24. Adventsfenster: Gang für Gang gibt’s in Sursee Geschichten und Gesang

Zum 40. Mal wird an Heiligabend in Sursee Offene Weihnacht gefeiert.

Evelyne Fischer
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Ob Katholiken und Reformierte, Fromme und Zweifler, Traurige und Fröhliche: Sie alle nehmen heute Abend im Surseer Pfarreiheim Platz. Offene Weihnacht nennt sich der Anlass, der Solidarität, Nächstenliebe und Gemeinschaft gleichermassen versinnbildlichen will. 1980 wurde die ökumenische Feier erstmals durchgeführt. Heuer sorgen die Reformierte Kirche Sursee und der Pastoralraum Region Sursee bereits für die 40. Austragung.

Lädt heute zu Tisch: Sozialarbeiterin Martina Helfenstein.

Lädt heute zu Tisch: Sozialarbeiterin Martina Helfenstein.

Bild: Dominik Wunderli (Sursee, 23. Dezember 2019)

Ausgelöst wurde die Tradition durch eine traurige Begebenheit: 1978 soll eine Frau an Heiligabend weinend durchs Städtli gelaufen sein. Im Elend der Einsamkeit. «Das darf nicht sein», sagte damals ein Pfarreirat. Zwei Jahre später war die «Offene Weihnacht» lanciert.

Familien sorgen für Grossaufmarsch

Gegen 60 Personen werden heute erwartet. Sie mussten sich bei Martina Helfenstein anmelden. Seit November 2015 ist sie für die kirchliche Soziale Arbeit in Sursee zuständig. Die 35-Jährige hilft jenen, die nicht mehr weiter wissen.

«Alter, Nationalität und Religion spielen keine Rolle.»

Für den Grossaufmarsch – in der Regel wird die Feier von 30 bis 50 Personen besucht – sorgen vor allem Familien. «Darunter auch syrische Flüchtlinge, die den christlichen Brauch kennen lernen wollen.» Helfenstein freut sich, sind viele Kinder mit dabei. «Die meisten setzen sich zu Bekannten, typisch schweizerisch», sagt sie und lacht.

«Kinder wirken oft als Eisbrecher und bringen Fremde miteinander ins Gespräch.»

An den Tischen sitzen oft ältere Leute, die sich am Weihnachtstag mit ihren Familien rund um den Tannenbaum versammeln und am 24. Dezember nicht alleine sein möchten – oder Menschen, die niemanden zum Feiern haben. «Die Einsamkeit rückt aber meist in den Hintergrund, die Freude überwiegt», sagt Helfenstein. Gleichwohl biete sich manchmal Gelegenheit, auf die Angebote der Sozialberatung hinzuweisen. «Niederschwellig», betont Helfenstein. «Ich will mich weder aufdrängen noch missionieren.» Doch wer sie persönlich kenne, greife eher mal zum Telefonhörer.

Ein Abend voller Tradition und Überraschungen

Serviert wird ab 19 Uhr Rindsragout an einer Bier-Honig-Senf-Sauce und Polenta, davor Suppe und Salat, danach ein Dessert. Zwischen den Gängen gibt’s Gesang und Weihnachtsgeschichten. Der Abend berge auch immer Überraschungen, sagt Martina Helfenstein. «Einmal hat ein Mädchen zusammen mit ihrer Mutter wunderbar Cello gespielt.» Heute dürfen sich die Gäste auf das süsse Mitbringsel einer Flüchtlingsfamilie freuen. «Man darf gespannt sein.»