22,5 Millionen aus dem Lotteriefonds für Künstler, Bauern und Schüler

Vom Mobilitätskongress bis zum Kinofilm: Die Breite an unterstützten Projekten im Kanton Luzern ist gross. Wir zeigen, wer viel erhalten hat – und wie wichtig der Lottotopf für die Empfänger ist.

Alexander von Däniken
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Es ist nicht der erste Gedanke, wenn man einen Lottozettel ausfüllt. Doch mit jedem gekauften Schein unterstützen Schweizerinnen und Schweizer verschiedenste Projekte in Kultur und Sport. Rund 22,5 Millionen Franken hat der Kanton Luzern letztes Jahr aus dem Lottotopf ausgeschüttet. Dies geht aus einem Dokument hervor, welches der Kanton kürzlich auf seiner Website aufgeschaltet hat. Die Beträge variieren von Jahr zu Jahr:

  • 2019: 22,5 Millionen
  • 2018: 21,8 Millionen
  • 2017: 26,0 Millionen
  • 2016: 25,8 Millionen
  • 2015: 26,3 Millionen

Wie breit der Fächer an ausgerichteten Lotteriebeiträgen ist, zeigen folgende Beispiele. Für die Ausrichtung und Dotierung des Anerkennungspreises an Kabarettist Emil Steinberger wurden 30'000 Franken aufgewendet. Rund 49'000 Franken gingen an den jährlich stattfindenden Mobilitätskongress, bei dem das kantonale Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement Veranstalter ist. Rund 40'000 Franken gingen nach Weggis als Beitrag für einen Weiher in Hertenstein. Und die Schule Hochdorf hat für die Aufführung eines Karnevals der Tiere 185 Franken erhalten.

Emil Steinberger wurde letztes Jahr an der Luga der Anerkennungspreis des Kantons Luzern verliehen.

Emil Steinberger wurde letztes Jahr an der Luga der Anerkennungspreis des Kantons Luzern verliehen.

Bild: Pius Amrein
(29. April 2019)

Lotteriegelder sind wichtig für Filmemacher

Zu den traditionellen Empfängern von Lotteriegeldern gehören die Filmemacher. Der Luzerner Jörg Huwyler mit seiner «To the point films GmbH» ist einer von rund 20 Filmern, die letztes Jahr von der Förderung profitieren konnten. Für den Kinodokumentarfilm «Nach dem Sturm» gab es 45'000 Franken; den Betrag teilte er sich mit Produktionspartner Beat Bieri von Lindenfilm. Hier der Trailer:

Den Antrag für den zweistündigen Film, welcher die Krawalle von 1969 in Luzern beleuchtet, haben Huwyler und Bieri schon 2018 eingereicht. Huwyler sagt:

«Solche Projekte wären ohne Filmförderbeiträge nicht möglich.»

Und fügt an: «Es handelt sich um ein wichtiges Zeitdokument, das auch in Solothurn gezeigt wurde.»

Reto Gamma ist einer der Protagonisten im Film «Nach dem Sturm» von Beat Bieri und Jörg Huwyler.

Reto Gamma ist einer der Protagonisten im Film «Nach dem Sturm» von Beat Bieri und Jörg Huwyler.

Bild: PD

Unterstützt wurde zum Beispiel auch der Kinospielfilm «Wanda, mein Wunder» von Zodiac Pictures – die Firma des Luzerners Lukas Hobi erhielt als erste Rate 48'000 Franken. Und Luzius Wespe von Voltafilm konnte sich für seinen TV-Dok «Übertritt» über einen Unterstützungsbeitrag von 20'000 Franken freuen. Wie wichtig solche Beiträge sind, zeigt sich laut Jörg Huwyler auch in Krisenzeiten wie diesen. Denn einige Projekte wurden von Auftraggebern wegen Unsicherheiten sistiert, andere sind nicht möglich, weil zum Beispiel ältere Menschen interviewt werden sollen.

«Auch die Planung des Schweizer Fernsehens ist mittelfristig unklar.»

Huwyler hat, weil er an einer kleinen GmbH beteiligt ist, einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt. Dieser ist wegen der Überlastung der zuständigen kantonalen Dienststelle noch nicht bearbeitet worden. «Dafür habe ich vollstes Verständnis», sagt Huwyler. Trotzdem hofft er, dass bald wieder Normalität einkehrt.

Grosse Kulturbetriebe profitieren am meisten

Der mit Abstand tiefste Griff in den kantonalen Lottotopf ging 2019 an den Zweckverband Grosse Kulturbetriebe: Luzerner Theater, Sinfonieorchester, Kunstmuseum, Verkehrshaus und Lucerne Festival haben so zusammen knapp 5,7 Millionen Franken erhalten. Natürlich gehen auch andere Kulturveranstalter nicht leer aus; das Jazz-Festival Willisau zum Beispiel wurde mit 65'000 Franken unterstützt. Knapp 1,6 Millionen Franken gingen an einen weiteren Zweckverband, den Zisg (Zweckverband für institutionelle Sozialhilfe und Gesundheitsförderung), dem 19 Organisationen wie etwa die IG Arbeit angehören. Über eine halbe Million Franken wurde an die Landwirtschaftliche Kreditkasse überwiesen, die im Auftrag des Kantons Projekte der Gebirgshilfe prüft.

Konzert des Luzerner Sinfonieorchesters mit Pianist Fazil Say.

Konzert des Luzerner Sinfonieorchesters mit Pianist Fazil Say.

Bild: Jakob Ineichen
(4. Dezember 2019)

Der Kanton Luzern betätigt sich via Lotteriefonds auch als Kunstkäufer: Werke im Gesamtwert von knapp 67'000 Franken wurden erstanden. Fast die Hälfte des Gesamtbetrags gab der Kanton für ein Werk der Luzerner Paul Lipp und Reto Leuthold aus. Die beiden stellten ihre Gemälde letztes Jahr auch im Kunstmuseum Luzern aus.

Zu den Empfängern von Lotterie- und Sporttotogeldern gehören auch unzählige Sportvereine und Sportanlässe. Der STV Root hat für die Austragung des Älplermagronen-Cups im Faustball 300 Franken erhalten, den gleichen Betrag gab es auch für den Innerschweizer Schachverband für die Austragung des Luzerner Open-Turniers. Teurer, aber auch mit internationaler Ausstrahlung, waren die Ruder-Europameisterschaften 2019 auf dem Rotsee. Sie wurden mit 160'000 Franken aus dem Lotteriefonds unterstützt.

Die Schweizerinnen Frederique Rol und Patricia Merz nach ihrem dritten Platz beim Leichtgewichtszweier an der Ruder-EM auf dem Rotsee.

Die Schweizerinnen Frederique Rol und Patricia Merz nach ihrem dritten Platz beim Leichtgewichtszweier an der Ruder-EM auf dem Rotsee.

Bild: Roger Grütter
( 2. Juni 2019)

Auch die kleinen Sportler gingen nicht leer aus: Die Austragung der kantonalen Schulsporttage wurden genauso unterstützt, wie die Nachwuchsförderung unzähliger Vereine. Alles in allem kann es also tröstlich sein, wenn sich der Lottoschein als Niete entpuppt.

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