Kolumne

37'000 Schritte auf dem Irrweg

Unsere Reporterin Yasmin Kunz schildert in ihrer Kolumne, wie ein fehlender Wegweiser sie im Maderanertal in die Irre geführt hat.

Yasmin Kunz
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Yasmin Kunz

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Die Wanderzeit ist offiziell vorbei. Weil ich mich aber nicht davon trennen will, bin ich noch in den Bergen, sofern das Wetter es zulässt.

Kürzlich im Maderanertal im Kanton Uri. Das Ziel war die Hinterbalmhütte. Eine Kollegin, die diese während der Saison pachtet, hat mir vorab den Weg erklärt. Da kann nichts schief gehen, denke ich. Drei Stunden Wanderung sind gut machbar.

Von Bristen bis zur Gufernalp war denn auch alles wunderbar signalisiert. Am entscheidenden Punkt aber – nämlich an einer Kreuzung – fehlte die Ausschilderung. Das kommt wenig überraschend, zumal die Urner die Wegweiser im Winter entfernen. Ein Blick auf die Karte und fest steht: Die Hütte ist ennet am Bach.

Doch wie komme ich auf die andere Seite? Die Urner demontieren offenbar auch die Brücken. Vermutlich damit sie unter der Last des Schnees nicht einbrechen. Alternativ ziehe ich die Wanderschuhe und Socken aus und überquere den Bach.

Mittlerweile ist Mittag. Die Zeitangabe längst überschritten. In der Annahme, den richtigen Pfad gefunden zu haben, wandere ich weiter. Erklimme Höhenmeter um Höhenmeter um Höhenmeter.

Nach knapp fünf Stunden realisiere ich: Der Weg führt zwar zu einer Hütte – allerdings zur falschen. Die richtige glaube ich bei der Rast zu erkennen. In weiter Ferne, auf der anderen Seite des Tals.

Nach sieben Stunden Laufzeit und 37'000 Schritten erreiche ich das Tal – leicht gefrustet. Ich rede mir aber gut zu, die Hütte immerhin von Weitem gesehen zu haben. Die Geschichte schildere ich der Kollegin, füge Fotos an. Sie bedankt sich für die Bilder und schreibt: Von dort aus kannst du die Hütte nicht gesehen haben.