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Kolumne

Ambulant vor stationär: Wie Kabarettist Veri das vergangene Jahr erlebte

Veri, alias Thomas Lötscher, aus Malters blickt satirisch auf das Jahr 2018 zurück – und entdeckt dabei prompt einen neuen Trend.
Thomas Lötscher
Veri, alias Thomas Lötscher, blickt auf das vergangene Jahr zurück und entdeckt dabei prompt einen neuen Trend: Ambulant vor stationär. (Bild: Jakob Ineichen (Stans, 16. Juni 2018))

Veri, alias Thomas Lötscher, blickt auf das vergangene Jahr zurück und entdeckt dabei prompt einen neuen Trend: Ambulant vor stationär. (Bild: Jakob Ineichen (Stans, 16. Juni 2018))

Kevin hat für mich gegoogelt: Sagte der Lateiner «ambulare», meinte er einfach «umhergehen». Regierungsrat Reto Wyss hat das schon gut verstanden, kürzt die Flächen und Budgets bei Natur- und Historischem Museum und will mehr aufs Land. Ambulant vor stationär.

Auch als Militärdirektor Winiker mit ein paar Polit- und Wirtschaftsgspändli die Truppen im Glaubenberg statt in der Kaserne besuchte, war das ambulant vor stationär. Den Superpuma für die VIPs konnte die Armee locker entbehren. Die Piloten müssen ja «sowieso Flugstunden» absolvieren und Hüttenparty-Reisli mit kreischenden Mädels und besoffenen Offizieren soll es ja nicht mehr geben. Statt Schnaps und Partygirls fliegt die Armee neu Wasser für Kühe auf die Alpen.

Der Sommer 2018 war furztrocken. Die Tiere hatten Stress. Wie die Steinböcke an Pilatus und Rothorn. Zu viele, zu wenig Platz: Die eigentlich geschützten Steinböcke wurden geschossen. Ich hätte ein paar in Zoos gebracht. Aber in Luzern gilt halt ambulant vor stationär. Auch wenn’s ein Steinbockleben kostet.

Klimaexperten sagen für 2093 Sandstürme voraus. Die Bauern werden auf Kamele umstellen. Genügsam, hornlos und saufen nur einmal im Monat. Damit würde auch die Armee entlastet. Ich meine jetzt nicht, wenn die Offiziere genügsam wären und nur einmal im Monat saufen würden, nein, wegen der Wasserflüge. Kamele, Sandstürme: Die Zentralschweiz wird arabisch. Nach dem ägyptischen Andermatt, der Mall of Switzerland der Abu Dhabriner haben die Katariner den Bürgenstock eröffnet. Ich will hier nicht polemisch sein, aber ist halt eine andere Kultur. Dort gilt «stationär vor ambulant». Kein Wunder kosten einzelne Zimmer mehrere Tausend Franken – pro Nacht.

«Wegen dieser Dürre gab’s bei den Schlammschlachten im kantonalen Pfadilager anstatt kiloweise Dreckwäsche halt ne Staublunge.»

Unser kantonaler ambulant-vor-stationär-Papst Guido Graf freute sich 2018 besonders über die Jungen. Im Juli verliessen über 2000 Pfadis ihre stationären Club- und Elternhäuser für «LUpiter 18», ein 14-tägiges Lager in Escholzmatt. Langzeitambulant sozusagen. Da ging so richtig die Post ab. Und wegen dieser Dürre gabs bei den Schlammschlachten anstatt kiloweise Dreckwäsche halt ne Staublunge. Aber bis zum Besuchstag war’s vergessen. Da kam auch nicht nur ein mit Heliflug geködertes Hämpfeli VIPs, sondern Tausende von wirklich Interessierten. Alles bestens organisiert, sympathisch und zuverlässig. Halt wie früher bei der Post. Die Älteren erinnern sich.

Und das Wetter ... Der Klimawandel zeigte sich 2018 von seiner besten Seite: schön und heiss an den Schwingfesten, 12'000 Liter Bier am Musiktag in Eschenbach, 20'000 am Jodlerfest Schötz. Rekorde. Auch der Diebstahl von 22 schönen Sitzbänkli. Rekord. Vielleicht haben die Diebe auch einfach noch nie von ambulant vor stationär gehört und nun die Bänkli stationär versteckt hinter dem eigenen Haus platziert. Da bekommt das Wort Hinterbänkler eine ganz andere Bedeutung.

