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Hasenpest ist im Kanton Luzern auf dem Vormarsch

Das Bundesamt für Gesundheit geht dieses Jahr von schweizweit 9000 Konsultationen wegen Zeckenbissen aus – obwohl die Zahl der Erkrankungen stabil bleibt. Ausnahme ist die Hasenpest.
Chiara Zgraggen
Hausärzte haben dieses Jahr allerhand wegen Zeckenstichen zu tun – auch wegen der Hasenpest. ( Gaetan Bally/Keystone)

Hausärzte haben dieses Jahr allerhand wegen Zeckenstichen zu tun – auch wegen der Hasenpest. ( Gaetan Bally/Keystone)

«Da ich eine Zeckenimpfung habe, muss ich mir keine Sorgen nach einem Zeckenstich machen.» Diese Haltung kann problematisch werden. Das zeigen nicht nur die weiterhin stabilen Borreliosefälle (gegen deren Erreger gibt es keine Impfung), sondern auch das gehäufte Auftreten der Hasenpest. Gab es laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Jahr 2016 noch 57 Fälle von Hasenpest, waren es im letzten Jahr bereits 131.

Auf den Menschen wird die Hasenpest vor allem durch Zeckenstiche, seltener durch Staub- oder Wildkontakt übertragen. Die Infektionskrankheit äussert sich durch Fieber und kann unbehandelt tödlich enden. Dank Antibiotika-Therapie ist die Hasenpest gut behandelbar. In nur drei anderen Kantonen gab es letztes Jahr mehr Hasenpestfälle als im Kanton Luzern. Genauer kamen hier auf 100 000 Einwohner 2 Hasenpestfälle. Am häufigsten betroffen waren Personen über 65 Jahre.

Mehr Fälle, weniger Spitalaufenthalte

Trotz den steigenden Hasenpestinfektionen nehmen Spitaleinlieferungen wegen Hasenpest ab. Laut BAG ist dies auf meist mildere Infektionen zurückzuführen. Zudem seien die Hausärzte mehr auf diese Infektionskrankheit sensibilisiert. Bislang wurde keine Übertragung von Mensch zu Mensch dokumentiert.

Das Empfinden der Bevölkerung, dass Zeckenbisse jedes Jahr mehr werden, wird stärker. Wie Svend Capol, leitender Arzt der Sanacare-Gruppenpraxis am Luzerner Paulusplatz, bestätigt, kommt es Jahr um Jahr zu mehr Konsultationen wegen Zeckenbissen in seiner Praxis. Dies sei vor allem der höheren Sensibilität der Bevölkerung zuzuschreiben. Neuste Zahlen des Bundes stützen diese Aussage; kam es im letzten Jahr zu etwas mehr als 6000 Konsultationen aufgrund von Zeckenbissen, werden es in diesem Jahr hochgerechnet wohl mehr als 9000 werden.

Diese markante Zunahme der Arztbesuche um 50 Prozent bedeutet aber noch lange nicht, dass auch die Zahl der Erkrankungen steigt. Wie Michael Trummler vom medizinischen Laboratorium Bioanalytica AG in Luzern auf Anfrage sagt, kann nämlich wissenschaftlich nicht belegt werden, dass es jährlich zu mehr Krankheiten wegen Zeckenbissen kommt.

Allerdings hat auch das Labor mehr Arbeit. «Es werden jedes Jahr mehr Laboruntersuchungen mit Verdacht auf Frühsommer-Meningoenzephalitis, FSME, oder einer Infektion mit Borreliose-Bakterien durchgeführt» so Trummler.

Wie die Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit zeigen, sind die Fallzahlen zu Zeckenstichen und zur FSME im mehrjährigen Vergleich hoch. Die Hochrechnungen zur Borreliose liegen im langjährigen Mittel.

Bester Ratschlag: Zecke rasch entfernen

Durch das schnelle Entfernen von Zecken könnten Borreliosefälle jedoch eingedämmt werden, da das Risiko einer Übertragung innert 24 Stunden gering ist, bei längerer Dauer steigt es jedoch auf 10–25 Prozent an. Bei der Übertragung des FSME-Virus ist das frühzeitige Entfernen der Zecke ebenfalls die beste Prävention.

Wie Michael Trummler erklärt, könnten FSME-Fälle durch eine höhere Impfrate eingedämmt werden. Dabei stützt er sich auf das Beispiel Österreich, wo durch eine Impfrate von über 80 Prozent fast keine FSME-Fälle gemeldet werden. Gegen eine Borrelien-Infektion kann man sich jedoch nicht impfen; da hilft lediglich eine gründliche Untersuchung nach dem Aufenthalt in Wäldern oder auf Wiesen.

Eine Forschungsgruppe der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) entwickelte eine App, mit welcher 5, 10 und 28 Tage nach dem Zeckenstich der Nutzer daran erinnert wird, dass er die Stichstelle untersuchen soll und welche Krankheitssymptome auftreten könnten. Die Arbeit der Forscher war erfolgreich: Die App zählt 80'000 Nutzer und seit der Einführung vor rund drei Jahren konnten bereits 18'000 Datensätze zu Forschungszwecken gesammelt werden.

Zu wenig Geld: Forschung gestoppt

Nicht nur die Prävention von Zeckenbissen, sondern auch die aktive Bekämpfung der Krankheitsüberträger beschäftigt die Forschung. Zumindest bis vor rund zwei Jahren. Denn die Forschung an einer Zeckenfalle ist damals eingestellt worden. Dies erklärt Werner Tischhauser von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Gründe waren mangelnder Fortschritt, das Ende des zeitlich begrenzten Forschungsprojekts, das von der Kommission für Technologie und Innovation finanziert wurde, und zu geringe personelle wie finanzielle Ressourcen. Wegen der grossen Waldflächen ist eine totale Ausrottung der Schädlinge so oder so nicht möglich. Dennoch konnten laut Tischhauser hilfreiche Erkenntnisse für weitere Forschungen gewonnen werden. Das ZHAW-Team entwickelte eine biologisch abbaubare Zeckenfalle. In diesen wurden die Zecken mit krankheitserregenden Pilzen verseucht. (zgc)

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