50 Jahre Spöitzer Lozärn – «wir sind keine Rampenlicht-Guuggenmusig»

Ihr Markenzeichen sind die von Künstlern gestalteten, verschiedenen Grende und die unterschiedlichen Kostüme: Die Spöitzer werden 50. Vor allem in einem Punkt haben sie seit 1970 mächtig zugelegt. 

Roman Hodel
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Grrrrrrr! Als Gladiatoren zogen die Spöitzer vor 19 Jahren durch die Stadt – hier am Monstercorso.

Grrrrrrr! Als Gladiatoren zogen die Spöitzer vor 19 Jahren durch die Stadt – hier am Monstercorso. 

(Bild: Peter Appius, Luzern 27. Februar 2001)

«Ächti Lozärner Guuggenmusig wo rüüdig guet usgseht.» So beschreiben sich die Spöitzer auf ihrer Webseite. Und das trifft es doch ziemlich gut. Seit ihrer Gründung vor 50 Jahren legen sie besonderen Wert auf ihre aufwendig gestalteten Kostüme und Grende. Letztere wurden während langer Zeit vom Luzerner Maskenkünstler und Spöitzer-Ehrenmitglied Matthias Bugari entworfen. Vor ein paar Jahren hat der Emmer Maskenkünstler Hugo Stadelmann den Job übernommen. An der kommenden Fasnacht sind es allein zwölf verschiedene Grende. Als Beispiel das Spöitzer-Sujet von 1994:

(Bild: PD)

«Damit unterscheiden wir uns von vielen Musigen, bei denen alle Mitglieder den gleichen Grend tragen», sagt Gaby Aregger (41). Sie spielt seit 2001 auf ihrer Chochi bei den Spöitzern und amtet seit 2012 als deren Präsidentin. Auch punkto Kostüm fahren die Spöitzer eine eigene Linie: Die Mitglieder erhalten weder ein Stoffpäckli noch ein Schnittmuster oder gar das fertige Kleid. «Sie haben alle Freiheiten bei der Gestaltung – es muss einfach zum Sujet passen», sagt Aregger und fügt an:

«Entsprechend spannend ist es bei der Besammlung am SchmuDo um 4.30 Uhr, wenn die Spöitzer eintrudeln und man all die Sujets erstmals sieht.»

Bei diesem Moment gerät auch Göggu Wittwer (71) ins Schwärmen: «Ja, dieses Zittern, wenn der Tambi pfeift und es heisst: ‹Einstellen!› Genau darum bin ich immer noch gerne dabei!» Wittwer ist der (dienst-)älteste Spöitzer, seit dem Gründungsjahr 1970. Allerdings hatte er die erste Fasnacht verpasst. «Ich musste arbeiten», sagt Wittwer. Nach der Lehre als Maurer kellnerte er damals im Café Moc am Falkenplatz, wo die Gründungsversammlung der Spöitzer stattfand. Am Wochenende nach dem Aschermittwoch konnte Wittwer dann doch noch zur Trompete greifen. Denn die ganze Musig fuhr mit dem Zug an die Zürcher Fasnacht. 

Ins Leben gerufen wurden die Spöitzer von Kurt und Armin Bättig, Walter Schnider und Rolf Jordi. «Wir waren ein bunter Haufen von 18- bis 20-Jährigen», sagt Wittwer. Hier eine Aufnahme von 1975:

(Bild: PD)

Wobei man es mit der Disziplin anfänglich nicht so genau nahm: «Als Tambi musste ich die Mitglieder während der Fasnacht mängisch in den Beizen suchen, damit ich überhaupt ein Grüppli bilden konnte», sagt Wittwer. Anders heute:

«Wenn der Tambi zur Besammlung um halb Sechs pfeift, stehen die Jungen schon eine Viertelstunde vorher bereit.»

Auch musikalisch haben die Spöitzer laut Aregger und Wittwer zugelegt. So existiert - wie mittlerweile bei den meisten Musigen - eine Musikkommission, die Stück werden arrangiert und jährlich  zwei bis drei neue Lieder einstudiert – gleichzeitig mustert man ebenso viele aus. Somit umfasst das Repertoire jeweils um 25. Eine Kostprobe:

Und früher? Wittwer muss lachen und sagt: «Da waren wir musikalisch schon eher am unteren Ende der Skala.» Kommission? Noten? Gab's nicht. «In der Regel hatten wir einen starken Trompeter, der uns etwas vorspielte und wir setzten dann ein.» Pro Fasnacht habe man ein neues Stück eingeübt. «Nur schon dies war ein Riesen-Chrampf.»

Durch die musikalischen Fortschritte und den Umstand, dass die Spöitzer wieder über 50 Aktivmitglieder zählen, sind sie mittlerweile sogar auf der Rathaustreppe anzutreffen. «Aber nur, wenn sie grad frei ist, anstehen würden wir nicht», sagt Präsidentin Aregger und ergänzt: «Wir sind keine Rampenlicht-Guuggenmusig, sondern spielen am liebsten in den Gassen.» Das zeigt dieses Foto aus dem Jahr 1987:

(Bild: PD)

Geblieben ist über all die Jahre die Kameradschaft, nicht nur während der Fasnacht. Die Generalversammlung etwa gilt als Höhepunkt, steht immer unter einem Motto und die Mitglieder erscheinen verkleidet. «Das lockert die Stimmung und hält den geschäftlichen Teil kurz», sagt Aregger. Bleibt noch die Frage: Warum eigentlich der Name Spöitzer? Dazu gibt's mehrere Theorien. Eine davon geht laut Wittwer so:

«Als wir jung waren, sagten die Eltern oft zu uns, ihr müsst nicht immer zurückspöitze!»
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