Ganz im Dienst der Luzerner Reformierten: Viele Kirchenreformen tragen Peter Möris Handschrift

30 Jahre stand Peter Möri als Synodalsekretär im Einsatz für die reformierte Kantonalkirche.

Evelyne Fischer
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Peter Möri – hier bei der Stadtluzerner Lukaskirche – hat die reformierte Kantonalkirche mitgeprägt.

Peter Möri – hier bei der Stadtluzerner Lukaskirche – hat die reformierte Kantonalkirche mitgeprägt. 

Bild: Jakob Ineichen (21. Januar 2020)

So lange wie er war bei den Luzerner Reformierten noch selten jemand auf einem Posten: Ende Monat räumt Peter Möri sein Büro. Nach 30 Jahren. Als Synodalsekretär hatte er innerhalb der 50-jährigen Kantonalkirche die Rolle des «Staatsschreibers» inne und war der engste Mitarbeiter des Synodalrats.

Doch der Megger Möri, 62, Jurist mit eigenem Anwaltsbüro in der Stadt Luzern, verabschiedet sich nun nicht etwa in die Pension. Sein Abgang ist die Folge veränderter Strukturen: Der Synodalrat schrumpfte im Sommer von sieben auf fünf Mitglieder, stattdessen wurde eine Geschäftsstelle geschaffen; mit 100 Stellenprozente, per Dezember mit Jurist Urs Achermann besetzt, dem früheren Stadtschreiber Luzerns. «Dieser Schritt war überfällig», sagt Möri, dessen einst 25 Stellenprozente mittlerweile auf 35 aufgestockt wurden. «Wäre ich nicht selbstständig, hätte ich die Arbeit schon lange nicht mehr bewältigen können.»

Hat sich in all den Jahren als Dienstleister verstanden

Möri, eine unaufgeregte Erscheinung, Herrchen von Sammy («griechische Strassenmischung»), war das juristische Gewissen der Institution und die gute Seele im Haus. Während Jahren kümmerte er sich nicht nur um die Vorbereitung der Exekutiv- und Parlamentsgeschäfte, sondern führte auch Protokoll. Er verfasste für den Synodalrat Beschwerdeentscheide oder verschaffte Kirchgemeinden den Durchblick beim Wahlprozedere.

«Ich habe mich immer als Dienstleister insbesondere all jener verstanden, die sich ehrenamtlich für die Kirche engagieren.»

«Wie die Jungfrau zum Kinde» sei er 1990 zu dieser Stelle gekommen, sagt Möri. «Ich hatte bei Stellenantritt keine besondere Beziehung zur Kirche.» Sein damaliger Kanzleipartner war Synodalrat gewesen, der Pool an reformierten Juristinnen und Juristen klein. Eins habe das andere ergeben. «Weder hätte ich geglaubt, dass Kirchengeschäfte juristisch derart vielseitig sein würden, noch dass ich so lange auf dem Posten bleibe.»

Einstiges Badezimmer wurde zu seinem Büro

Anfänglich führte Möri das Sekretariat im Untergeschoss der Dienstwohnung eines Spitalpfarrers beim Eichhof. Nur seine Sekretariatsmitarbeiterin und er besassen ein eigenes Büro. Der Synodalratspräsident musste sich mit dem Besprechungszimmer begnügen. Kaffeemaschine? Fehlanzeige. Der grösste Luxus: ein Schreibautomat, eine Art elektrische Schreibmaschine mit Mini-Display.

Später erfolgte der Umzug an die Hertensteinstrasse, in die einstige Dienstwohnung eines Sigristen. Möri brachte man im früheren Badezimmer unter. Gerne hätten wir ihn in diesem Büro fotografiert. Möri lehnte ab. «Viel zu eng», sagt er und lacht. «Für Fotos habe ich sowieso einen Exklusivvertrag mit einer bunten Zeitschrift.» Das Klischee des trockenen Juristen widerlegt Möri im Laufschritt.

Das «gute Team» auf der einen, die «spannenden Projekte» auf der anderen Seite hätten ihn in all den Jahren motiviert, zu bleiben, sagt Möri. Dazu zählte: die Totalrevision der Kirchenverfassung. Daran mitwirken zu können, sei eine «einmalige Gelegenheit» gewesen. Möri stellte während der letzten Jahrzehnte grosse Veränderungen fest:

«Die Ansprüche sind gestiegen, der Bürger wurde kritischer, der Umgangston rauer, die Parlamentsarbeit professioneller.»

Kantonalkirche zählt auch in Zukunft auf ihn

Mit welch harten Bandagen etwa Ende 2018 gegen die Abschaffung der Volkswahl der Pfarrer gekämpft wurde, sei zuweilen «belastend» gewesen. «Bei der Abstimmung habe ich richtig mitgefiebert», sagt Möri, und bekräftigt seine Worte erstmals mit grossen Gesten. Hätte es ihn nie gereizt, bei solchen Geschäften an der Front, als Synodemitglied, zu weibeln? Möri winkt ab. Er arbeite lieber im Hintergrund.

Möris erstes grosses Geschäft war die Revision der Kirchenordnung. Ein Passus daraus, der ab 1996 die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglichte, sorgte für Schlagzeilen über die Landesgrenzen hinaus. «Luzern war für die damaligen Verhältnisse sehr fortschrittlich», sagt Möri. Nun wird die nächste Revision aufgegleist, die gemäss Zeitplan per 1. Januar 2023 in Kraft treten soll. Eines der Themen: die Ehe für alle.

Wen erstaunt’s, wird Möri die Revision noch auf Mandatsbasis juristisch weiter mitbetreuen. Eine gute Seele lässt man bei den Reformierten eben nicht gerne ziehen.

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