Klimawandel gabs 2018 auch politisch: Viele Gemeinderäte traten zurück, Beruf, Gesundheit, Ortswechsel. Oder wurden zurückgetreten von ihren Kollegen. Schlammschlachten halt, Dreckwäsche waschen. Auch in Wikon, Mauensee, Egolzwil. Wird immer schwieriger, gute Leute zu finden. Nicht so in Romoos. Als Lückenbüsser, Pardon Retter, stellt sich bis zu den nächsten Gesamterneuerungswahlen der 68-jährige Alt-Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger zur Verfügung. Ich versteh es. Statt sich im Parlament wegen Menschenrechten zu streiten, wird er wohl lieber mit der Dorfbevölkerung am Gartenzaun «brichten». Diskussionen übers Weltklima werden ihm mehr stinken als das Bschüttifass. Und anstatt am Staatsbankett Furunkeln in den Hintern zu sitzen, geht er sicher lieber auf die Jagd. Halt wie sich’s gehört bei uns: ambulant vor stationär.

«Martin Grab, der erwischte Doper, hätte auch gscheiter ein paar Lungenzüge auf der Rigi genommen als das Schächteli aus dem Apothekenschrank.»

Die Nachteile des Hitzesommers: Zuviel Schadstoffe in der Luft. Der Grenzwert für Ozon, auf der Rigi gemessen, fast täglich überschritten. Vielleicht wirkt das Zeugs euphorisierend. Der Sieger beim Rigi-Schwingfest jedenfalls, der Sörenberger Joel Wicki, flog ziemlich über dem Boden, als er sagte, er und sein Schlussgang-Gegner hätten in einer anderen Liga geschwungen. Den unterlegenen Ostschweizern kam das schräg rein. Ob ihm das Ozon gut tut? Jedenfalls hätte der Martin Grab, der erwischte Doper, auch gscheiter ein paar Lungenzüge auf der Rigi genommen als das Schächteli aus dem Apothekenschrank.

Die Ostschweizer revanchierten sich ja bei den Bundesratswahlen. Da hat Frau Keller-Super, Pardon Keller-Sutter, in einer anderen Liga gespielt. Die Zentralschweizer ohne Chance. Der Nidwaldner Hans Wicki freute sich trotzdem ein bitzeli, er hätte allen zeigen können, dass er kein Hinterbänkler sei. Klar, das wäre den Boulevard-Medien doch aufgefallen, wenn der hinter dem Haus ein Jodlerfestbänkli aus Schötz stehen hätte.

Frau Z’graggen hat es ja auch nicht geschafft. Dass sie den Besucher einer Wahlveranstaltung «Depp» nannte, sei ein «akustisches Missverständnis» gewesen. Ich weiss zwar nicht grad, was das ist, aber das Abenteuer Bern war für sie nach einem einzigen langen Tag zu Ende. Halt so ambulant vor stationär.

«Ambulant, also «umherfahrend», wollte jeder die Seerose haben, stationär wollte sie keiner.»

Ein «Missverständnis» war auch die Seerose. Ambulant, also «umherfahrend» wollte sie jeder haben, stationär wollte sie keiner. Seit dem Ende des Gästivals hoffte man, sie würde bei einem Föhnsturm versinken. Nun kostet die Verschrottung in Flüelen mehr als man fürs Alteisen herausschlagen kann.

Apropos Grenzwerte auf der Rigi: Auch Asiaten soll’s zu viele geben, zu wenig Platz. Und die kann man jetzt nicht wie die Steinböcke ... sonst müsste dann der Ruedi doch wieder wegen Menschenrechten. Leute wehren sich, die Rigi soll kein Disneyland werden. In Küssnacht am Rigi wurde ja aus dem Pfarramt bereits Las Vegas. Über zwei Millionen Spielschulden hat der Pfarrer, kein Licht am Ende des Tunnels in Sicht.

«Das Licht der Welt erblickt», so jedenfalls schrieb diese Zeitung, hat 2018 ein Kind auf der Autobahn bei Küssnacht, in einer Ambulanz. Ich vermute, das Licht der Welt war die LED-Deckenleuchte in der Ambulanz. Und Zufall oder Schicksal war das sicher nicht. Sie wissen ja: ambulant vor stationär.

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