40 Contact-Tracer sind im Kanton Luzern im Einsatz – weitere Personaldossiers hält der Kanton in der Hinterhand

Das Contact-Tracing wurde im Kanton Luzern massiv aufgestockt. Der Kanton Luzern plant, künftig wieder auf eine telefonische Kontaktaufnahme zu setzen.

Roseline Troxler
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Ein Contact-Tracing-Team bei der Arbeit.

Ein Contact-Tracing-Team bei der Arbeit.

Symbolbild: Alexandra Wey/ Keystone

Vor rund einem Monat hat der Kanton Luzern das Contact-Tracing von der Lungenliga Zentralschweiz übernommen (wir berichteten). Die Ressourcen wurden in der Folge massiv aufgestockt. Contact-Tracer kontaktieren Personen, die positiv getestet worden sind. Das Ziel ist es, durch Isolation und Quarantäne Ansteckungsketten zu unterbrechen. Waren vor wenigen Wochen nicht einmal zehn Personen für Luzern als Contact-Tracer im Einsatz, beschäftigt der Kanton dafür nun 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Noch vor einem Monat rechnete Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) damit, dass es dafür bis zu 30 Personen braucht.

David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport des Kantons Luzern, erklärt nun auf Anfrage: «Die Rede war – je nach Fallzahl – von zwischen 30 und 60 Personen. Ziel ist, das Contact-Tracing möglichst effizient zu betreiben, aber einen hohen Service zu ermöglichen.» Die Coronafallzahlen im Kanton Luzern würden sich nach wie vor auf hohem Niveau bewegen. Seit Samstag wurden weitere 206 Personen positiv getestet. Der Kanton behält diverse Personaldossiers in Reserve, «damit der Personalbestand im Bedarfsfall schnell erhöht werden könnte», heisst es in einer Mitteilung.

Kulturschaffende, Pflegefachpersonen oder Studienabgänger

David Dürr ist sehr zufrieden, wie das kantonseigene Contact-Tracing angelaufen ist. Die beruflichen Hintergründe der Contact-Tracer sind vielfältig und reichen von Personen mit einem kaufmännischen Abschluss über Pflegefachpersonen, Kulturschaffende, Leute, die vorher in der Veranstaltungsbranche tätig waren, bis hin zu Studienabgängern, die eigentlich auf eine Reise gehen wollten.

Laut dem Dienststellenleiter hat das Contact-Tracing in den letzten Wochen immer wieder Verbesserungen umgesetzt. Er verweist etwa auf die bessere Erreichbarkeit der Hotline: «Am ersten Wochenende lag diese erst bei 70, letztes Wochenende bereits zwischen 90 und 98 Prozent.» Ziel sei eine weitere Steigerung. Ausserdem sei das Contact-Tracing auch sprachlich breiter aufgestellt.

«Zunächst deckten die Contact-Tracer vor allem die vier Landessprachen ab. Nun haben wir mehr Mitarbeiter mit Sprachkenntnissen der Balkanländer.»

Erstinformation erfolgt per SMS

Seit Ende Oktober werden infizierte Personen per SMS informiert, dass sie sich in Quarantäne begeben müssen. Die SMS-Erstinformation zur Isolation erfolgt «in den allermeisten Fällen gleichentags wie der Kanton die Labormeldung vom Bund erhält», heisst es beim Kanton Luzern. «Infizierte Personen werden in der SMS ausserdem aufgefordert, ein Formular auszufüllen und ihre Kontaktpersonen anzugeben», führt Dürr aus. Neu erhalten auch die Kontaktpersonen per SMS die Information, sich unverzüglich in Quarantäne zu begeben. «Diese SMS ist rechtlich verbindlich», sagt Dürr. Das Problem: Nicht alle infizierten Personen füllen das Formular aus und geben Personen an, zu denen sie engen Kontakt hatten. «Bei drei Viertel der Personen klappt das gut, bei einem Viertel braucht es einen Anruf.» Alle Infizierten werden laut Dürr ausserdem am neunten Tag der Isolation telefonisch kontaktiert. Sind sie seit mindestens 48 Stunden symptomfrei, können sie die Isolation nach zehn Tagen verlassen.

Das Contact-Tracing will künftig wieder ganz auf eine telefonische Kontaktaufnahme setzen. «Wir halten das für realistisch, wenn wir wieder bei unter 100 neuen Fällen pro Tag sind», sagt Dürr. Er hofft, dass in den nächsten Wochen die Qualität der Daten noch verbessert werden kann. Denn die Zuverlässigkeit und Schnelligkeit des Contact-Tracings hänge auch von der Qualität der Daten ab, welche man von den Labors erhalte. Ein Team prüft nun genau, welche Labors fehlerhafte Adressen angeben und meldet dies zurück.

Hotline für Schul- und Heimleiter ist gefragt

Gute Erfahrungen hat das Contact-Tracing mit einer neuen Hotline gemacht, welche seit Ende Oktober betrieben wird. Diese steht ausschliesslich infizierten Personen oder Institutionen wie Heimen oder Schulen für Auskünfte zur Verfügung. «Das Informationsbedürfnis der Luzerner Bevölkerung ist riesig. Mit dieser Hotline können wir sicherstellen, dass uns Personen, die dringend Informationen benötigen, erreichen», sagt David Dürr.

Der Dienststellenleiter hofft, dass die Fallzahlen nun weiter zurückgehen. «Sie tun das leider etwas weniger schnell als erwartet. Fakt ist aber, dass die Zahlen im Kanton Luzern nie so hoch waren wie in anderen Kantonen.» In der letzten Woche haben sich wieder mehr Luzerner testen lassen. Doch die Positivitätsrate sei mit rund 20 Prozent nach wie vor viel zu hoch. «Eine Positivität von über fünf Prozent zeigt, dass sich zu viele aus Angst vor einer Isolation nicht testen lassen.»