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5-Tonnen-Glocke in der Hofkirche Luzern läutet künftig seltener

An «gewöhnlichen» Sonntagen wird das Geläut der Hofkirche Luzern künftig spürbar leiser sein. Dafür sollen die Glocken insgesamt mehr Abwechslung erhalten.
Hugo Bischof

Aus insgesamt acht Glocken besteht das Geläut der Hofkirche Luzern. In jedem der beiden Türme befinden sich vier. Die grösste, die Theodulsglocke, hängt im Südturm. Der Weg dort hinauf ist beschwerlich. Er führt über eine steile Holztreppe. Das Glockengestühl ist rund 35 Meter über dem Boden, also auf halber Höhe des Kirchturms. Oben angekommen, bietet sich einem ein eindrücklicher Anblick.

Die Theodulsglocke ist wahrhaft imposant: Sie hat einen Durchmesser von rund 2 Metern, ist etwas über 2 Meter hoch und 5,15 Tonnen schwer. Am bevorstehenden Ostersonntag darf sie ihren vollen, tiefen Klang wieder mehrfach entfalten. Künftig allerdings wird sie nicht mehr so häufig läuten wie bisher. Dafür sorgt eine neue Hofkirche-Läutordnung, die vor wenigen Tagen in Kraft getreten ist. Der Grund dafür sind nicht etwa Lärmklagen von Nachbarn. «Wir wollen vielmehr das Glockengeläut abwechlungsreicher gestalten», sagt Urban Schwegler, Mediensprecher der Katholischen Kirchgemeinde Luzern.

Erarbeitet hat die neue Läutordnung Loris Fabrizio Mainardi zusammen mit dem Berner Kunsthistoriker und Glockenexperten Matthias Walter. Mainardi, von Beruf Unternehmens-Jurist, ist in der Hofpfarrei aufgewachsen, war von klein auf fasziniert von Musik und wirkt heute als Lektor in Hofkirche-Liturgien – «und zuweilen auch als Samichlaus», sagt er mit einem Schmunzeln.

Loris Fabrizio Mainardi neben der 5 Tonnen schweren Theodulsglocke im Südturm der Hofkirche Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 9. April 2019)

Loris Fabrizio Mainardi neben der 5 Tonnen schweren Theodulsglocke im Südturm der Hofkirche Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 9. April 2019)

Eine der Zielsetzungen der neuen Läutordnung lautet: «Beschränkung des ‹Plenum›-Geläuts aller Glocken auf die hohen Festtage.» Konkret bedeutet dies, dass «gewöhnliche» Sonntage nicht mehr mit allen acht, sondern nur noch mit fünf Glocken eingeläutet werden. Und zu den Sonntagsgottesdiensten rufen künftig nicht mehr die immer gleichen sieben, sondern nur noch vier oder fünf Glocken. Auch das klangliche Zusammenspiel der Glocken wird variiert. Loris Fabrizio Mainardi sagt:

«Bisher war das Läuten das ganze Jahr über das gleiche. Künftig werden etwa in der Advents- und Fastenzeit etwas ‹stillere› Motive erklingen.»

Eine täglich hörbare Neuerung betrifft auch den Stundenschlag: Ertönte dabei bis anhin die Theodulsglocke, werden künftig nur noch einige der kleineren Glocken die vollen Stunden anschlagen. Ein uralter Brauch wird aber beibehalten, das Läuten der «Grossen Glocke» am Freitag – wobei die Läutzeit schon vor einigen Jahren von 11 auf 12 Uhr verschoben wurde. Mainardi erklärt:

«Dank der neuen Läutordnung kommen die Glocken klanglich besser zur Geltung. Zudem werden sie durch den Läutvorgang weniger belastet, im Durchschnitt um zwölf Stunden pro Glocke und Jahr.»

Peter Lustenberger, Leiter Infrastruktur, überprüft die Glocke. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 9. April 2019)

Peter Lustenberger, Leiter Infrastruktur, überprüft die Glocke. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 9. April 2019)

Die Schonung der Glocken durch eine Reduktion der Läutdauer ist entsprechend eine weitere Zielsetzung der neuen Läutordnung. Die bronzenen Hofkirche-Glocken sind fast 400-jährig. «Ziel ist es natürlich, dass sie noch weitere Jahrhunderte erhalten bleiben», betont Mainardi. Die Rippe der Theodulsglocke ist zwar rund 15 Zentimeter dick. «Doch der Druck, der durch das Schlagen des Klöppels entsteht, ist gewaltig», sagt der Glockenexperte Matthias Walter:

«Im schlimmsten Fall könnte ein Riss in der Glocke entstehen. Das wäre zwar reparabel, aber nur mit grossem Aufwand.»

Dafür müsste man die Glocke aus der Kirche herausnehmen, sagt Mainardi. Nach seiner Einschätzung könnte eine solche Reparatur bis zu 100'000 Franken kosten. Als Vorsichtsmassnahme solle man die Vibrationen der Glocken durch eine Spezialfirma messen lassen, regt Walter an. «Wir sind im Gespräch mit der Kirchgemeinde», sagt dazu Cony Grünenfelder, Denkmalpflegerin des Kantons Luzern. Die Klöppel der Hofkirche-Glocken sind vor wenigen Jahren ersetzt worden

Kirchenglocken sind trotz ihres wuchtigen Aussehens diffizile Gebilde. Die acht Hofkirche-Glocken umfassen klangmässig eine Oktave: Die Theodulsglocke ist auf g gestimmt; die weiteren auf a, h, c, cis, dis, f und wieder g. Mainardi erklärt ein überraschendes Phänomen:

«Der einzelne Ton kann aber nicht gemessen werden, sondern entsteht erst im menschlichen Ohr und Gehirn.»

Ganz rein tönen Kirchenglocken nie. Ein Umstimmen wäre theoretisch möglich, sagt Matthias Walter: «Durch das Abtragen von Metall könnte man den Ton senken.» Das sei aus denkmalpflegerischer Sicht aber klar abzulehnen: «Eine gewisse Disharmonie ist bei alten Geläuten normal.» Die Luzerner Hofkirche sei «ein sprechendes Belege dafür, dass Macht und Wohllaut eines Kirchengeläutes nicht dadurch bedingt werden, dass die Gloken in den bestimmten schulmässigen akkorden zu sammenstimmen, wie man allgemein annimmt», heisst es in alter deutscher Schrift in einem undatierten Gutachten wohl aus dem frühen 19. Jahrhundert. Das Zusammenspiel sämtlicher Glocken sei «von so vorzüglichem Wohlklang und so ergreifender Wirkung, dass kaum ein Zweites Geläute in der Schweiz damit verglichen werden kann». Ganz anders lautet ein Gutachten von 1954. Es forderte eine «Stimmungskorrektur». Dieser Vorschlag sei «zum Glück nicht umgesetzt worden», sagt Matthias Walter.

Loris Fabrizio Mainardi schrieb einen Beitrag zur neuen Hofkirche-Läutordnung für das am 10. April erscheinende Pfarreiblatt Nr. 8 der katholischen Kirche Stadt Luzern.

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