagt Felder. Bei der Aufforstung werden auch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Waldvegetation beachtet. «Deshalb pflanzen wir Bäume, die in 50 bis 60 Jahren den erwartenden Verhältnissen angepasst sind und somit standhalten können», sagt Felder. «Mit diesem Vorgehen können wir eine Risikominimierung erreichen und die Schutzwirkung des Waldes erhalten oder sogar verbessern.»

Falls Pflanzungen nötig seien, werden diese frühestens im Jahr 2021 erfolgen. Die Aufräumarbeiten werden mehrheitlich durch den Staatsforstbetrieb und die regionalen Waldgenossenschaften bewältigt. «Solange die Strassen entlang der betroffenen Waldstücke nicht eingeschneit sind, werden wir die Bäume entlang der Strasse entfernen und abtransportieren», sagt Felder. Eine grossflächige Aufräumaktion in abgelegenen Waldgebieten wird es vor dem nahenden Winter nicht geben.


Folgende Bilder aus Marbach zeigen das Ausmass des Schadens:

(Bilder: PD)

(Bilder: PD)